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Jahrbuch und Dokumentation

Zeit Schnitte

Festschrift: Internationales

 
 

Inhalt

Jutta Halstenberg

Facharbeit Erdkunde - Themen? „alle Welt“

Der Abiturjahrgang 2001 war der glückliche, der im Zeitraum 25.02. - 07.04.2000 die Facharbeit im Leistungskurs Erdkunde anfertigen durfte. „Meine erste Facharbeit“! Im Hinblick auf die in grenzenloser Fülle vorhandenen geographischen Sachverhalte konnte ich die Themen auswählen, da mir als Kursleiterin sozusagen die Welt zu Füßen lag. Das zugrunde liegende Semester Städte und Städtesysteme grenzte die Thematik jedoch auf stadtgeographische Probleme ein. Mein absolutes Lieblingsthema war „Community Gardens – Stadtteilrevitalisierung in New York“. Aber auch interessant waren, um nur einige zu erwähnen, „Suburbane Entwicklungen australischer Metropolen am Beispiel von Sydney und Melbourne“, „Siedlungsformen in Israel“ und „Beijing – kritische Betrachtung der Bevölkerungsentwicklung unter dem Einfluss kultureller Strömungen“. Der Schüler konnte aufgrund seiner Reisen nach Peking aus eigener Anschauung berichten und Bewertungen vornehmen. Nicht zu vergessen ist die Facharbeit mit dem Thema „Auswirkungen des Tourismus auf die Siedlungsformen Mallorcas“. Auch hier konnten eigene Wahrnehmungen aus diversen Aufenthalten eingebracht werden!

Meine zweite Facharbeit erfreute den Leistungskurs Erdkunde, Abiturjahrgang 2005, im Zeitraum 10.02. - 23.03.2004 mit „Hannover“. Auch hier eine endlose Zahl möglicher Facharbeitsthemen. Folgende wurden von den Schülern nicht gewählt: „Markt am Mühlenberg – Planung und moderne Entwicklung“, „Die Fischtreppe in der Leinenrasch – ein EXPO-Projekt“, „Verkehrsberuhigung – Sackgassen der Siedlung Seelhorst in Mittelfeld“, „Der Schiffgraben“, „Das Wetter in Hannover“.

Gewählt wurden Themen, die eine Auseinandersetzung mit der urbanen Bedeutung von Geschäftsstraßen und der wirtschaftlichen Inwertsetzung ausgewählter Stadtteile und so genannter „Kleiner Viertel“ ermöglichten. Die Durchführung eigener Kartierungen, Auswertung von Verkehrszählungen, Interviews mit Geschäftsleuten über Aufbau und Entwicklung ihrer Unternehmen, Befragungen von Stadtteilbewohnern zur Qualität ihres Wohnumfelds, einschließlich Dokumentation und Bewertung, sind Beispiele für einen intensiven und engagierten Arbeitseinsatz.

Ich habe die Facharbeiten mit großem Interesse gelesen, insbesondere die häufig in einem Schlusswort gegebenen sehr persönlichen Einschätzungen. Viele Schülerinnen und Schüler stellen dar, dass die vertiefende Bearbeitung einer zunächst unbekannten Thematik eine interessante Erfahrung war und auch Spaß gemacht hat. Um einen Einblick zu gewähren sollen die Themen der Facharbeiten 2004 aufgelistet werden.

  • Hannovers Südstadt – ein Strukturwandel?

  • Eine Stadt lebt in ihren Gärten – Der Königliche Garten zu Herrenhausen.

  • Der Tiergarten in Hannover – ein Wirtschaftsunternehmen und seine Bedeutung für den Stadtteil Kirchrode.

  • Die Nutzung des Fabrikgeländes der Firma Faust in Linden im Wandel der Zeit – eine Analyse.

  • Hannovers Synagogen im Wandel der Zeiten.

  • Kröpcke – Funktionswandel im Zeichen der Zeit.

  • Urbane Entwicklungen des Wirtschaftsstandortes

  • Hannover – Citypassagen und Osterstraße.

  • Die Postmoderne in der Physiognomie Hannovers, außergewöhnliche Gebäude und ihre funktionale Bedeutung.

  • Graffiti in Hannover – eine Analyse des Problems.

  • Das Zooviertel – Die Villen und ihre Bedeutung für das Image.

  • Das Leine-Einkaufs-Center, wirtschaftliche Bedeutung und zentrale Funktion für Hannover und Laatzen.

  • Ahlem – ausgewählte Aspekte einer Stadtteilentwicklung.

  • Zerstörung und Wiederaufbau nach 1945, Stadtplanung in Hannover

  • Der Aegidientorplatz – vom Tor zum Aegidienwald.

  • „Ausgerechnet Hannover“ – EXPO 2000, viel Mühsal für ein bißchen Glanz, und was bleibt? Eine Untersuchung zur Nachhaltigkeit an ausgewählten Projekten am Kronsberg.

  • Das Gelände der EXPO 2000 – eine kritische Untersuchung zum Anspruch einer nachhaltigen Nutzung.

  • Ausbau der Infrastruktur zur EXPO 2000 – eine Untersuchung zur Nachhaltigkeit .

  • Intalliance – Die Zukunft des Nahverkehrs in Hannover.

  • Die ÜSTRA in Hannover – ein Verkehrssystem in der Entwicklung.

  • Religiöse Minderheiten in Hannover – Buddhismus.

  • Hannovers Altstadt und Calenberger Neustadt – Rückblick und heutige stadtgeographische Entwicklung.

  • Kleines Viertel Tiergartenstraße/Großer Hillen / Brabeckstraße – Einkaufen an der Ecke.

  • Der Stadtteil Anderten – eine siedlungsgeographische Analyse.

  • Der Lindener Bergeine siedlungsgeographische Funktionsanalyse von Hannovers dritthöchstem Hausberg.

[Fotografien von der Anlage des Maschsees: Historisches Museum Hannover]

Dörte Kolbe

Noch ein Jubiläum – 50 Jahre UNESCO – Arbeit an der Bismarckschule.

