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Thomas Sielenkämper
100 Jahre
Bismarckschule – 50 Jahre Ruderverein
Vor 4
Jahren konnte der Ruderverein der Bismarckschule auf sein 50-jähriges
Bestehen zurück blicken. Zu diesem Anlass habe ich in der Vereinszeitschrift
Riemenreißer einige Gedanken zusammengefasst, die hier nunmehr einer
breiteren Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht werden sollen.
Rudern an der Bismarckschule vor 1952
Am
27.11.1952 wurde der Schüler-Ruderverein Bismarckschule gegründet, und zwar,
wie es im Protokoll der Gründungsversammlung formuliert ist, anlässlich
einer Zusammenkunft der „bisherigen Ruderriege“. Daraus lässt sich unschwer
folgern, dass bereits vor der eigentlichen Gründung des Vereins an der
Bismarckschule gerudert wurde.
Den
Versuch, Ruderaktivitäten an der Bismarckschule zu erforschen, hat während
einer Projektwoche im Jahr 1987 eine Arbeitsgruppe, der Andrea Krause,
Martin Grote, Olaf Steckhan und Volker Neitzel angehörten, unternommen und
sich dabei bewusst auf die Zeit vor dem 2. Weltkrieg beschränkt. Eine
Erforschung der weiteren Entwicklung des RVB sollte zu einem späteren
Zeitpunkt erfolgen. Als Quellen standen zur Verfügung: Akten des Schulamtes,
Akten der Schule - vorwiegend Jahresberichte der jeweiligen Schulleiter,
Akten des Weser-Schüler-Ruderverbandes (WSRV – ein Vorläufer des heutigen
SRVN); die Aktenlage erwies sich als lückenhaft, da besonders bei dem
Hochwasser des Jahres 1946 ein großer Teil des im Stadtarchiv eingelagerten
Aktenbestandes der Stadt vernichtet wurde. Aus den uns zur Verfügung
stehenden und ausgewerteten Akten ergibt sich folgendes Bild: Erste Ansätze,
Rudern an der Bismarckschule zu etablieren, können bereits für das Jahr
1911, also 6 Jahre nach Gründung der Schule, belegt werden, als nämlich der
damalige Schulleiter, Professor Rohrmann, am 11.1.1911 gemeinsam mit 2
anderen Schulleitern bei der Stadt Hannover den Antrag stellte, am oberen
Leinelauf an geeigneter Stelle ein Bootshaus für die Schüler der höheren
städtischen Schulen zu errichten, mit etwa 4 Booten auszustatten, und zu den
laufenden Kosten einen jährlichen Zuschuss von 300 Mark zu gewähren. Die
Verwaltung benötigte 1 Jahr, um 1912 mit Blick auf die Finanzlage der Stadt,
den Antrag abzulehnen. 1913 stellte Rohrmann bei der vorgesetzten Behörde
den Antrag, an einem Ausbildungskurs für Ruderlehrer in Berlin-Wannsee
teilnehmen zu dürfen. Auch dieser Antrag wird abgelehnt, und zwar aus der
Erwägung, dass es bei dem Lebensalter des Herrn Direktors nicht angängig
scheine, dass er selbst die etwaigen Ruderübungen der Schüler leitet,
andererseits aber eine Überwachung der Ruderlehrer einstweilen nicht in
Frage komme, weil ausgebildete Ruderlehrer an der Anstalt nicht vorhanden
seien.
Auch
ein Antrag des Turnlehrers Prof. Vetter, an dem erwähnten Lehrgang
teilnehmen zu dürfen, mit der Begründung, er sei Schwimmer und habe einen
Schüler-Ruderverein in Kiel geleitet, wird abschlägig beschieden. So
scheiterten die ersten Versuche, Rudern an der Bismarckschule zu etablieren,
an scheinbar unüberwindlichen, von den Behörden aufgetürmten Barrieren,
wobei andererseits in Preußen, zu dem Hannover damals gehörte, das
Schülerrudern durchaus gefördert wurde. So sind in Hannover bereits 1910 (RV
am KWG) und 1913 (RV Humboldtschule) Schülerrudervereine gegründet worden.
