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50 Jahre unesco-Projektschule
– 100 Jahre Bismarckschule
Eine Einleitung wird immer erst am Schluss verfasst –
und vom Leser meist überblättert. Fassen wir uns also kurz, blicken nicht
lange auf die Geburtswehen zurück und lenken die Aufmerksamkeit auf Inhalt
und Gliederung dieser Schrift. Es bot sich entsprechend der Historie der
Bismarckschule an, von der Bildungsdiskussion auszugehen, die aufgrund der
veränderten gesellschaftlichen Bedingungen schon lange vor der
Jahrhundertwende 1900 einsetzte und die Neugründung paradigmatisch prägte.
Daran schließt die bisher nicht aufgearbeitete Bau- und Nutzungsgeschichte
an, gefolgt von Beiträgen, die Dokumente aus dem Schul- und Stadtarchiv bis
in die Zeit der dreißiger und vierziger Jahre ausgewertet haben. Eine
gezielte Auseinandersetzung mit der Haltung von Lehrerschaft und Schülern
der Bismarckschule in den Zeiten von Erstem Weltkrieg und
Nationalsozialismus fand in der Vergangenheit kaum statt, sieht man von den
Berichten ehemaliger Bismarckschüler in der Festschrift von 1981 und davon
ab, dass der Opfer von jungen Menschen, die auch diese Schule in den Kriegen
zu beklagen hatte, in würdiger Weise gedacht wurde. Dass sich trotz der
Vernichtung des gesamten ausgelagerten Schriftarchivs der Schule bei einem
Bombenangriff im Jahre 1943 dennoch auch heute noch Erkenntnisse zu den
Lebensbedingungen der Bismarckschüler in den 40er Jahren gewinnen lassen,
zeigt der Beitrag zur Kinderlandverschickung, der wiederum wesentlich auf
Recherchen des ehemaligen Bismarckschülers Hans-Jürgen Feuerhake basiert.
Beteiligung an der Gestaltung und Umsetzung der
Reformdiskussion über den Zeitraum von drei Jahrzehnten, an der Kollegen der
Bismarckschule prägenden Anteil hatten. An einzelne Kolleginnen und Kollegen
wurde in Beiträgen erinnert oder ihre Würdigung in die Aufsätze einbezogen,
so z. B. die unvergessene Dr. Elsbeth Lichtenberg (Lilly), die durch die
Schülerarbeiten Jugend forscht erheblich zur Reputation und Außenwirkung der
Schule beigetragen hat. Beispiele aus den Naturwissenschaften – ein
wichtiges Standbein in der Tradition der Schule – dann Kunst und Musik sowie
die das Schulleben mit prägenden Aktivitäten in den Bereichen Theater und
Sport (Rudern) wurden berücksichtigt. Dem unesco-Gedanken und seiner
bildungspolitischen wie ethischen Verpflichtung wurde in mehreren Beiträgen
Rechnung getragen, die die vielfältigen Dimensionen dieser Arbeit
verdeutlichen. Auch das Landheim in Eldagsen, das viele Schülergenerationen
in sehr guter Erinnerung haben, ist nicht vergessen worden.
Eine Festschrift muss zwangsläufig eine
Patchwork-Arbeit bleiben. Dies gilt in besonderem Maße, wenn der zu
behandelnde Zeitabschnitt wesentlich mit dem 20. Jahrhundert zusammenfällt,
in dem sich die Menschheit mit Umbrüchen in zuvor nicht gekannter Form
konfrontiert sah. Konzeption und vor allem Ausarbeitung und Zusammenstellung
der vorliegenden Schrift konnten sich deshalb nur daran
orientieren, was die Mitglieder der Schule als
Verfasser oder Mittätige zu leisten bereit und in der Lage zu liefern
gewesen sind. Vergleichen wir unser Rohkonzept daraufhin mit dem nun
vorliegenden Ergebnis, so müssen wir feststellen, dass es deutliche Lücken
zeigt. Einer Auseinandersetzung mit dem Namenspatron der Schule etwa wollte
sich kein Autor stellen, vielleicht auch deshalb, weil sich die Festschrift
zum 75jährigen Bestehen der Schule bereits mit Bismarcks Verhältnis zur
Schule befasst hat. Auch eine Diskussion der gegenwärtigen
bildungspolitischen Veränderungen, deren Auswirkungen in ihrem Ausmaß denen
der 70er Jahre um nichts nachstehen, wird erst mit einigem zeitlichen
Abstand zu erwarten sein. Bleibt also genügend Stoff für zukünftige
Publikationen. In diesem Kontext ist auch die Entscheidung zu sehen, die
Festschrift als Sonderausgabe der Schulzeitung herauszugeben, konnte damit
doch nicht nur auf das Know-how der Redaktion zurückgegriffen, sondern
gleichzeitig auch signalisiert werden, dass die Schulzeitung der richtige
Ort ist, Gegenwart und Vergangenheit aus der Perspektive unserer
Großstadtschule zu reflektieren. Wir würden uns deshalb besonders freuen,
wenn ehemalige Bismarckschüler auch zukünftig die Gelegenheit nutzten, ihre
Sicht der Dinge in Beiträgen für die Schulzeitung darzustellen und das
Schularchiv durch die Zusendung von Bildmaterial zu unterstützen.
Festschriften unterliegen letztlich immer der Gefahr
der gleichermaßen drögen wie eitlen Selbstbespiegelung. Wir hoffen aber,
dass wir mit den rund 40 Beiträgen von mehr als 30 Autoren sowie den
zahlreichen, bisher unveröffentlichten, schwer zugänglichen und auch ganz
neu angefertigten Abbildungen diese Klippe umschiffen konnten.
Wir danken allen Beteiligten und wünschen unseren
Lesern viel Freude beim Erinnern und dem Erfahren von Neuem.
Lothar Nettelmann und Hansjörg Rümelin
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