Von der Modellschule zur unesco-projekt-schule

ie Bismarckschule war 1956 eine der ersten UNESCO Modellschulen und die erste in Niedersachsen. Diese Tatsache wird bei Regional- und Jahrestagungen beinahe ehrfurchtsvoll zur Kenntnis genommen, ist aber allein noch kein Qualitätsmerkmal, sondern eher eine ständige Herausforderung. Der folgende Beitrag will versuchen, die Entwicklung und einige Schwerpunkte in der UNESCO-Arbeit aufzuzeigen. Internationale Zusammenarbeit im Bereich der Erziehung, Wissenschaft und Kultur war das ursprüngliche Ziel der UNESCO, und – nomen est omen – die Modellschulen sollten mit ihren Unterrichtsmodellen einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten, indem sie Themen in ihre Curricula aufnahmen wie Ausländer in unserer Stadt, Indien, Der Islam, Lateinamerika zwischen gestern und morgen, die dann einen gewissen Vorbildcharakter für andere Schulen bekommen sollten. Bereits in den 1960er Jahren gab es neben den Unterrichtseinheiten die ersten Hilfsaktionen für unterentwickelte Länder, meist in Form von Spendenaufrufen. Im Vordergrund standen jedoch die Partnerschaften mit Schulen im Ausland wie z.B. den USA, der Türkei, Frankreich, Finnland und Polen. In ein- bis zweijährigem Wechsel fanden Besuche und Gegenbesuche statt, wobei die Schüler und Schülerinnen in den Gastfamilien wohnten, am Unterricht der jeweiligen Partner teilnahmen und natürlich in einem Ausflugsprogramm Eindrücke vom Land gewinnen konnten. Eine weitere Gelegenheit für Bismarckschüler mit Schülern aus aller Welt zusammenzutreffen, ist seit vielen Jahren die MUN-AG. In mehreren Städten wie Berlin, Den Haag, Dublin oder Athen werden Modell-UN-Versammlungen als Rollenspiel abgehalten, und jede teilnehmende Schule vertritt ein ihr zugeteiltes Land. An anderer Stelle wird auf diese Veranstaltungen genauer eingegangen.

Seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts verlagerte sich der Schwerpunkt der UNESCO-Arbeit an der Bismarckschule eindeutig hin zu den Eine-Welt-Projekten, und es wurden Patenschaften in der so genannten 3. Welt ins Leben gerufen. Immer waren und sind es dabei die Kinder, für die sich unsere Schule besonders engagiert: die Fundation Gabriel in La Paz, Bolivien, ein Westfälisches Kinderdorf in Peru, ein Heim in Addis Abeba, Äthiopien und seit einem Jahr die MSAFIRI-Primary-School in Tansania, deren Aufbau wir unterstützen. Für einen Jungen und ein Mädchen haben wir für sechs Jahre die Patenschaft übernommen, indem wir ihr Schulgeld bezahlen. Vielleicht kann eine Gruppe Schülerinnen und Schüler der unesco-ag im nächsten Jahr der Schule in Tansania einen Besuch abstatten. Das wäre das erste Mal, dass sich ein wirklich persönlicher Kontakt zu einem Patenschaftsprojekt entwickeln könnte, nachdem es bisher nur Briefe, Fotos und e-Mails gegeben hat.

Ermöglicht werden alle finanziellen Hilfen durch Aktionen wie Sponsorenläufe, Spenden, eine Tombola oder Einnahmen bei Schulfesten. Spontane Spenden-Aktionen haben z.B. während des Bosnienkrieges und der Flutkatastrophe an der Elbe 2002 stattgefunden.

Die Bismarckschule nimmt regelmäßig mit großem Erfolg den Internationalen Projekttagen der unesco-projekt-schulen teil, die 1996 ins Leben gerufen wurden, als sich der Reaktorunfall in Tschernobyl zum zehnten Mal jährte. Damals war die zukünftige Energieversorgung das Thema. Es folgten Themen wie Menschenrechte, Begegnung der Kulturen und Lebenselixier Wasser.

Schüler und Schülerinnen, die sich engagieren wollen, bekommen durch die UNESCO- Arbeit auch die Möglichkeit, an Workshops teilzunehmen, bei denen sie mit Schülern aus anderen Ländern an einem Thema arbeiten können. Das Baltic Sea Project soll hier stellvertretend für alle genannt werden: Gruppen aus den Anrainerstaaten der Ostsee treffen sich regelmäßig, um sich wissenschaftlich aber auch künstlerisch mit der Geschichte und den Problemen der Ostsee auseinander zu setzen.

Ein neuer Themenbereich entstand nach den Ereignissen vom 11. September 2001: die niedersächsischen unesco-projekt-schulen initiierten einen so genannten europäisch-arabischen Dialog, da sie dem drohenden Religionskonflikt zwischen Islam und Christentum durch Gespräche und Begegnungen entgegen treten wollten. Seitdem fanden in Bonn, Lüneburg, Hannover und Göttingen Tagungen mit Lehrern und/oder Schülern statt, die einen Workshop in Tripoli, Libanon, im November 2005 vorbereiteten. Das Ergebnis ist ein Internetmagazin mit Informationen über die teilnehmenden Länder – Deutschland, Libanon, Palästina und Jordanien auf Englisch und Arabisch.

Ein Thema, das die UNESCO-Arbeit in den nächsten Jahren erheblich beeinflussen wird, ist die von der UNO ausgerufene Dekade der Nachhaltigkeit, in der es um den Umgang mit Rohstoffen, erneuerbare Energien und die Versorgung aller Menschen mit gesunden Nahrungsmitteln und sauberem Trinkwasser gehen wird.

Die Herausforderungen, denen sich eine Schule – und im besonderen Maße eine unesco-projekt-schule – stellen muss, sind vielfältig. Ohne das Engagement der gesamten Schulöffentlichkeit – Lehrer, Eltern und Schüler – ist  UNESCO-Arbeit nicht möglich, da sie Zeit, Organisationstalent und auch Geld kostet. Der Erfolg ist jedoch nicht mit Geld zu bezahlen: wir machen viele Menschen in fremden Ländern glücklich und geben ihnen eine Zukunftschance, und wir erziehen junge Menschen an der Bismarckschule zu toleranten und vorurteilsfreien Menschen, die sich für andere Menschen, ein friedliches Miteinander in der einen Welt und die Umwelt einsetzen.

Dörte Kolbe, UNESCO-Koordinatorin

[Fotografien: Paul Hentschel]

Bernd Zwick

Die MUN (Model United Nations)-AG

The object of the MUN is to seek, through discussions, negotiations, and debate, solutions to the various problems of the world, dealing with economic, social, environmental and cultural issues. The young delegates, in seeking solutions to these problems, can learn to break away from national interests and to develop true international cooperation. It gives-them the opportunity to experience the work of the United Nations and to get to know the world of diplomacy.

