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Rose Jehnen
Vor Sternenguckern,
Alchemisten, Schmetterlingssammlern und Gentechnologen
Welche Bedeutung die Naturwissenschaften in der
100-jährigen Geschichte der Bismarckschule gehabt haben, mag man vielleicht
schon daran erkennen, dass in der Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum
darüber NICHTS zu finden ist. Lediglich aus dem Abschiedsbrief eines
Schülers ist zu ersehen, dass offensichtlich bis zum Jahre 1972 ein
Briefkopf existierte, der die Bismarckschule bis zur Invasion der Mädchen
als „NEUSPRACHL. UND MATH. - NATURWISSENSCHAFTL. GYMNASIUM FÜR. JUNGEN"
auswies. Sicherlich hat das sehr viel damit zu tun gehabt, dass die
damaligen Direktoren Physiker waren und einer alten Tradition gemäß Physik
als die Naturwissenschaft schlechthin betrachteten. Immerhin verdanken wir
dieser Einstellung eine Sternwarte und ein Planetarium, mit denen wir auch
über die Schule hinaus bekannt sind.

In den beiden anderen Disziplinen Biologie und Chemie
waren die Bedingungen wohl lange Zeit weniger gut, und es mangelte in den
Sammlungen an Vielem, bis 1962 ein später von allen geschätzter, allei-dings
nun schon seit 15 Jahren pensionierter Kollege in den Dienst der Schule
eintrat – der (verhinderte) Diplom-Biologe Herr Dr. Weiner. Wie es dazu kam,
ist folgendem Interviewausschnitt zu entnehmen:
...Ursprünglich strebte ich eine wissenschaftliche
Tätigkeit nach dem Diplom im Fach Biologie an. Die Bedingungen für eine
Promotion mit einem geringen Assistentengehalt von 90,-- DM waren zu
schlecht. Ich entschloss mich, das Referendariat zu machen und erhielt ca.
300,-- DM. Nach dem Referendariat in Berlin bewarb ich mich zunächst in
allen Bundesländern, blieb aber ohne Antwort. Da Hannover Berlin am nächsten
lag, flog ich dort hin. Man bot mir aber nur die Provinz an (u.a.
Papenburg). Auf Nachfrage nannte mir Frau Chappuzeau fünf
Gymnasien in Hannover Die Tellkampf und die Bismarckschule waren die nächst
gelegenen.

Da mir die TKS
als die modernere erschien und die Bismarckschule eher einer Kadettenanstalt
glich, fragte ich zunächst an der TKS nach. Allerdings befand sich der
Direktor gerade auf Klassenfahrt. Ich ging also hinüber zur BS. Dort
empfingen mich schon Direktor Kolde und sein Stellvertreter Engelhardt auf
der Treppe und teilten mir mit, ich könne sofort anfangen, da sie einen
großen Bedarf hätten. Auf meinen Einwand hin, ich hätte noch keine Wohnung,
bot man mir spontan an, für eine gewisse Zeit in einem Nebenraum des
Erdkunderaumes zu wohnen. Ja, so war das damals...
In der Folgezeit
reformierte er mit großem Engagement den kreide-orientierten, auf
abfragbares Wissen orientierten Frontalunterricht. Er hat sehr am Objekt
gearbeitet und viel Material selbst oder mit Schülern gesammelt. Wichtig
war für ihn immer der problemorientierte Unterricht, die Formulierung von
Hypothesen und die Durchführung von Experimenten zur Problemlösung,
möglichst in Schülerübungen. In der Schulpraxis entdeckte er seine Vorliebe
für das Fach Chemie und hat diesen Schwerpunkt seiner Tätigkeit als
Fachleiter im Fach Chemie Generationen von Referendaren mit auf den Weg
gegeben (an der Bismarckschule gibt es auch noch zwei Kollegen dieser
Schule) und in den siebziger und achtziger Jahren als Kommissionsmitglied in
die Rahmenrichtlinien eingearbeitet. Viele seiner konzipierten
Arbeitsblätter finden sich auch heute noch im Umlauf. Dank seiner
Vermittlung kam dann 1968 Frau Dr. Lichtenberg – von allen im Hause nur
liebevoll Lilly genannt – als
erste Frau in den Dienst der Bismarckschule (das Geschlechterverhältnis
hat sich inzwischen grundlegend verändert), die als Vollblutbiologin damals
neueste wissenschaftliche Ergebnisse in den Unterricht einbrachte und mit
ihren Leistungskurs-Schülern mehrfach Preise im Jugend-forscht-Wettbewerb
gewann. Sie übernahm bald das Amt der Fachgruppenleitung von Dr. Adolf
(Addi) Schulte, einem international anerkannten Schmetterlingsexperten, der
sich lieber verstärkt um die Sammlung und sein Hobby, das weitere Studium
der Entomologie, kümmern wollte. Welche Qualitäten er auf diesem Gebiet
erworben und an seine Schüler vermittelt hat, war für mich sehr
beeindruckend zu erfahren, als ich in seiner Nachfolge als Korreferentin
seinen Abiturvorschlag zu mir völlig unbekannten Faltern korrigieren musste.