In
den zwanziger Jahren des 20. Jhdts. sind ruderische Aktivitäten von
Bismarckschülern erstmals belegt. 1925 wurde eine Schülerruderriege der
Bismarckschule gegründet, die 1926 bei der Vertreter-Versammlung des
Weser-Schüler-Ruderverbandes einen Antrag auf Aufnahme stellte, der ohne
Gegenstimme angenommen wurde. Auf der Regatta dieses Verbandes startete die
RR der Bismarckschule und erzielte gleich 2 Siege und einen 3. Platz
(Ergebnisprotokoll).
Über
das weitere Schicksal der Ruderriege geben die Quellen. die zur Verfügung
stehen, widersprüchliche Auskunft. Einerseits berichtet Erich Kühnhold,
Schulleiter seit 1925, dass sich die Ruderriege im Oktober 1926 bereits
wieder auflöst und ein Teil der Mitglieder in die Schülerabteilung der
Rudergesellschaft Hannover-Linden v. 1899 (RG HaLi) wechselt, andererseits
wird in einem vom Preußischen Protektorenverband 1930 herausgegebenen Buch
„50Jahre Schülerrudern“ ein Schülerruderverein Bismarckschule mit
Gründungsdatum 1928 geführt. Im Mitgliederverzeichnis des WSRV vom Jahre
1931 wird die RR der Bismarckschule nicht mehr genannt. Insgesamt scheint es
sich hier um eine relativ kurze Episode gehandelt zu haben, die es nicht
erlaubt, die Gründung des SRV Bismarckschule bereits etwa 1925 anzusetzen,
da eine kontinuierliche Betätigung nicht belegt werden kann. Der
Ruderbetrieb vollzog sich zudem auf der Ihme bei der RG HaLi, deren Trainer
auch die Bismarckschüler mit betreute. Werner Rohde, der die Gründung der RR
mit initiiert hatte, schreibt in einem Brief aus dem Jahre 1987
rückblickend, dass von der Schule den Ruderern wenig Unterstützung zuteil
wurde und da sich ohnehin sämtliche Aktivitäten bei der RG HaLi vollzogen,
ein Wechsel in die dortige Schüler- bzw. Jugendabteilung nahe liegend war.
Ruderische Aktivitäten an der Bismarckschule sind erst wieder nach dem Bau
des Maschsees (1936 eingeweiht) im Jahr 1937 belegt, als etwa 50 Schüler
beim Hannoverschen RC, der Boote und Trainer zur Verfügung stellt, rudern,
wobei allerdings Rudern in diesem Fall Bestandteil des schulischen
Pflichtunterrichts war, denn auf freiwilliger Basis meldeten sich im darauf
folgenden Jahr lediglich 6 Schüler, um in einer Ruderriege unter Leitung des
StAss Röttger beim HRC zu rudern.
Nach
dem Bau des Maschsees hat sich Erich Kühnhold intensiv um die Förderung und
Entwicklung des Schülerruderns an der Bismarckschule bemüht. Zwar war eine
eigenständige Riegen- bzw. Vereinsarbeit zu diesem Zeitpunkt kaum noch
möglich, da die HJ die organisierten Freizeitaktivitäten unter ihre Aufsicht
zu nehmen trachtete, gleichwohl sind vielfältige Aktivitäten belegt, so z.B.
die Anschaffung zweier Gig-Vierer „Bismarck“ und „Vaterland“, die von der
Stadt gestiftet wurden. Außerdem wurde Kühnhold zum Verwalter des
Bootshauses am Maschsee, ehemaliges Bootshaus des DSV, bestellt, das den
Schulen zur Nutzung überlassen wurde. Die nachweisbaren Aktivitäten der
Bismarckschüler am Maschsee und im Ruderkasten des HRC reichen bis in den
Winter des Jahres 1942/43. Danach dürfte kriegsbedingt die Ruderei
eingestellt worden sein.