Dieses Zitat aus der Einladung zu einem MUN-Treffen in Oldenburg fasst sehr gut das Ziel der MUN-Arbeit zusammen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in San Franzisco die Vereinten Nationen (UN) mit Sitz in New York gegründet. Mittlerweile sind fast alle Länder der Erde Mitglied dieser Organisation, deren Aufgabe es u.a. ist, bewaffnete Konflikte, wo immer sie auftauchen mögen, einzudämmen, für die weltweite Durchsetzung der Menschenrechte zu sorgen und Maßnahmen zum Umweltschutz vorzuschlagen bzw. zu unterstützen. Genau diese Arbeit wird von den Schülern in Erstmalig im Jahre 1988 ist eine Delegation der Bismarckschule nach Den Haag gereist um an der dortigen MUN-conference teilzunehmen. Unser ehemaliger Kollege Herr Waßmann hatte den Tipp von einer Kollegin aus Wentorf bei Hamburg erhalten. Seinerzeit kamen ca. 1500 Schüler aus 65 Nationen im Congresgebouw von Den Haag zusammen. In der Zwischenzeit ist die Zahl der teilnehmenden Schüler von Schulen aus aller Welt auf ca. 4500 gestiegen und der Veranstaltungsort an seine Grenzen gestoßen. Aus dem Raum Hannover sind außer der Bismarckschule auch das Gymnasium Isernhagen, die Käthe-Kollwitz-Schule und das Kurt Schwitters Gymnasium jedes Jahr mit je einer Delegation bei den THIMUN (The Hague Model United Nations) vertreten. Seit 1993 nehmen wir jeweils im November jeden Jahres an der MUN in Berlin (BERMUN) teil. Auch diese Veranstaltung ist stetig gewachsen, von ursprünglich ca. 120 Teilnehmern auf ca. 600 in 2005. Für die Bismarckschüler gilt BERMUN als Vorbereitung auf in der letzten Januarwoche stattfindenden THIMUN.

MUN-Veranstaltungen werden mittlerweile von vielen Schulen weltweit angeboten. Wir erhalten regelmäßig Einladungen aus Kairo, Sankt Petersburg, Neu Delhi, Paris, Dublin etc. Zusätzlich zur Teilnahme an THIMUN und BERMUN waren wir in den letzten Jahren, aufgrund des dringenden Wunsches unserer MUN-AG-Teilnehmer, auch an MUN-Konferenzen in Haarlem (bei Amsterdam, 1999, 2000), in der deutschen Schule Athen (Herbst 2001) und in der St. Andrews Schule von Dublin (Osten 2003) mit Delegationen vertreten.

Die zu vertretenden Länder werden den Schulen 3 Monate vor der Konferenz zugelost. Es ist schon spannend, sich in die Rolle eines Delegierten eines Landes wie Papua Neu Guinea, Belize, Griechenland oder Ekuador zu versetzen und als solcher die Sicht des Landes zu den jeweiligen Themen zu vertreten. Hierzu bedarf es einiger Vorarbeiten (research work) für das Erstellen von Resolutionsentwürfen (draft resolutions), die die Grundlage für die Debatten bei den MUN-Konferenzen sind. Es geht darum, mit den Delegierten anderer Länder in den jeweiligen Komitees einen Konsens zu finden. Die Debatten in den Kommissionen und Komitees werden von Schülern, die sich um die jeweiligen Posten bewerben müssen, geleitet.

Seit einigen Jahren werden parallel zu der MUN-Vollversammlung auch Sitzungen des Internationalen Gerichtshofs (ICJ) abgehalten. Nur besonders engagierten und motivierten Schüler gelingt die Aufnahme in dieses exklusive Gremium. In den letzten Jahren war die Bismarckschule sowohl in Berlin als auch in Den Haag mit Anwälten als auch Richtern im ICJ vertreten.

Die Konferenzsprache ist grundsätzlich Englisch, was für die Nicht-Muttersprachler eine zusätzliche Herausforderung darstellt, zumal ein großer Teil der Delegierten aus englischsprachigen Ländern kommt. Besonders beim Lobbying, das den eigentlichen Debatten vorausgeht, bietet sich den Schülern die Möglichkeit, in direkten Kontakt mit Schülern anderer Länder in Nationalitäten zu kommen und sich mit ihnen nicht nur über die Themen der Vereinten Nationen auszutauschen. Es ist noch zu erwähnen, dass alle Delegierten und ihre Betreuer während der Konferenz dem sogenannten Dress Code unterliegen, das heißt sie müssen in angemessener Kleidung (Anzug, Krawatte, Kleid) auftreten, was dem Ganzen einen eindrucksvollen äußeren Rahmen gibt.

Wichtiger als gute oder sehr gute Englischkenntnisse für die Teilnahme an der AG und den Konferenzen ist das grundlegende Interesse, sich mit internationalen Problemen und Konflikten auseinanderzusetzen und nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen, was in gutem Einklang mit den Erziehungszielen der Bismarckschule als UNESCO-Projekt Schule steht. Die Teilnahme an der AG wird für Schüler ab Klasse 10 empfohlen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass, wer erst einmal „Blut geleckt“ hat, bis zum Ende seiner Schulzeit dabeibleibt und sich auch um den Nachwuchs kümmert. Die Erfahrungen werden von Schülergeneration zu Schülergeneration weitergegeben.

Die Aktivitäten der MUN-AG werden dankenswerterweise jedes Jahr von dem Verein der Eltern und Förderer der Bismarckschule (VEF) finanziell unterstützt und auch die Stadt Hannover leistet einen kleinen Beitrag, so dass die Kosten für die Schüler etwas gesenkt werden können.

THIMUN 2006

Jutta Halstenberg

BSP — The Baltic Sea Project

Die Bismarckschule ist auch eine BSP – Schule. Ziele des Baltic Sea Projects sind environmental awareness, international cooperation, solutions, sustainable Development. Wesentliche Programme sind Water quality, Air quality, Rivers, Bird Ecology, BSP- Coast Watch, Phenological Studies, Environmental history. Hierzu finden Sommercamps statt, an denen Schülerinnen und Schüler der BSP-Schulen aus allen Ostseeanrainerstaaten teilnehmen. In Workshops können sich die Jugendlichen in wissenschaftlicher, kultureller und künstlerischer Weise mit dem Ökosystem Ostsee auseinandersetzen, größtenteils in englischer Sprache. Von dem BSP Sommercamp 1998 in Timmendorfer Strand an der Ostsee wurde die Idee des Korkensammelns in unsere Schule getragen. Seither wurden schon mehrere Korken-Sammelaktionen an der Bismarckschule durchgeführt. Das Motto des Sommercamps im August 2002 in Rostock, Warnemünde, Markgrafenheide lautete: Ein Raum zum Leben – ein Lebensraum. Auch hier war die Bismarckschule mit einigen Schülerinnen und Schülern vertreten. Im Juni 2003 hat die unesco-ag der Bismarckschule an der Abschlussveranstaltung Yesterday-Today-Tomorrow, zum Thema Environmental history, der deutschen General-Koordination des Ostseeprojektes teilgenommen. Über 300 Jugendliche trafen sich auf dem Koppelsberg bei Plön, um in den Workshops gemeinsam zu arbeiten, aber auch Freizeit miteinander zu verbringen. Ein besonderes Highlight war sicherlich die Performance des Workshops Sounds, Rhythms & Performance. Das nächste Sommercamp ist in Planung.