Ich war höchst beeindruckt davon, was den Prüflingen alles zu dem knappen
Material eingefallen war.
Dies alles fand
ohne besondere Profilbildung der Schule im Bereich der Naturwissenschaften
im Rahmen des Kurssystems der reformierten Oberstufe statt, in der mit dem
Wandel gesellschaftlicher Anforderungen die Bedeutung des Aufgabenfeldes C
mal mehr und mal weniger bedeutend für die Profilbildung war. Es waren schon
große Fußstapfen, in die wir als noch recht junge Kollegen nach der
Pensionierung dieser Vorgänger treten mussten.

Mit unserer sich
beschleunigt entwickelnden Wissensgesellschaft veränderten sich die
Anforderungen an den Fachunterricht rasant, immer mehr neue Inhalte waren zu
integrieren bei nach wie vor gekürzter Stundentafel mit Epochalunterricht in
verschiedenen Jahrgängen. Zeitweilig erhielten die Schüler und Schülerinnen
mehr Unterricht in Musik, Kunst oder Religion als in Biologie oder Chemie.
Folgendes prägnantes Beispiel mag den Wandel der naturwissenschaftlichen
Forschung verdeutlich: Im Jahre 1954 erhielten die Wissenschaftler Watson
und Crick den Nobelpreis für ihr Modell der DNA. Nach dieser
Grundsteinlegung entwickelte sich ein ganz eigener Zweig der
Molekulargenetik, die Gentechnologie, die weit in unsern Alltag einwirkt,
sei es über die medizinische Diagnostik und Therapie oder Erzeugung und
Gewinnung, Bearbeitung von Naturprodukten und – inzwischen auch Organismen.
Dies zeigt, dass in den naturwissenschaftlichen Disziplinen nicht mehr nur
empirisch-beobachtende Grundlagenforschung betrieben wird, sondern
dass sie inzwischen auf dem Gebiet der angewandten Forschung verstärkt zu
Wissenschaften der industriellen Praxis geworden sind. Ein weiteres Beispiel
mag verdeutlichen, wie unbewusst wir mit diesen Ergebnissen im Alltag
umgehen: wer denkt schon noch beim Schließen seines Klettverschlusses an die
Klettfrucht? Die Natur als Baumeister wird immer mehr Vorbild für technische
Errungenschaften dank immer weiter entwickelter technischer Möglichkeiten,
die Einblicke in die Nanowelten ermöglichen.
Da Schule
Orientierungswissen vermitteln muss, das hilft, nicht nur die Gegenwart zu
ordnen und Zusammenhänge zu verstehen, sondern auch zukünftige unbestimmte
Lebenssituationen zu bewältigen, reicht heutzutage die Vermittlung
systematisierten Wissens nicht mehr aus. Vielmehr müssen den Schülern und
Schülerinnen Basiskonzepte zur Interpretation von Natur und einer durch
Naturwissenschaften gestalteten Welt und Basiswerkzeuge zur Erschließung von
Zusammenhängen an die Hand gegeben werden. Das versuchen wir im jeweiligen
Fachunterricht auch unter der Last der (ansteigenden) inhaltlichen Fülle bei
nach wie vor gekürzten Stundentafeln zu bewerkstelligen, wobei wir damit zu
kämpfen haben, dass die curricularen Vorgaben kaum inhaltliche Verzahnungen
größerer thematischer Einheiten der drei Disziplinen ermöglichen. Darunter
leidet ein wenig die Anschlussfähigkeit erworbenen Wissens in anderen
Zusammenhängen: Inhalte des Physikunterrichtes wie z.B. Strahlengänge sind
in der Schublade Physik abgelegt und nur schwerlich beim Thema Auge
zu aktivieren. Das brachte Günther Baumert und mich im Jahr 1997 auf die
Idee naturwissenschaftlichen Wahlpflichtunterricht in den Klassen 9
(freiwillig?!) verpflichtend anzubieten und mit den Schülern und
Schülerinnen fächerübergreifende Themen wie Akustik, Aerodynamik u.a.m. im
Team zu untersuchen. Trotz zusätzlicher Belastung auf beiden Seiten war der
Spaß an der Sache so groß, dass langsam die Kontur eines
mathematisch-naturwissenschaftlichen Profils reifte und 1999 erstmals,
ebenfalls von uns und damals einmalig in Hannover, angeboten wurde. Seitdem
sind unsere Schülerzahlen nach langer Durststrecke wieder angewachsen und in
jedem Jahrgang gibt es zwei Profilklassen. Die Problematik der curricularen
Vorgaben hat sich dadurch aber noch nicht aufgelöst, auch wenn wir uns
intensiv darum bemühen, die Lebenswelt der Lernenden in den Unterricht
einzubeziehen, denn im Kontext vermitteltes Wissen ist haltbarer und
übertragbarer auf andere Fragestellungen. So untersuchen wir z. B. in Chemie
bei den Stoffgemischen nun Cola (und verderben den Lernenden damit den
Appetit), produzieren Gummibärchen selbst und lassen sie (durch eine
Redoxreaktion) tanzen und verwenden soweit möglich
Haushaltschemikalien für die Arbeit im Unterricht.