Zusammenfassend kann also festgestellt werden, dass an der Bismarckschule
der Rudersport ausgeübt wurde, jedoch kann die Gründung einer auf Dauer
angelegten Ruderriege bzw. eines Rudervereins nicht belegt werden.
50
Jahre SRV Bismarckschule 1952 - 2002
Eine
systematische Erforschung der Entwicklung des SRVB seit 1952 ist bisher
nicht erfolgt. Insofern kann hier keine Chronik, wie manche Vereine sie zu
solchen Anlässen zu publizieren pflegen, vorgelegt werden. Das Erstellen
einer solchen Chronik ist ein außerordentlich arbeitsintensives Unterfangen,
das neben den anderen Verpflichtungen, die einem nun einmal auferlegt sind,
nicht zu bewältigen ist. Eine Projektwoche wie 1987, in der die
Arbeitsgruppe „Chronik des RVB“ intensiv arbeiten konnte, hat es seither an
der Bismarckschule nicht mehr gegeben; die Projektwochen oder -Tage waren
grundsätzlich themengebunden.
Die
Aktenlage gerade der ersten Jahre nach der Vereinsgründung ist sehr dünn,
Aktive aus der damaligen Zeit nur schwer zu ermitteln. Gleichwohl soll hier
der Versuch unternommen werden, einige Aspekte aus 50 Jahren SRVB zu
thematisieren. Die Frage, die sich zunächst stellt, ist natürlich die, was
denn überhaupt hier Gegenstand der Betrachtung sein soll, was ist
interessant zu erfahren aus der damaligen Zeit, wo sollen Schwerpunkte
gesetzt werden? Folgende Aspekte scheinen beachtenswert:
Mitgliederzahlen, Regattaerfolge, Gemeinschaftsfördernde Aktivitäten,
Bootspark und Finanzen, Einbindung des RVB in die Schule, Anbindung der
Ehemaligen
Mitgliederzahlen
1952
meldete Protektor Dr. Alfred Horn dem Verein zur Förderung des
Schülerruderns 14 Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Rudern an der
Bismarckschule; bei der Gründung des Vereins, durch Alfred Horn initiiert,
waren 8 Schüler anwesend.
Abschrift eines Protokolls
Schüler-Ruderverein Bismarckschule, Hannover den 28.11.1952.
Am
27. des Monats fand eine Versammlung der bisherigen Ruderriege statt. Alle
anwesenden Schüler stimmten einem Vorschlag Herrn Dr. Horns, einen Schüler
Ruderverein Bismarckschule zu gründen, zu. Es wurden gewählt: zum
Vorsitzenden: Lorenz 10s1 zum Schriftführer: Schweckendiek 9m zum
Kassierer: Schmidt 9m. Anwesenheitsliste: Lorenz 10s1, Kolde 10s1, Hältje
9.9f, Schweckendiek 9m, Meyer 9m, Friedrichs 8a, Böhr 7b, Böckem 7b,
Nikolaus 7c
Die Mitgliederzahlen entwickelten sich langsam,
aber stetig, um sich in den 60er Jahren zwischen 65 und 80 Jungen (die
Bismarckschule war zu diesem Zeitpunkt eine reine Jungenschule)
einzupendeln. Auch in den 70er Jahren war die Mitgliederzahl noch immer sehr
hoch, gestaltete sich in den 80er Jahren zunächst rückläufig. Ursächlich
dafür ist sicherlich die Einführung der Orientierungsstufe im Jahr 1979, die
die Klassenstufen 5 und 6 vom Gymnasium abkoppelte. In den 90er Jahren, als
die Schülerzahlen an der Bismarckschule aus verschiedenen Gründen stark
rückläufig waren, konnte die Zahl der Mitglieder im RVB konstant zwischen 50
und 65 Mädchen und Jungen gehalten werden. (1977 stießen die ersten Mädchen
zum RVB, nachdem 1973 an der Bismarckschule die Koedukation eingeführt
worden war – zur Zeit sind von 73 Mitgliedern 27 Mädchen).