Gerhard Voigt

Wer ist der UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover?

Eine Vorstellung

Der UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., wurde vor bald drei Jahrzehnten von Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern und Vertretern der Elternschaft gegründet um die Arbeit der Bismarckschule Hannover als UNESCO-Projekt-Schule zu unterstützen und ihr breitere Öffentlichkeitswirksamkeit zu verschaffen.

Damals bezeichneten sich die Schulen, die seit der frühen Nachkriegszeit erste Chancen internationaler Kontakte erproben wollten und sich an den interkulturellen Zielen der UNESCO orientierten, als UNESCO-Modellschulen. Die Bismarckschule Hannover gehörte zu den ersten Schulen in Deutschland, die- sich in den fünfziger Jahren diesem internationalen Verbund anschlossen.

Wir sehen darin eine frühe Form der Profilbildung und der Entwicklung eines Schulprogramms, wie es heute als Forderung an die Schulen gestellt und als aktuelles schulpolitisches Konzept vertreten wird.

Der Modellcharakter dieser Schulen war erfolgreich. Viele Schulen sind in der Zwischenzeit internationale Schulpartnerschaften eingegangen, konzentrieren sich auf Patenschaften mit Schulen und Projekten in der »Dritten Welt« und pflegen regelmäßigen Schüleraustausch.

Die UNESCO-Projekt-Schulen konzentrieren sich seither wieder auf besondere Projekte, die über den Schulalltag hinausgehen: Projekttage zur Friedenserziehung, Internationale Ökologische Verantwortung, Internationale Projekte zu Lage der Kinder und Jugendlichen... Darüber wird an andere Stelle dieser Publikation von der UNESCO-AG der Bismarckschule Hannover ausführlicher berichtet. Wiederum sollen diese Projekte in der Öffentlichkeit Wirkung zeigen und das Bewusstsein für die Probleme einer interkulturellen Gesellschaft und die politischen und sozioökonomischen Veränderungen durch die Globalisierung und Universalisierung fördern helfen.

Der UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., schafft eine Basis dafür,

  • um unabhängig vom laufenden Schulalltag Öffentlichkeitsarbeit für die interkulturelle Bildung und für die Schulpartnerschaften der Bismarckschule Hannover zu leisten,

  • um Vorträge und andere Veranstaltungen in der Schule und an außerschulischen Lernorten organisieren zu können,

  • um durch Tagungen und Fortbildungsveranstaltungen die Konzepte des interkulturellen Lernens weiter zu entwickeln,

  • um für Dritte-Welt-Partnerschaften auch die Möglichkeit einer rechtlich einwandfreien finanziellen Abwicklung von Fördermaßnahmen zu sichern,

  • um ehemalige Angehörige der Schule und Freunde und Förderer der internationalen Arbeit der Bismarckschule Hannover in die UNESCO-Projekt-Schul-Arbeit mit einzubeziehen und um Kontakte zu anderen UNESCO-Clubs und anderen Institutionen der interkulturellen Bildung zu pflegen.

Die Schriftenreihe

Seit einigen Jahren wird die Schriftenreihe des UNESCO-Clubs fair die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e. V. herausgegeben, deren Hefte im Buchhandel zu beziehen sind. Im Mittelpunkt stehen Berichte aus der Arbeit der Bismarckschule Hannover als UNESCO-Projekt-Schule z.B. über Studienfahrten oder Austauschfahrten. Aber auch allgemeine Publikationen über Interkulturelle Bildung als Ergebnis von Tagungen finden sich im Veröffentlichungsprogramm. Gerade ist eine Kooperationsvereinbarung mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hannover e.V. getroffen worden, nach der Buchpublikationen über das Deutsch-Polnische Verhältnis als Sonderhefte in die Schriftenreihe des UNESCO-Clubs aufgenommen werden. Mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft verbindet die Bismarckschule Hannover eine jahrzehntelange gemeinsame Arbeit und Kooperation, die über die lange existierende Schulpartnerschaft der Bismarckschule Hannover mit einer Oberschule in Poznań/Posen weit hinausgeht.

Ebenfalls wird eine Kooperation mit der Deutsch-Türkischen Vereinigung zum sozial- und geisteswissenschaftlichen Austausch (DTA), Hannover, die von Angehörigen des Soziologischen Instituts der Universität Hannover ausgeht, entwickelt, die die Schulpartnerschaft der Bismarckschule Hannover mit der Istanbul Lisesi (Deutsche Abteilung, Türkische Web-Site) inhaltlich einbindet und organisatorisch unterstützt (Türkei-Studienfahrt in den Osterferien 2005). Der Vertrieb der Publikationen des UNESCO-Clubs hat von Anfang an der Verband der Politiklehrer e.V., Hannover, übernommen, der sich den interkulturellen Zielen des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., verbunden sieht und durch den gemeinsamen Vertrieb Synergieeffekte realisieren kann.

Mitgliedschaft

Mitglieder des UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., sind:

  • Schülerinnen und Schüler der Bismarckschule Hannover

  • ehemalige Schülerinnen und Schüler der Bismarckschule Hannover

  • Lehrerinnen und Lehrer der Bismarckschule Hannover

  • Mitglieder aus der Elternschaft der Bismarckschule Hannover

  • Freunde und Förderer der UNESCO-Projekt-Schul-Arbeit der Bismarckschule Hannover.

Aktuelle Arbeit des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee

Die Berichte aus der Arbeit des UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., werden ebenso im Rahmen einer Internet-Seite veröffentlicht wie der Rechenschaftsbericht des Vorstandes und eine Auswahl der Publikationen aus der Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V.