Unterstützung bei
diesem Vorhaben erhoffen wir uns von unserer Teilnahme am BLK-Programm
SINUS-Transfer II, an dem neun Lehrerinnen und Lehrer unserer Fachkollegien
teilnehmen um neue Wege für die Steigerung der Effizienz des
naturwissenschaftlichen Unterrichtes zu entwickeln. Ein Versuchsballon dazu
wird im laufenden Schuljahr gestartet mit einem Bionik-Angebot im
Wahlpflichtunterricht der 7. Klassen. In zwei Jahren werden wir dann
hoffentlich, noch ein wenig schlauer sein...
[Fotografien:
Hansjörg Rümelin]
Rose
Jehnen
Der naturwissenschaftliche
Wahlpflichtbereich der Bismarckschule
Für die drei
Fachbereiche zusammengestellt von der inzwischen dienstältesten Biologin
Rose Jehnen, die erst nach dem letzten Jubiläum kam.
Die Fächer
Biologie, Chemie und Physik bieten Kindern – und Jugendlichen besondere
Möglichkeiten zum Begreifen ihre Umwelt und zur Entdeckung und
Entfaltung ihrer persönlichen Neigungen. Dem soll Raum und Zeit
gegeben werden, allerdings nicht in einem starren vorgegebenen Programm,
sondern die spezifischen Interessen und Neigungen der teilnehmenden
Schülerinnen und Schüler berücksichtigend. Das unten vorgestellte
Rahmenkonzept stellt ein grobes Raster dar und kann von den Teilnehmern des
Angebotes im Hinblick auf die konkreten Themen und Projekte modifiziert
werden.

Der Unterricht
soll von einer Lehrkraft als Projektunterricht fächerübergreifend erteilt
werden. Folgende Stundenaufteilung ist vorgesehen:
Klasse 7: 3 Stunden,
Klasse 8: 4 Stunden,
Klasse 9: 4 Stunden.
Für die Inhalte
der einzelnen Jahrgangsstufen haben wir folgende Bausteine vorgesehen:
Klasse 7: Steuern und Regeln
Steuern und
Regeln sind alltägliche natürliche und technische Vorgänge, die sich daher
für eine fächerübergreifende Untersuchung anbieten. Folgende Teilaspekte
können dabei bearbeitet werden:
Informatik Aufbau und Steuerung von Robotern (LEGO-Mindstorms),
Programmierung
Physik
Aufbau von einfachen Schaltungen (Sensoren etc.), Nachbauten (Bausätze)
anfertigen, Löten etc.
Biologie
Sinne und ihre allgemein Bedeutung, Supersinne der Tiere
Chemie
Farbmischung
Darüber
hinaus können verbindliche Unterrichtsinhalte der Jahrgangsstufe wie das
Thema Auge im Wahlpflichtangebot vertiefter untersucht werden (z.B.:
Tiefenschärfe, camera obscura, bewegte Bilder usw.)
Klasse 8: Bionik
Wie die
Abbildung zeigt, sind viele technische Errungenschaften der Natur
abgeschaut. Spezielle Untersuchungen zur den Fragestellungen Wie baut die
Natur ? – Wie baut der Mensch? sollen nach dem ersten Jahr mit den
Schülerinnen und Schülern gemeinsam entwickelt und umgesetzt werden.