Sicherlich ist es
sinnvoll, die Mitgliederzahlen des RVB ins Verhältnis zur Gesamtschülerzahl
an der Bismarckschule zu setzen; die hier abgedruckte Tabelle zeigt die
Zahlen in 5-Jahresschritten. Daraus ist zu erkennen, dass trotz rückläufiger
Schülerzahlen der Mitgliederbestand des RVB konstant geblieben ist, eine
erfreuliche Tendenz, die aber auch die Verpflichtung in sich birgt, durch
qualitativ gute Arbeit die Bindung an den Verein weiter zu entwickeln und zu
pflegen.
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Mitgliederzahlen des
RVB: 1952-2002 |
|
Jahr |
SRVB |
Bismarckschüler |
|
1952 |
14 |
960 |
|
1957 |
28 |
1032 |
|
1962 |
67 |
935 |
|
1667 |
62 |
850 |
|
1972 |
68 |
1045 |
|
1977 |
60 |
1170 |
|
1982 |
55 |
925 |
|
1987 |
46 |
565 |
|
1992 |
55 |
509 |
|
1997 |
65 |
487 |
|
2002 |
73 |
710 |
Regattaerfolge
Regattaerfolge sind
bereits vor der Vereinsgründung
vereinzelt belegt. 1926
siegten Schüler der Bismarckschule in zwei Rennen auf der Regatta des
Weser-Schüler-Ruderverbandes in Hann.-Münden; ein weiterer Regattasieg
datiert aus dem Jahr 1951, als ein Gig-Riemenvierer der Bismarckschule bei
der Hannoverschen Schülerregatta auf dem Maschsee siegte. Auf Platz 3
ruderte im Boot Naegel ein gewisser Klaus Dempewolf.
Der
RVB war und ist leistungsorientiert, erfolgreiche Teilnahme an Regatten und
anderen Wettkämpfen ist und bleibt vorrangiges Ziel der Vereinsarbeit. Unser
Betätigungsfeld sind dabei prioriter Schülerregatten; daneben ist aber auch
die Teilnahme an Regatten des Deutschen Ruderverbandes vereinzelt erfolgt.
Die Erfolge hier alle auf zu zählen wäre ein mühseliges Geschäft, da es
keine durchgängig geführte Statistik gibt. Einzelne Höhepunkte sind
gleichwohl zu vermerken: so etwa die Erfolge, die unter Ernst Beiße auf den
Bundesvergleichskämpfen des Bundes der Deutschen Schüler-Ruderverbände in
den 60er Jahren erzielt wurden, der Sieg beim Bundeswettbewerb im Jungen-
und Mädchenrudern 1978 in Bad Waldsee oder die erfolgreichen Teilnahmen am
Bundesfinale im Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ in Berlin.
Zahlreiche Landesmeisterschaften, Landesschülermeisterschaften runden die
insgesamt erfreuliche Regattabilanz ab, obwohl gerade in den letzten Jahren
größere Erfolge ausgeblieben sind. Dennoch gilt auch heute noch, was 1977
der Vorsitzende des Schülerrudervereins Michael Hampe geschrieben hat, dass
Erfolg und Leistung sich nicht ausschließlich in Siegen messen lassen.