Im Schuljahr 2001/2002 konnte der UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., seine Arbeit auf eine breitere Basis stellen, da die Bismarckschule Hannover im InfoSCHUL-Projekt des BMfB+F im Schulverbund Hannover einige Zeit mitarbeitete und hier die Arbeitsergebnisse zum gewählten Projektthema Länderübergreifende elektronische Partnerschaften auf der Web-Site des UNESCO-Clubs (http://www.UNESCO-Club-Hannover.de) vorgestellt und dokumentiert hat. Diese Berichte sind von den beteiligten Schülerinnen und Schüler erstellt. Sie werden durch Bilder und Graphiken aus dem Arbeitszusammenhang des InfoSCHUL-Projektes unterstützt. Der Sinn dieses InfoSCHUL-Projektes war es, die Kompetenz der teilnehmenden Schulen in der unterrichtlichen Nutzung von Computern zu stärken und durch Tagungen und Schulungen einen bundesweiten Erfahrungsaustausch zu ermöglichen. Aus Kostengründen haben sich die hannoverschen Schulen nur im genannten Projektabschnitt beteiligen können, doch hat auch die Bismarckschule Hannover von den Anregungen und der Vermittlung von Software und Hardware profitieren können. Zur endgültigen Implantierung dieser neuen Technologien wäre aber eine längere Projektdauer nützlich gewesen.

Folgende Projekte sind im Rahmen der InfoSCHUL 11-2 – Arbeit durchgeführt worden:

Begegnung mit Polen

Der Erdkunde-Leistungskurs der Klassenstufe 13 beschäftigte sich 2001/02 mit den Transformations-Prozessen in Polen und Osteuropa, mit der Geschichte und Geographie dieses Raumes und insbesondere mit der Kulturregion Galizien im grenzübergreifenden Kontext von Polen und der Ukraine. Vertieft wurde diese Arbeit durch eine Studienfahrt nach Kraków im Herbst 2001, die auf den oben schon erwähnten Internet-Seiten des UNESCO-Clubs dokumentiert worden ist.

Der Ostseeraum

Der Erdkunde-Grundkurs der Klassenstufe 12 mit dem Thema Stadtgeographie veranstaltet einen »Workshop« in Lübeck, bei dem im Anschluss an das Baltic Sea Project der UNESCO-Projekt-Schulen über die Möglichkeiten der geographischen Erfassung der Ostseeverbindungen in Geschichte und Gegenwart und ihre Umsetzung in heutige Kommunikationsformen im Rahmen des InfoSCHUL-Konzeptes gearbeitet wird.

Türkei als Partner Europas

Eine Schülergruppe der Türkei-Arbeitsgemeinschaft der Bismarckschule Hannover wollte in den Osterferien 2002 eine Studienfahrt in die Türkei unternehmen, die leider aus Kostengründen storniert werden musste. Erst nach Ablauf des Info-SCHUL-Projektes 2002 konnte 2005 mit Kontakten und einer erfolgreichen Türkei-Reise wieder an dieses Projekt angeknüpft werden. Aufgegriffen wurde dieser Arbeitsschwerpunkt mit einer erneuten Verbindung mit unserer türkischen Partnerschule, der Istanbul Lisesi, über eMail-Kontakte während unserer Projektwoche im Sommer 2005.

Zur Geschichte und Gegenwart des UNESCO-Clubs

Die Anregung zur Gründung von UNESCO-Clubs kam von der UNESCO in Paris selbst und wurde von der Deutschen UNESCO-Kommission (DUC) propagiert. Sehr früh fühlte sich die Bismarckschule Hannover als UNESCO-Modell-Schule von dieser Initiative angesprochen und gründete unter tatkräftiger Initiative des damaligen UNESCO-Betreuers Herrn Dr. Kalthoff den UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V. als rechtsfähigen eingetragenen Verein mit gemeinnützigem Status.

Erst im Laufe der Zeit wurde uns unsere Sonderstellung bewusst, dass wir der einzige UNESCO-Club in Deutschland waren, der personell und institutionell mit einer Schule verknüpft war. Das hatte und hat Vor- wie Nachteile. Auf der einen Seite ist das Reservoir der inhaltlichen Aktivitäten an einer UNESCO-Projekt-Schule erheblich größer und teilweise auch öffentlichkeitswirksamer als in einem frei schwebenden ideellen Verein. Unsere Bilanz der Aktivitäten ist daher zeitweise auch beeindruckend gewesen (könnte aber aktuell wieder erheblich verstärkt werden). Auf der an—deren Seite musste die Satzung des Vereins die beratende Vorstandsmitgliedschaft der Schulorgane der Schuhleitung, Eltern- und Schülerschaft hinnehmen, um in der Schule selbst als schulische Organisation wirken zu können und - die Ressourcen der Schule in Anspruch zu nehmen. Es kam und kommt jetzt darauf an, in welchem Maße die Schulorgane sich mit den Zielen und Möglichkeiten der UNESCO-Arbeit identifizieren, ob diese enge Verzahnung als Transmissionsriemen zwischen Schule und Öffentlichkeit wirkt oder eher als Hemmnis und retardierende Aktivitätsbremse. Dafür ist immer wieder aufs Neue Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten.

Positiv in diesem Sinne war es, dass vor wenigen Jahren die Deutsche UNESCO-Kommission auch die UNESCO-Clubs neue aufgestellt hat und in verstärkte gegenseitige Aufmerksamkeit durch Erfahrungsaustausch, Kommunikation und ein offizielleres Erscheinungsbild bringt. Seither firmiert der UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V. parallel auch als UNESCO-Club Hannover und kann als solcher auch auf seiner Web-Site erreicht werden (http://www.unesco-club-hannover.de). Inhaltlich bedeutet das aber, dass unser UNESCO-Club nach Prüfung von Satzung, Programm und Aktivitäten als geeignet erscheint, als UNESCO-Club auch die Region zu vertreten, was aber auch bedeutet, dass Mitglieder aufgenommen werden können, die nicht in unmittelbarer Beziehung zur Bismarckschule Hannover stehen. Damit ist verbunden die offizielle Genehmigung, die UNESCO-Signets in den eigenen Schriften und Internet-Auftritten zu verwenden.

Bis hierhin war es ein langer Weg, an dem sich eine Vielzahl von Personen aktiv und bemüht beteiligt haben. Die besondere Bedeutung von Dr. Kalthoff, Englisch- und Geschichtslehrer der Bismarckschule Hannover, bei der Gründung des UNESCO-Clubs wurde schon hervorgehoben. Später wurden auch Schülerinnen und Schüler in der Vorstandsarbeit tätig. So bemühte sich einige Jahre die Schülerin – später ehemalige Schülerin – Şehnaz Çelik als Vorsitzende besonders um den Arbeitsschwerpunkt Türkei und begleitete eine Reisegruppe auch auf einer Austausch-und Studienfahrt in die Türkei.