Denkbare
Teilbereiche wären hier:
Klasse 9: Aerodynamik
Das
Oberthema ist nur scheinbar rein physikalisch, da alle Fortbewegungsweisen
im Tierreich auf bestimmten Gesetzmäßigkeiten der Strömungen der Medien eine
Lösungsstrategie darstellen.
Beabsichtigte Teilbereiche wären hier:
-
Umströmungen verschiedener Profile, laminare – turbulente Strömungen,
Strömungsgeschwindigkeit und Druck,
-
asymmetrische Profile – Auftrieb, Kraft
-
Schweben
– Schwimmen – Segeln – Fliegen
-
Raketenantrieb – chemische Antriebe
Frank Hilker
Schülerwettbewerbe – eine
Bereicherung des Chemie-Unterrichts
Immer mehr Bismarckschüler nehmen an
Chemie-Wettbewerben teil
Etwa seit Beginn dieses Jahrtausends wächst das Angebot
für Schülerinnen und Schüler, an Chemie-Wettbewerben teilzunehmen. Nachdem
zunächst nur ein kleiner Kreis an Bismarckschülern sich der Herausforderung
gestellt hat, an dem Wettbewerb „Das ist Chemie!“, den es seit 2001 gibt,
teilzunehmen, wird die Gruppe der Wettbewerbler aus der Bismarckschule in
den letzten Jahren immer größer. Dazu hat sicherlich unser
mathematisch-naturwissenschaftlicher Schwerpunkt beigetragen – viele der
Teilnehmer kommen aus diesen Schwerpunktklassen- aber auch die Tatsache,
dass es einfach Spaß macht, auch außerhalb des Unterrichts sich mit
spannenden chemischen Fragestellungen auseinander zu setzen, zu
experimentieren, zu „forschen“ und evtl. im Team eine ansprechende Lösung zu
gestalten.
Der Wettbewerb, an dem bisher die meisten Schülerinnen
und Schüler teilgenommen haben, ist Das ist Chemie!. An diesem
Wettbewerb können Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 10 aus
Niedersachsen teilnehmen. Und schon beim ersten Durchgang war die
Bismarckschule mit dabei, inzwischen haben bereits zehn Wettbewerbe statt
gefunden und an jedem Durchgang haben Schülerinnen und Schüler aus der
Bismarckschule teil genommen. Zu den Teilnehmern der „ersten Stunde“ gehören
Jan Gosmann und Felix Tristram (Abitur 2007), die beim ersten Wettbewerb
sogar „besonders erfolgreich“ teilgenommen haben und für diese super
Leistung nicht nur eine persönliche Urkunde der damaligen Kultusministerin,
sondern auch einen Sonderpreis erhielten. Sicherlich auch angestachelt durch
diesen Erfolg haben Jan und Felix dem Wettbewerb die Treue gehalten, sie
waren bei jedem Mal dabei, bis sie aus „Altersgründen“ nicht mehr mitmachen
durften. Aber auch viele andere Schülerinnen und Schüler haben an dem
Wettbewerb mehrfach, häufig auch erfolgreich, teilgenommen und die Zahl der
Teilnehmer steigt weiter. Bei Das ist Chemie! sollen Schülerinnen und
Schüler möglichst selbstständig chemische Alltagsprobleme experimentell
untersuchen und lösen.

Die möglichst offene Aufgabenstellung regt die
Schülerinnen und Schüler dazu an, je nach Interesse und Begabung kreativ
weitere Probleme zu formulieren und experimentell zu bearbeiten. Somit trägt
der Wettbewerb sowohl dem Anliegen der breiten Förderung des Interesses am
Fach Chemie als auch der Förderung besonders begabter Schülerinnen und
Schüler Rechnung. Bisher drehten sich die Fragen z.B. um Klebstoffe, um
Untersuchungen an der Kerze und Möglichkeiten der Brandbekämpfung, um die
Geheimnisse von Brausetabletten, um geheime Schriften, um Farbstoffe und
Fleckentfernung und noch um einiges mehr. Weitere Informationen unter:
www. das-ist-chemie.nibis.de
Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer
Chemie-Wettbewerbe. Einige Schülerinnen und Schüler haben zum Teil mehrfach
erfolgreich am DECHEMAX-Schülerwettbewerb teilgenommen (Themen z.B.