Gemeinschaftsfördernde
Aktivitäten
sind ein wichtiges Element
eines erfolgreichen Vereins. Dazu gehören in erster Linie sicherlich
Wanderfahrten, Trainingslager oder Ruderlager, Besuche auswärtiger Regatten,
aber auch Aktivitäten jenseits des Rudersports, der unter den uns
vorliegenden Bedingungen vornehmlich im Sommer ausgeführt wird, so dass es
im Winter zu anderen Aktivitäten kommen sollte.
Wanderfahrten hat es in den
50er und 60er Jahren vereinzelt gegeben; hier muss bedacht werden, dass die
äußeren Rahmenbedingungen (z.B. Bootstransport) wesentlich schwieriger
waren, als dies heute der Fall ist. 1962 wird von einer Wanderfahrt von
Lübeck zum Schalsee und zurück berichtet, 1963 von Hann.-Münden über Hameln
und Minden nach Hannover zurück über den Mittelland-Kanal.1975 wurde auf
Saar und Mosel gerudert.
Mit der Einführung der
Erfassung der geruderten Kilometer sowie der systematischen Beteiligung an
den Fahrtenwettbewerben des DRV seit 1986 wurden auch regelmäßige
Wanderfahrten in das Programm der jährlichen Aktivitäten aufgenommen.
Seither wurden mit wenigen Ausnahmen jährlich mindestens eine, manchmal 2
oder gar 3 Wanderfahrten durchgeführt; teilweise fanden diese in den
Sommerferien statt und dauerten mitunter 3 Wochen. Unvergessen sind
sicherlich die Fahrten auf der. Donau von Melk nach Budapest oder auf der
Rhone von der Schweizer Grenze bis ins Mittelmeer, um nur 2 Beispiele zu
nennen.

Unvergessen bleiben sicher
den Teilnehmern die Trainingslager 1968 in der ČSSR, kurz vor dem Einmarsch
der sowjetischen Truppen, die den Prager Frühling gewaltsam beendeten, und
1996 in Israel. Seit 1991 findet jeweils in den Osterferien ein
Trainingslager in Berlin statt. Das kombinierte Trainings- und Freizeitlager
über Pfingsten erfreut sich einer langen Tradition seit den 60er Jahren.
Regatten führten uns u.a. nach Kassel, Berlin, Köln, Hamburg, Lübeck, Essen,
Frankfurt, Bad Waldsee, Rüsselsheim, Salzgitter, Otterndorf Bremen,
Gelsenkirchen, Celle, Waltrop und Wolfsburg. Für 1965 ist ein Ruderball in
den Räumen des HRC belegt, eine regelmäßige Durchführung von Ruderbällen
gibt es seit 1992 im 2-jährigen Rhythmus. Ein Freizeitwochenende im Winter
zum Halbjahreswechsel dient seit etwa 1988 der Pflege der Geselligkeit und
des besseren Verständnisses untereinander. Nicht unerwähnt bleiben sollen
hier die jährliche Wanderung oder auch das Sommerfest, Veranstaltungen, die
sich im Laufe der Jahre verfestigt haben und einfach zum Vereinsleben dazu
gehören. Über all dies berichtet nahezu lückenlos unsere Vereinszeitschrift
„der riemenreißer“, vormals „RVB-Info“. die erstmals 1988 erschien und mit
diesem Heft auf stolze 50 Ausgaben zurück blicken kann. Wenn man so will,
ersetzt der Riemenreißer die Chronik und realisiert das, was im ersten Heft
im Vorwort formuliert wurde, nämlich eine umfassende Dokumentation der
Aktivitäten des RVB zu liefern.
Bootspark und Finanzen
Schülerruderverein der
Bismarckschule Hannover; 30.10.53: Der Schülerruderverein der Bismarckschule
lädt Sie nebst Angehörigen zur Taufe seines ersten Bootes herzlich
ein. Die Feier findet am Sonnabend, 7.11.531 15,30 Uhr, beim
Schülerbootshaus am Maschsee (Ostseite) statt. Mit vorzüglicher Hochachtung,
Dieter Lorenz, 11s1, 1. Vors.