Im Laufe der Zeit ergaben sich dann wechselnde Arbeitsvorhaben und Schwerpunkte, die meist aus der Schule heraus initiiert worden sind. So konnte die ehemalige Kollegin Bärbel Tasch für einige Zeit ein vom UNESCO-Club mit betreutes Kontaktprogramm zu einer Schule in Oulu/Finnland aufbauen, worüber der UNESCO-Club ein Berichtsheft vorgelegt hat.

Bis heute hat eine Patenschaft mit dem Hospital San Gabriel in La Paz / Bolivia Bestand und fruchtbare helfende Erfolge, über die in regelmäßigen Abständen ausführlich berichtet wird. Diese Berichte werden auch auf unserer Internet-Seite publiziert.

Nur am Rande beteiligt war der UNESCO-Club bei einigen größeren privat organisierten Ferienreisen mit Schülerinnen und Schülern der Bismarckschule Hannover nach Skandinavien, Nordafrika, in den Iran und in den Nahen Osten, über die Berichte in der Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., erscheinen konnten, die neuerdings wieder auf unseren Internet-Seiten nachzulesen sind.

Die gesamte Arbeit ist jedoch geprägt von dem Nebeneinander von schulinterner UNESCO-AG, um die sich vor allem bis heute die Kolleginnen Dörte Kolbe und Jutta Halstenberg kümmern und verdient gemacht haben, mit der eigentlichen Club-Arbeit, in der sich dann auch vor allem die Kollegen Ulrich Wehking mit der Betonung des Schwerpunktprogramms der Polen-Kontakte und daneben der Dritte-Welt-Arbeit – parallel zum leider nicht mehr fortgeführten Dritte-Welt-Laden, der seinen offiziellen Status auch über den UNESCO-Club erhalten hatte – und Günter Fuchs engagierten, der bis heute die finanzielle Geschäftsführung inne hat. Augenblicklich ist der Verfasser dieser Zeilen Vorsitzender des UNESCO-Clubs, wünscht sich aber aus Altersgründen einen baldigen Nachfolger, um sich für die nächsten Jahre auf einige inhaltliche Arbeitsschwerpunkte auch nach seiner Pensionierung konzentrieren zu können, so auf die Verstärkung der Internet-Präsenz und vor allem die Fortführung der Türkei- und Orientkontakte.

Lothar Nettelmann und Ulrich Wehking

Schüleraustausch mit Polen

Es wird immer wieder gefragt, wie es anfing und worin der Antrieb und die Motivation bestanden. Es ist immer die pädagogische Neugier, das Kennenlernen-Wollen des Fremden und Fernen, das dann zum Vertrauten und Nahen wird. Dieses galt und gilt für alle Aktivitäten, für die Austauschprogramme mit England, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Polen, der Türkei und den USA.

Bezüglich Polens kam die Konfrontation mit der eigenen Geschichte und damit der unbewältigten Vergangenheit der Elterngeneration hinzu. Und diese ist abgeschlossen. Dazu haben wir unseren Beitrag geleistet. Entsprechendes gilt für andere Schulen in der Region Hannover: Gymnasien und Realschulen in Barsinghausen, Burgdorf, Letter und Garbsen und Hannover. Engagiert waren auch Schulen in Bremen, Hamburg und Göttingen. Unser Austausch war aber der erste, und er wurde kontinuierlich durchgehalten.

Es ist darüber geschrieben und publiziert worden, z. B. von Eva Helms-Scholz, Michael Kronig, Lothar Nettelmann, Gerhard Voigt und Ulrich Wehking.*

Die über den Rand der Schule hinausgehenden Aktivitäten – Vorträge und Seminare sowie Publikationen – waren die Folge eines Engagements, das mit Billigung und ausdrücklichem Wunsch des damaligen Schulleiters Ulrich Bauermeister erfolgte. Es wurde vom Niedersächsischen Kultusministerium unterstützt: Dr. Werner Remmers, Dr. Edigna Schrembs und Prof. Rolf Wernstedt. Auch das Hannoversche Rathaus stand engagiert hinter uns: Herbert Schmalstieg und Harald Böhlmann. Wesentlich war auch die Unterstützung durch die Niedersächsische Landeszentrale für Politische Bildung: Dr. Kaden, Dr. Wolfgang Scheel und Heinz Wunderlich. Auch die GEW unterstützte uns, z.B. Rolf Bade.

Mit den geographischen, historischen, pädagogischen und sozialwissenschaftlichen, z.T. auch den Germanistischen Instituten der Universitäten in Hannover und Oldenburg gab es mehrfach Beispiele der Zusammenarbeit auf didaktischer und wissenschaftlicher Ebene. Zu nennen sind auch die der Politischen Bildung bzw. Fortbildung dienenden Häuser in Braunlage, Celle-Hustedt, Sonnenberg, Vlotho und Lüneburg.

Es erfüllt mit Trauer, dass das zentrale Haus Niedersachsens, die Landeszentrale für Politische Bildung, am 1.1.2004 aus nicht nachvollziehbaren Gründen geschlossen wurde und andere Häuser, die jahrzehntelang fruchtbare Bildungsarbeit geleistet haben und als Foren dienten, in ihrer Existenz bedroht sind.

Wenn ein Schüleraustausch schon mehr als 20 Jahre erfolgt, so ist das ein Beweis für ein gegenseitiges freundschaftliches und kollegiales Engagement. Dies zeigte sich 1984, z. B. als die „Betonfraktion“ in Warschau – in menschenrechtswidriger Weise seit Jahren aus Ost-Berlin unter Druck gesetzt, wie man damals schon wusste oder erahnte – die vertrauensvolle Zusammenarbeit im pädagogischen Handeln, dem gegenseitigen Kennenlernen und Verstehen, auf die minimale Ebene von Freizeitveranstaltungen in den Ferien herabdrücken wollte. Diesem zu widerstehen und das unwürdige Ende abzuwenden, haben wir gemeinsam erreicht. Die Lösung bestand in Besuch und Gegenbesuch durchgeführten Projekten außerhalb der Schulen, verbunden mit dem traditionellen Schulbesuch und der Unterbringung in Familien ab 1987.

Roman Henicz, der langjährige Direktor unserer Partnerschule wies auf den gemeinsam errungenen Erfolg, das stabile gegenseitige kollegiale und freundschaftliche Engagement hin, als wir im September 2003 Zwanzig Jahre Schüleraustausch in unserer Partnerschule in Poznań feierten. [L.N.]

Lothar Nettelmann hat im ersten Teil von der pädagogischen Neugier als Antrieb gesprochen. Dazu gesellen sich natürlich die historische Neugier, die kulturelle Neugier, auch die kulinarische Neugier und vor allem die Neugier auf die Menschen in Polen. So würde ich meine persönliche Motivation umschreiben, die mich nun schon elf Jahre an dem Schüleraustausch teilnehmen lässt.