„Expedition in Mikro- und Nanowelten“, „Chemie des Sports“). Informationen:
www.dechemax.de. Auch an die Chemie-Olympiade, die ebenfalls
wie der Dechemax-Wettbewerb in mehreren, immer anspruchsvoller werdenden
Runden durchgeführt wird, haben sich schon einzelne Schüler herangewagt.
www.fcho.de

Unterstützt wird die Wettbewerbsteilnahme auch durch
die Arbeitsgemeinschaft Die Nachwuchsforscher, die seit dem Schuljahr
2005/06 von Herrn Gudschun angeboten wird. Hier können Wettbewerbsteilnehmer
ihre Experimente durchführen, sie erfahren auch Unterstützung und
Ermutigung. Das ist manchmal sicherlich hilfreich, um sie in ihrem
zusätzlichen Engagement außerhalb des Unterrichts zu bestärken. Aber die
Erfahrungen, die die Schülerinnen und Schüler durch die eigenständige
Bearbeitung komplexer Aufgabenstellungen machen und vielleicht auch die
Bestätigung bei einer besonders erfolgreichen Teilnahme sind die Mühe
sicherlich wert.
Und vielleicht führt uns der eingeschlagene Weg ja
dahin, dass Bismärcker auch mal an dem anspruchsvollen Wettbewerb
Jugend forscht (oder Schüler experimentieren für die Jüngeren)
teilnehmen werden, bei denen die Themen frei gewählt werden können und wo
Nachwuchsforscher innovative Ideen entwickeln, die nicht selten von der
Industrie aufgegriffen werden!?
www.jugend-forscht.de
Karl-Peter
Schwien und Dirk Brockmann
Im Keller der
Bismarckschule strahlen Sterne! Wie kommt die Bismarckschule eigentlich zu
einem Planetarium?
Die Idee. eines Planetariums für die Bismarckschule
entstand am 7. September 1959. An diesem Herbsttage besuchte Wolfgang
Tscharntke mit seiner l3mf im Rahmen einer Klassenfahrt das
Olbers-Planetarium der Seefahrtschule Bremen, deren Leiter Dr. Erwin Mücke
Wolfgang Tscharntke bekannt war. Wäre es möglich, ein solches Planetarium
auch in der Bismarckschule zu einzurichten? Diese Frage trug Wolfgang
Tscharntke dem Schulleiter Karl Kolde und seinem Kollegen Karl-Peter Schwien
vor. Direktor Kolde war an astronomischen Fragen sehr interessiert (er
verfasste später das Heft „Astronomie“ in der Reihe Studienbücher des
Diesterweg-Salle-Verlags), Karl-Peter Schwien betreute die Sternwarte der
Schule, die seit dem 19. Februar 1957 mit der Rückkehr des reparierten
Fernrohrs zu neuer Aktivität erwacht war. Der glückliche Umstand, dass
damals die Bismarckschule an das städtische Heizkraftwerk angeschlossen
werden sollte, führte zu dem Gedanken, den frei werdenden Heizungs- und
Kohlenkeller als Planetarium zu nutzen.
Schon am 19. Oktober 1959 fuhren die Herren Kolde,
Schwien und Tscharntke gemeinsam erneut zur Seefahrtschule nach Bremen, um
sich genauer zu informieren. An dem Gespräch nahm neben Dr. Mücke auch der
Leiter der Bremer Olbers-Gesellschaft Dr. Walter Stein teil, dessen
Engagement für die Astronomie an der Schule ansteckend war. Auf der
Rückfahrt von Bremen war man sich einig: Wir setzen alle Hebel in Bewegung,
den Planetariumsgedanken zu realisieren.
Zurück in Hannover konkretisierten die Lehrer diesen
kühnen Plan. Direktor Kolde konnte zunächst den damaligen Stadtschulrat
Oppermann und andere maßgebliche Herren von Stadt und Schulverwaltung für
den Plan gewinnen. Es begann der mühevolle Weg, den Plan in die Wirklichkeit
umzusetzen; schließlich ging es auch um viel Geld.