Für einen Ruderverein, ganz
gleich ob Schülerruderverein oder DRV-Verein, ist die Anschaffung von Booten
immer ein ganz besonderes Ereignis. Allerdings ist die Finanzierung von
Boote für Schülerrudervereine vielleicht noch schwieriger als für andere
Vereine; insofern ist es erfreulich, dass unser ältestes Boot, nämlich die
„Kühnhold“ noch immer in Betrieb ist.
Neben der Finanzierung gibt
es naturgemäß andere Probleme: Bereits 1963 führte Ernst Beiße einen
Schriftwechsel mit dem Verein zur Förderung des Schülerruderns, der das
Schülerbootshaus seit seiner Errichtung im Jahre 1951 bis zur Auflösung 1970
betrieb, in dem Beiße einen Lagerplatz sowohl für „Krebs“ als auch für
„Bismarck“ anforderte. Der Lagerplatz wurde erst nach langem Gezerre
bewilligt. Auch nach der Übernahme des Bootshauses durch die Stadt Hannover
war es immer wieder schwierig, neue Boote in die Hallen einzulagern. Zumeist
ging dies nur dann, wenn ein anderes vereinseigenes Boot ausgelagert wurde.
Der Keller in unserer Schule hat indes nur begrenzte Aufnahmekapazität, so
dass wir immer wieder Boote, die wir für Anfänger noch gut hätten verwenden
können, abstoßen mussten. So gingen 2 Vierer nach Wildeshausen, einer nach
Schweden, der Achter nach Bramsche; oder die Boote mussten leider zerhackt
werden. Einsatz- und fahrbereit waren sie alle noch, wenngleich nicht mehr
regattafähig. Insgesamt sind aber wir dennoch mit Plätzen im Bootshaus
relativ gut versorgt: 2 Rennvierer, 3 Gig-Vierer, 2 Doppelzweier und 5 Einer
ermöglichen bei zusätzlicher Nutzung sog. stadteigener Boote durchaus einen
geregelten Ruderbetrieb für einen Verein unserer Größenordnung. Zunächst
wurde ausschließlich in Gigs gerudert; die Anschaffung der ersten
Kunststoff-Übungseiner kann man fast schon als fortschrittlich bezeichnen.
Zwei Mal wurde ein Anlauf unternommen, einen Gig-Achter zu erwerben,
Angebote wurden bei Karlisch (1962) und Gehrmann (1965) eingeholt, der Kauf
indessen nicht realisiert – vermutlich waren die finanziellen Hürden zu hoch
gelegt. 1973 konnten mit Sepia und Alfred Horn die ersten Rennboote
angeschafft werden. Danach wurden mehr Rennboote als Gigs gekauft. Viele
Bootstaufen sind als herausragende Ereignisse des Vereinslebens vielen noch
nachhaltig im Gedächtnis. Mit 2 neuen Vierern in diesem Jahr sind die
Weichen für eine erfolgreiche Fortsetzung des Ruderbetriebs gestellt.

Erwähnt soll hier noch
werden, dass sich die Schülerinnen und Schüler bei aller externen
Geldbeschaffung immer wieder selbst ins Zeug gelegt haben, um die
Anschaffung von Booten zu ermöglichen, sei es bei der Betreuung eines
Verpflegungsstandes beim Marathon-Lauf, sei es bei der Bewirtschaftung der
Regatten oder beim Kuchenverkauf auf Elternsprechtagen, bei der Verteilung
von Werbezetteln (Fahrrad) oder bei sog. Obermeier-Aktionen.