(Gast)freundliche, interessante und vielseitig interessierte Menschen habe ich kennengelernt, humorvolle, selten schwierige, oft religiös verankerte. Dabei sind dauerhafte Freundschaften entstanden.

Was die historische Neugier betrifft, kann gerade Posen die wechselvolle und spannungsreiche Geschichte zwischen Polen und Deutschen vor allem im 19. und 20. Jahrhundert verdeutlichen. Die Steine des Posener Schlosses z.B. atmen diese Geschichte. Dem dunkelsten Kapitel sind wir 2005 beim Besuch der Gedenkstätte Fort VII begegnet, einer alten Wehranlage, die im sich auflösenden Morgennebel einen geradezu idyllischen Anblick darbot, wo aber – zu einem Lager umfunktioniert – im Oktober 1939 zum erstenmal psychisch Kranke von den Nazis mit Kohlenmonoxid vergast wurden und einen langsamen, qualvollen Tod gestorben sind.

Von einem Erlebnis ganz anderer Art und damit die mögliche Spannbreite der Erfahrungen dokumentierend erzählt die Tagebuchnotiz der Schülerin K. Sanner aus dem Jahre 1997, als wir einen Ausflug in die Hohe Tatra machen durften: Schließlich besteigen wir erneut eine Bergbahn, die uns diesmal den ganz langen Weg bis zum 1990 m hohen Kasprowy Wierch-Gipfel hinaufruckelt, wo uns ein treffliches Gelände für eine Gratwanderung erwartet. ... Die einen genießen einfach hier wie auch sonst überall Gespräche und Albereien in der Gruppe; die anderen lassen sich von den Flügeln der Intuition in andere Sphären tragen, bezaubert von der Weite, den Formen der Hänge und der Illusion von Freiheit, welche die Luft der Höhe erschafft.

Neben Schulbesuch, Stadtrundgang, Tanztheater oder Konzert und zahlreichen Freizeitaktivitäten gehört ein Tagesausflug zum festen Programmbestandteil und hat uns außer in die Hohe Tatra in den letzten Jahren auch nach Gnesen, Thorn und Breslau geführt. Umgekehrt gibt es auch hier in Hannover ähnliche, bewährte Programmpunkte: Besuch des Historischen Museums (Stadtgeschichte), Stadtrundgang, Besuch der Gedenkstätte Ahlem, Oper oder Theater o.Ä. und ebenfalls ein Tagesausflug (Hamburg, Bremen, Lüneburg, im Jahr 2000 natürlich die EXPO In dem Brief eines polnischen Gastschülers hieß es: „Wir haben uns sehr gefreut, dass wir in der Woche für alles Zeit gefunden haben, z.B. um über Themen zu diskutieren, die wohl allen jungen Menschen, egal aus welchem Land sie kommen, wichtig sind. Durch diese Gespräche konnten wir uns besser kennen und verstehen lernen und dabei viele Sachen aufklären, die uns auf den ersten Blick unterscheiden. Der Ausflug nach Hamburg hat uns auch unheimlich Spaß gemacht. Oder die Besichtigung des VW-Werks in Stöcken. Das war eine interessante Erfahrung.“ Und ein anderer Schüler schrieb: Aber am stärksten bleibt mir die Gastfreundlichkeit der Familien in Erinnerung. Sie haben gut für uns gesorgt und uns das Leben der deutschen Jugend von einer neuen Seite gezeigt. (Zitate aus: Zeitung der Bismarckschule Nr. 5 1999, S. 19f.)

Diese Aussagen zeigen, dass das Gelingen des Austausches auch von der Qualität des Programms abhängt, aber vor allem von den Schülern selbst, der Harmonie in der Gruppe und zwischen den Gruppen, dem Sich-Wohlfühlen in der Gastfamilie, der funktionierenden Verständigung, wozu auch die Qualität der Sprachkenntnisse gehört, ob also die polnischen Schüler bereits über ausreichende Deutsch- oder beide Seiten über genügend Englischkenntnisse verfügen. Deshalb war es in den letzten Jahren oft hilfreich, dass aus Polen stammende Bismarckschüler am Austausch teilgenommen haben, wenngleich diese Begegnungen nicht zu den ursprünglichen Intentionen des Austauschs (Kennenlernen des Fremden und Fernen) gehören. Auch das Alter der Teilnehmer hat Einfluss auf den. Verlauf der Besuchswoche. Im Jahr 2005 z.B. stammten fast alle Schüler der deutschen Gruppe aus dem 10. Jahrgang, was dem Zusammenhalt sehr dienlich war. 1999 dagegen zerfiel die Gruppe in zwei Teile, da sie zu je fünfzig Prozent aus Zehnt- und Zwölftklässlern bestand, und ging in der freien Zeit verschiedene Wege. Seit 1995 bin ich zweimal mit Michael Kronig (der mich damals überredet hat mitzumachen), zweimal mit Hansjörg Rümelin, einmal mit Wilfried Haase und einmal im Jubiläumsjahr 2003 mit Lothar Nettelmann und Johannes Brockmann

nach Posen gefahren und habe mit ihnen zusammen das Programm der Gegenbesuche organisiert. In den Jahren zuvor haben sich verschiedene Kolleginnen und Kollegen im Austausch engagiert: Michael Bockhorst, Till Büthe, Günter Fuchs, Inga Goy, Rose Jehnen und Marianne Strutz. Auf polnischer Seite sind die Lehrkräfte für Deutsch, Frau Ulanicka (seit 1995) und vor allem Herr Krolikowski, (seit 1997) unsere derzeitigen verlässlichen Ansprechpartner, ohne deren Engagement das Fortbestehen des Austausches schwer vorstellbar ist.

Es heißt oft, der Austausch sei Routine geworden. Das ist zum Teil sicher richtig. Die Fahrten mit der Bahn sind problemlos, die Grenzkontrollen auch. Bewährte Programmpunkte werden fortgeführt und sind deshalb leichter zu organisieren. Noch 1995 lief die Kommunikation bei der Planung und Organisation fast ausschließlich über die Briefpost. Bis zu 14 Tage verstrichen, bis z.B. eine Anfrage beantwortet war. Als damals eine Schülerin krankheitsbedingt nicht mitkommen konnte, erfuhr die gastgebende Familie dies erst auf dem Posener Bahnhof. Die Enttäuschung war entsprechend groß. Heute benutzen wir Telefon, Fax, E-Mail und SMS, so dass beide Seiten beinahe zeitgleich auf dem neuesten Stand sind. Soweit Routine und Vereinfachung.