Am 11.Januar. . des folgenden Jahres versammelten sich
Vertreter der Volkshochschule Hannover, der technischen Hochschule und der
Bismarckschule im Dienstzimmer des Schulleiters, um über den Bau eines
solchen Kleinplanetariums zu beraten. Der Plan fand ungeteilte Zustimmung
und so wurde das Schulamt gebeten, den Raum im Heizungskeller für seine neue
Bestimmung freizuhalten. Das Projekt wurde in der Folgezeit genau umrissen,
Angebote wurden eingeholt und dem Schulamt übermittelt. Im September 1961
erfolgte dann die Genehmigung, im Oktober wurde bei der Firma Jenoptik in
Jena ein Projektor des Typs ZKPI zum Preis von DM 32.950 bestellt. Die
Gesamtkosten wurden auf DM 60.000 angesetzt. Dazu kamen Kosten für die
Renovierung der Vorräume, durch die die Planetariumsbesucher den Sternenraum
später betreten sollten, in Höhe von DM 19.000. Die Umbauten gestalteten
sich aufwändig: Es zeigte sich beispielsweise, dass die Raumhöhe etwa einen
halben Meter zu niedrig war. Die an sich kluge Idee, den Boden um dieses Maß
abzusenken, hatte den Nachteil, dass man unter die Grundwassermarke geriet
und der Raum sich mit Wasser füllte. Nachdem all diese baulichen Probleme
gelöst waren, konnte in der Zeit zwischen dem 18. und dem 22. Januar 1963
der Planetariumsprojektor integriert werden. Der am 18. Februar geladenen
Presse indes kam dieser Projektor noch reichlich eigentümlich vor:
„In der Mitte des Raumes stand ein überdimensionaler
Blumentopf mit einem kakteenartigen Auswuchs aus Rohren, Handrädern, Stangen
und Schaltkästen, der sich an der Spitze zu einem knollenförmigen Gebilde
erweiterte. Das Gebilde, das sich ungefähr in Huthöhe des Besuchers befand,
war mit zahlreichen gleichmäßigen Stacheln übersät, die sich nachher aber
als Objektive erwiesen. ...es war ein Planetarium.“
So war es am folgenden Tag in der HAZ zu lesen. Am
dritten April wurde das Planetarium durch den Besuch von Ministerpräsident
Diederichs geehrt, am 25. Mai folgte die feierliche Einweihung. Damit wurde
die Bismarckschule zum bundesweit ersten Gymnasium mit einem eigenem
Planetarium. Erster Leiter wurde Karl-Peter Schwien, dem es in der Folgezeit
gelang, das Sternentheater zu einem echten Publikumsmagneten zu machen: Bei
bis zu acht wöchentlichen Veranstaltungen besuchten im Schuljahr 1964/65
beispielsweise über 50% der hannoverschen Volksschulklassen das Planetarium.

Der Idee, diese einzigartige Einrichtung allen Schulen
der Stadt Hannover und der Region offen zu halten, ist die Bismarckschule
bis heute verpflichtet. Derzeit zählt das Planetarium Bismarckschule
Hannover bei etwa 130 jährlichen Veranstaltungen um die 2600 Gäste. Über
vierzig Jahre nach seiner Einweihung profitieren die Schülerinnen und
Schüler ebenso wie alle anderen Gäste also noch immer von den großen Mühen
der Kollegen bei der Schaffung des Planetariums in den sechziger Jahren und
von den außerordentlichen Investitionen in der damaligen Zeit.
Rolf Schlömer
Zur Geschichte des
Fernrohrs unserer Schule
Das heutige Gebäude der Bismarckschule wurde mit einer
Einweihungsfeier am 18.10.1911 seiner Bestimmung übergeben. Die Stadt
Hannover hatte für diesen repräsentativen Bau eine besondere
naturwissenschaftlich-technische Ausstattung vorgesehen: Auf einem massiven
Unterbau ließ man von der renommierten Firma Carl Zeiss aus Jena eine
Sternwarte mit drehbarer Kuppel errichten und darunter ein mittelgroßes
Linsenfernrohr (6-Zöllen, d.h. 15 cm Objektivdurchmesser, Brennweite 272 cm)
aufstellen. Nur wenige Schulen in der Bundesrepublik besitzen ein so großes
Linsenfernrohr.
In der Zeit von 1911-1917 betreute Oberlehrer Paul
Putsche die Sternwarte. Herr Putsche fiel 1917 als Soldat in der
Schlacht an der Aisne in Frankreich. Sein Name steht auf dem
Dammann-Ehrenmal, das die Namen der im Kriege gefallenen Schüler und
Lehrer der Bismarckschule nennt und das sich in der Schule gegenüber der
Aula befindet. Aus diesen Anfangsjahren ist ein Foto erhalten, welches das
Fernrohr in seinem originalen Zustand zeigt.
Von 1919-1939 wurde die Sternwarte von Herrn Dr.