Einbindung des Rudervereins
in die Schule
Bei der Anbindung des
Vereins an die Schule sind von Beginn an Defizite zu beklagen. In den
Jahrbüchern der Bismarckschule aus den 50er Jahren tauchen der Ruderverein
oder die Aktivitäten der Ruderer nicht auf, obwohl regelmäßiger Ruderbetrieb
stattgefunden hat. 1964 beklagt Manfred Bertelsmeier die mäßige Resonanz im
„Schulspiegel“ (seit 1947 durchgängig publizierte damalige Schülerzeitung)
auf die herausragenden Erfolge der Ruderer, räumt aber gleichzeitig ein,
dass hier von den Ruderern selbst mehr Initiative erfolgen müsse. Die
Einführung des RVB-Infos im Jahre 1988 sollte auch hier Defizite beheben,
indem durch regelmäßige, in der Schule verteilte Berichterstattung, der
Schulöffentlichkeit deutlich gemacht wird, was der Ruderverein leistet.
Präsenz bei Schulfesten, Bootstaufen auf dem Schulhof und andere Aktivitäten
sind auch immer wieder Versuche, stärker in das schulische Leben integriert
zu werden. Natürlich ist dies problematisch, wenn sich die Ruderaktivitäten
außerhalb der Schule vollziehen, was wiederum in der Natur der Sache
begründet ist.
Anbindung der Ehemaligen
1966 regte der Vorstand des
Schülerrudervereins die Gründung eines Ehemaligen-Vereins nach dem Vorbild
anderer Rudervereine an. Bekanntlich wurde die hier angeregte
Vereinsgründung noch nicht realisiert. Statt dessen initiierte Ernst Beiße
jährliche Treffen der Ehemaligen, die sich jeweils am 2. Weihnachtsfeiertag
trafen, um in gemütlicher Runde in Erinnerungen zu schwelgen, zu erfahren,
wo die einzelnen, zum Teil auswärtig Tätigen, abgeblieben sind, welche
berufliche Entwicklung sie genommen haben usw. Erst 1984 kam es in dem Kreis
um Matthias Holm zur Gründung des Altherrenrudervereins der Bismarckschule.
Mitglieder dort wurden vorrangig diejenigen, die 1984 und danach die
Abiturprüfung abgelegt und die Schule verlassen hatten. Leider ist es nicht
gelungen, eine größere Zahl derjenigen Absolventen an den Verein zu binden,
die vor 1984 abgegangen sind. 40 Jahre nach Gründung des Schülerrudervereins
haben sich der Altherrenverein und der Schülerruderverein 1992 zum RV
Bismarckschule Hannover zusammen geschlossen, die Eintragung ins
Vereinsregister und die Aufnahme in den Landessportbund betrieben und somit
die Weichen hin zu einem modernen Sportverein gestellt. Durch gemeinsame
Aktivitäten wie Wanderung, Sommerfest, Ruderball und natürlich auch
Wanderfahrten wachsen allmählich Schüler und Ehemalige zusammen.


Die Entwicklung gerade der
letzten 10 Jahre gibt zu Optimismus bezüglich der weiteren Entwicklung des
RVB Anlass. Insbesondere sind an dieser Stelle natürlich die Ehemaligen zu
erwähnen, die als Trainer und Betreuer oder aber als Organisatoren von
Wanderfahrten ihre Erfahrung weiter geben und eine kontinuierliche Arbeit
mit den Schülerinnen und Schülern garantieren. Im Verein sind nicht nur
Ehemalige oder Aktive Schülerinnen und Schüler der Bismarckschule, sondern
auch Männer und Frauen, die auf recht unterschiedlichen Wegen, sei es als
Eltern, als Freunde bzw. Partner, als Lehrer der Bismarckschule oder sonst
wie zu uns gefunden haben. Auch sie sind integrativer Bestandteil des
Vereins und tragen maßgeblich zum Erfolg des Vereins bei.
100 Jahre Bismarckschule
bedeuten mindestens 55 Jahre organisierten Ruderbetriebes im
Schülerruderverein der Bismarckschule, der weiterhin bemüht sein wird,
unverzichtbarer Bestandteil des schulischen Lebens an der Schule zu sein. |
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