Aber immer wieder bzw. immer noch ist es anstrengend, auf unserer Seite genügend Schüler(innen) zu finden, die mitfahren wollen bzw. bereit sind, die Gäste aus Posen zu beherbergen. 15 aus dem 9. bis 12. Jahrgang ist die angestrebte Zahl. Es waren in den letzten Jahren zwischen 11 und 14. Noch weniger gelingt es, dass sich identische Gruppen einmal in Posen und einmal in Hannover treffen. Auf polnischer Seite spielen für die Familien auch die Kosten eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Posen ist eben nicht Paris, tönt es manchmal. Natürlich nicht. Aber auch nicht Peine, wie jemand einmal treffend konterte. Es sind noch zu viele falsche Bilder im Kopf der deutschen Schüler – von Polen, seinen Einwohnern, von Posen. Oft sind sie dann vor Ort überrascht, was diese Stadt alles zu bieten hat und was für gastfreundlichen Menschen sie begegnen. Und manch eine(r) fährt auch ein zweites Mal.

Es bleibt also bei aller hilfreichen Routine sehr spannend: Für die Schüler und Lehrer, die zum erstenmal fahren, sowieso. Und für die Lehrer, die schon länger dabei sind, auch: Bekommen beide Seiten eine ausreichend große Gruppe zusammen? Harmonieren die beiden Gruppen untereinander und miteinander? Ist das Programm anspruchsvoll und interessant genug und lässt es trotzdem genug Platz für die Freizeitinteressen der Schüler? Reichen die Finanzmittel? Seit dem Jahr 2000 sind die Kosten des Besuchsprogramms größtenteils vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk getragen worden. Dazu kamen Zuschüsse des VEF, der Stadt Hannover, und vieles haben die Teilnehmer (Eltern, Lehrer, Schüler) selbst bezahlt Was wäre ohne das Geld des DPJW überhaupt möglich? Und die unausweichliche Frage: Was habe ich persönlich von der Vorbereitung der Fahrt bzw. der Fahrt selbst und von der Organisation des Gegenbesuchs außer zusätzlicher Arbeit? Aber diese Frage habe ich schon am Anfang beantwortet. [U. W.] 

Literatur

*              Kronig, Michael / Nettelmann, Lothar / Voigt, Gerhard und Wehking, 1998: Ulrich: Reform – vom Gedanken zur Praxis. Für Ulrich Bauermeister. Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., Heft 10. Hannover 1998. –
Nettelmann, Lothar / Helms, Eva,1984: Schüleraustausch Poznań - Hannover in: Arnoldshainer Texte Bd. 23. Frankfurt 1984. –  
Nettelmann, Lothar / Voigt, Gerhard (Hrsg.), 1992: Internationale Herausforderungen. Die Bismarckschule Hannover stellt ihre UNESCO-Arbeit vor. Vorwort: Prof. Rolf Wernstedt. Hannover 1992. –
Nettelmann, Lothar / Voigt, Gerhard (Hrsg.), 1993: Junge Deutsche und Polen begegnen sich. Schüleraustausch und Studienfahrten. Vorwort: Herbert Schmalstieg. 2. überarbeitete Auflage Hannover 1993. –
Nettelmann, Lothar, 2001: Handlungsorientierung im Schüleraustausch mit Polen. In: Lothar Nettelmann (Hrsg.): »Europäische Umbrüche in deutsch-polnischer Perspektive. Reflexionen zur Entwicklungsdynamik in Mitteleuropa«. Hannover 2001. Schriftenreihe des UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, Sonderheft 1/2001, S. 69-83. –
Nettelmann, Lothar (Hrsg.), 2001: »Europäische Umbrüche in deutsch-polnischer Perspektive. Reflexionen zur Entwicklungsdynamik in Mitteleuropa«. Hannover 2001. Schriftenreihe des UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, Sonderheft 1/2001, S. 69-83.
Voigt, Gerhard / Nettelmann, Lothar, 1990: Die Arbeit einer UNESCO-Schule: z.B. Schulpartnerschaften mit Polen und der Türkei, Oldenburger Vor-Drucke, Oldenburg 1990. –
Voigt, Gerhard, 1992: Schülerreisen nach Polen. Praxis Geographie, Jahrgang 22, Heft 4, April 1992: 44-46. –
Voigt, Gerhard, 1993: Schülerreisen und interkulturelle Erziehung. Konzeptionen und Erfahrungen aus der Arbeit einer UNESCO-Schule, Praxis Geographie, Jahrgang 23, Heft 7-8, Juli 1993: 30-32. –
Voigt, Gerhard, 1997: Polen und Deutsche – Eine schwierige Nachbarschaft? Wandel und Wahrnehmung. In: Schneider, Kurt (Red.), 1997: Polen und Deutsche – Eine schwierige Nachbarschaft? Texte zur Politischen Bildung Heft 25. Rosa-Luxemburg-Verein e.V. Leipzig: 5-25. –
Voigt, Gerhard, 2001: »Grenzen« und »Blöcke«: Nationalstereotypen und symbolisches Alltagsverhalten in Europa. Mit Schülern im Ausland: Blockdenken, Transformationsprozesse und Zivilgesellschaft im unmittelbaren Erleben: Beispiele aus der DDR, aus Polen und aus Ungarn. politik unterricht aktuell, Mitteilungen aus dem Verband der Politiklehrer e.V., Hannover. 1-2/00. Hannover: 15-43. –
Voigt, Gerhard, 2001: Studienfahrten und Schüleraustausch. Tips und Erfahrungen. Geographie Heute, 22. Jahrgang, Heft 188, März 2001: 42-43. –

Inhalt

Jutta Halstenberg: Facharbeit Erdkunde - Themen? „alle Welt“
Dörte Kolbe: Noch ein Jubiläum – 50 Jahre UNESCO – Arbeit an der Bismarckschule. Von der Modellschule zur unesco-projekt-schule
Bernd Zwick: Die MUN (Model United Nations)-AG
Jutta Halstenberg: BSP — The Baltic Sea Project
Gerhard Voigt: Wer ist der UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover?

Die Schriftenreihe
Mitgliedschaft
Aktuelle Arbeit des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee
Folgende Projekte sind im Rahmen der InfoSCHUL 11-2 – Arbeit durchgeführt worden:
Zur Geschichte und Gegenwart des UNESCO-Clubs

Lothar Nettelmann und Ulrich Wehking: Schüleraustausch mit Polen
Literatur

 
 

 

 
 

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An der Bismarckschule 5, 30173 Hannover,
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Verantwortlich für diese Seite: Gerhard Voigt,
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