Friedrich Roesener betreut. Ein Besucher der Universitätssternwarte
Göttingen staunte einmal über die hohe Qualität der Fotos, die Herrn
Roesener Schüler aufgenommen hatten. Die Sichtverhältnisse müssen damals
unvergleichlich besser als heute gewesen sein. Da es in diesen Jahren noch
keine Volkssternwarte in Hannover gab, wurden von der Volkshochschule
astronomische Kurse am Fernrohr unserer Schule angeboten. Zusätzlich wurde
am 29.4.1928 unter der grünen Kuppel des Anzeiger-Hochhauses an der
Goseriede ein Großplanetarium (Kuppeldurchmesser 19,7 m) eingeweiht. Herr
August Madsack, der Herausgeber des Hannoverschen Anzeigers hatte
es auf eigene Kosten in sein neues Verlagsgebäude integriert. Lehrer
mehrerer Schulen Hannovers hielten hier für die Schüler astronomische
Vorstellungen ab. Das Großplanetarium wurde im Kriege teilweise beschädigt;
danach abgebaut und ist seitdem verschwunden!
Die Zeit während des Krieges
Am 1.9.1939 wurde das Schulgebäude der Bismarckschule
geräumt und zu einem Reservelazarett umgebaut. Die Sternwarte wurde
stillgelegt und die Geräte wurden abgebaut. Zum weiteren Schicksal des
Fernrohres ist im Schulspiegel (Nr. 1, IX. Jahrgang, Juni 1957, Seite
2) zu lesen:
„...verließ auch das Fernrohr seinen alten Standort.
Es wanderte mit der Schule von einem Gebäude in das andere und landete
zumeist in irgend einem muffigen Kellerraum... Es sollte jedoch noch
schlimmer kommen! Kurz vor Kriegsschluß wurde es in ein diebessicheres
Verließ ganz unten im Neuen Rathaus befördert. Und hier ereilte es sein
Schicksal in Gestalt des großen Hochwassers von 1946. Völlig verrostet und
verdreckt, schien es elf Jahre lang ganz vergessen zu sein, bis sich jemand
seiner erinnerte, es – zu einem ganz beträchtlichen Preis übrigens – in der
Technischen Hochschule wieder herrichten ließ ...“
Die Zeit nach dem Kriege:
Das Fernrohr wurde
am 19. Februar 1957 wieder auf seinem alten Platz aufgestellt. Die Betreuung
der Sternwarte bis heute wurde von folgenden Personen durchgeführt:
Da das
Großplanetarium im Anzeiger-Hochhaus nicht mehr vorhanden war, wurde 1963 in
Hannover ein neues Klein-Planetarium eröffnet. Als Ort hatte man den Keller
der Bismarckschule gewählt. Damit stand es der Astronomie unserer Schule zur
Verfügung. Herr Schwien übernahm neben der Sternwarte auch die Leitung des
Planetariums.
Im Jahre 1984
löste ich Herrn Zuse bei der Betreuung der Sternwarte ab. Da seit mehreren
Jahren keine astronomische Arbeitsgemeinschaft mehr durchgeführt worden war,
wurde sie mit Beginn des Schuljahres 1985/86 wieder angeboten. Es konnten
Schülerinnen und Schüler von der Klasse 10 an aufwärts teilnehmen. Die
Gruppe traf sich an einem Abend in der Woche. Dieser Neuanfang wurde vom
Verein der Eltern und Förderer der Bismarckschule e.V. (VEF) mit einer
besonders großzügigen Spende belohnt: Von diesem Geld kaufte Herr Zuse ein
8-Zoll Spiegelfernrohr (Celestron C 8). Weil es sich um ein Spiegelfernrohr
handelt, ist es sehr viel kleiner sein als das große Linsenfernrohr, hat
aber die gleiche Leistungsfähigkeit. Dieses Fernrohr ist im Kofferraum eines
Autos transportierbar.
In den nächsten
Jahren gab es immer wieder Überlegungen, wie auch die jüngeren Schüler aus
den Klassenstufen 7-9 an der Astronomie beteiligt werden könnten. Dies
geschah durch den Beschluss der Gesamtkonferenz der Bismarckschule am
21.12.1998, einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Schwerpunkt
einzuführen: Die Klassen mit diesem Schwerpunkt sollten verstärkt in den
Fächern Mathematik, Physik, Chemie, Biologie und Astronomie unterrichtet
werden. Die Sternwarte und das Planetarium der Schule sollten hierbei
stärker genutzt werden. Dieser Beschluss bedingte Änderungen für die
Astronomie: Die Benutzung der Sternwarte sollte vom Abend in die normale
Unterrichtszeit verlegt werden. Am hellen Tag kann nur die Sonne beobachtet
werden. Die in Frage kommenden
Firmen boten für Schulen zwei Geräte an:
-
Den
Herschel-Keil, mit dein man die Sonnenoberfläche und die Sonnenflecken
in hoher Vergrößerung sehen kann. Ein eindrucksvolles Bild!
-
Den Protuberanzenansatz. Mit ihm kann man eine
künstliche Sonnenfinsternis erzeugen und die Protuberanzen klar und
deutlich sehen. Dies ist sonst nur bei einer totalen Sonnenfinsternis der
Fall.
Da solche Geräte
Präzisionsinstrumente sind und höchsten
Sicherheitsanforderungen gehorchen
müssen, ergab alles zusammen einen Betrag von etwa 7000 DM. Die Beschaffung
des Geldes nahm ein gutes Jahr in Anspruch. Von folgenden Unternehmen hat
die Schule Spenden erhalten: Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co,
Stadtsparkasse Hannover NORD/LB (Norddeutsche Landesbank), Continental
Aktiengesellschaft, PreussenElektra Aktiengesellschaft, Niedersächsische
Lottostiftung, Verein der Eltern und Förderer der Bismarckschule. Den
Spendern sei an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich gedankt. Sie haben
die heutigen Arbeitsmöglichkeiten auf der Sternwarte erst ermöglichst.
Besonders danken möchte ich noch Frau Annelore Tonscheidt vom VEF der
Bismarckschule, der es mit viel Engagement gelungen ist, eine Unterstützung
von der Niedersächsischen Lottostiftung zu bekommen.

In den nächsten
Jahren gab es in der Bismarckschule immer zwei siebte Klassen mit dem
mathematisch-naturwissenschaftlichen Schwerpunkt. Zusätzlich gab es eine
astronomische Arbeitsgemeinschaft, die von Herrn Dirk Brockmann
durchgeführt wurde, der auch die Leitung des Planetariums übernommen hatte.
An der Arbeitsgemeinschaft konnten jetzt Schülerinnen und Schüler ab der
Klassenstufe sieben teilnehmen. Seit der Auflösung der Orientierungsstufe in
Niedersachsen hat unsere Schule jeweils zwei fünfte Klassen mit dem
mathematisch-naturwissenschaftlichen Schwerpunkt. Das Unterrichten der
Astronomie findet jetzt bereits ab der fünften Jahrgangsstufe statt.
Für die Zukunft bereit sein
In den letzten 10
Jahren hat es in der Computertechnologie große Fortschritte gegeben. Diese
ermöglichten den Fernrohrkonstrukteuren zwei leidige Probleme zu lösen: Man
kann nicht einfach unser Celestron C8 nehmen, es irgendwo hinstellen,
ein Objekt am Himmel einstellen und in Ruhe beobachten. Nach nur ein bis
zwei Minuten wäre das Objekt nicht mehr im Fernrohr zu sehen, denn die Erde
hätte sich weiter gedreht und hätte das Fernrohr mitgenommen! Hierbei
bekommt man ein Gefühl wie schnell sich die Erde dreht! Das Fernrohr muss
dann nachgeführt werden, leider gleichzeitig um zwei Achsen. Kompliziert –
und für jüngere Schülerinnen und Schüler nervig und langweilig. Umgehen kann
man diese Situation nur, indem man das Fernrohr vor Beginn der Beobachtungen
exakt(!) in die Nord-Süd-Richtung ausgerichtet. Dies dauert mindestens 30
Minuten! Während dieser Zeit würden sich die Schüler langweilen und im
Winter zusätzlich frieren. Selbst, wenn man diese Ausrichtung gemeistert
hätte, und z.B. nun die Andromeda-Galaxie in das Fernrohr bringen möchte,
so würde dies wieder eine lange Zeit dauern, während der vielen Schülern
die Lust an der Sache verginge.
Heute nun gibt es
computerisierte GOTO-Teleskope. Sie werden einfach aufgestellt und
nach 5-10 Minuten ist die Andromeda-Galaxie zu sehen und die Elektronik hält
sie automatisch im Fernrohr. Für eine Schule, die Kinder und Jugendliche für
Natur und Technik begeistern will, ist diese Technik unbedingt erforderlich.
Ein solches Teleskop brächte auch von der Lehrerseite her einen Vorteil:
Bisher wird die Astronomie an unserer Schule von nur zwei besonders
engagierten astronomiebegeisterten Lehrern – Herrn Dirk Brockmann und mich –
unterrichtet. Mit einem GOTO-Teleskop würden sich sicher auch weitere
Kolleginnen und Kollegen begeistern lassen, astronomische Übungen zu
übernehmen.
Anmerkung der
Redaktion: Dieser Artikel
ist eine Kurzfassung eines rund 30 Seiten langen Berichts, der für
Interessierte auch als pdf-Datei vorliegt.
Dezernentin in der ehemaligen Bezirksregierung Hannover
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