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Jahrbuch und Dokumentation

Zeit Schnitte

Festschrift: 100 Jahre

 
 
Inhalt
Hansjörg Rümelin

Ein Schloss am See – Der Neubau der Bismarckschule in Hannover und die Geschichte seiner Nutzung

Die Neubaupläne für die seit 1909 so bezeichnete Bismarckschule sind bereits mit dem Magistratsbeschluss vom 25. Januar 1906 verbunden, der die Schule als Reform-Realgymnasium und Filiation der1876 gegründeten Realschule 1 (Wolfstraße 17), also der späteren Hindenburgschule, ins Leben rief. Gleichzeitig ist mit der Einrichtung der Bismarckschule die Gründungs- und Ausbauphase des höheren Knabenschulwesens in Hannover abgeschlossen, denn zu weiteren Schulgründungen kommt es aufgrund erneut steigender Schülerzahlen erst nach dem Zweiten Weltkrieg.[1] In den verbleibenden fünfeinhalb Jahren bis zur Einweihung des repräsentativen Neubaus am 18. Oktober 1911 war die seit Ostern 1906 selbstständige Schule im Gebäude der Königlichen Hebammenlehranstalt untergebracht. Dieser Bau war 1862/63 von Adolph Funk und Julius Rasch in der Meterstraße 47 nach dem Vorbild der Doppelschule am Georgsplatz (Ratsgymnasium und Tellkampfschule) in den Formen des hannoverschen Rundbogenstils erbaut, und für die provisorische Unterbringung der Bismarckschule von der Provinzialverwaltung angemietet worden.[2]

Städtebauliche Situation

Nachdem man für den projektierten Neubau zunächst auch ein Grundstück in der Mendelssohnstraße ins Auge gefasst hatte, das allerdings beengt und bereits von viergeschossiger Bebauung eingeschlossen war, entschied man sich für den großzügig bemessenen, noch völlig freiliegenden Bauplatz in dem erst im Entstehen begriffenen Wohnviertel nahe der Wiesen der Aegidienmasch.[3]

Dieser lag südwestlich an der Kreuzung der damaligen Mommsen- und Böhmerstraße, deren hier verlaufende, gleichzeitig mit dem Schulgebäude angelegten Teilstücke erst seit 1952 die Bezeichnung An der Bismarckschule tragen. Auch war das Schulgrundstück an der Mommsenstr. 16 selbst ursprünglich erheblich kleiner als heute, umfasste aber dennoch bereits etwa 12.500 m2.[4]

 

1. Bismarckschule. Städtebauliche Situation um 1900 und Lageplan von 1911 projiziert auf den Stadtplan von 1993

Es endete im Westen mit deutlichem Abstand vor der bereits 1897 angelegten Rudolf-von-Benningsen-Straße und im Süden unmittelbar hinter der Einfahrt neben der Turnhalle in einiger Entfernung von der erst 1912 zur Straße umgebauten Bahntrasse des Altenbekener Damms.[5] Dort befanden sich jenseits dieses Straßenzuges auf dem heutigen Gelände der Tellkampfschule seit 1905, nachdem die Stadt hier die Produktionsanlagen der Maschziegelei stillgelegt hatte, Gemüsegärten und ab 1916 wiederum Gewerbebauten wie das große Lagerhaus der Norddeutschen Eiswerke AG.[6]

Die städtebaulich exponierte, allseits freigestellte Situation inmitten von Grünland bestand, trotz beabsichtigter und in der Planung immer wieder ausgewiesener Aufsiedlung der benachbarten Baublöcke letztlich bis zur Neubebauung der ehemaligen Mommsen- und Böhmerstraße in der Nachkriegszeit, während auf die gedachte Bebauung der Rudolf-von-Benningsen-Straße zugunsten eines großzügigen Grünstreifens und eines nun um Sportanlagen vergrößerten Schulgeländes letztlich verzichtet wurde.[7] Heute ist die Schule von Wohnhäusern aus einer z.T. nachverdichteten Reihen- und Blockbebauung umschlossen und mit einzelnen Hochhäusern am nun so genannten Rudolf-von-Benningsen-Ufer konfrontiert, während in der Nachkriegszeit erst in einiger Entfernung jenseits des Altenbekener Damm bevorzugt weitere Schulen angesiedelt wurden.

2. Bismarckschule Lageplan 1911

Die Erschließung der Bismarckschule erfolgte nach ihrer Fertigstellung zunächst hauptsächlich über die Siemensstraße, die sich an ihrer Einmündung in die Böhmerstraße unmittelbar gegenüber der Schaufassade des Aulatraktes mit einer Grünanlage platzartig weitete und so den Bau mit einer Respekt einfordernden Hoheitszone umgab. Betrachtet man daraufhin die gründerzeitliche Bausubstanz im östlichen Abschnitt der Siemensstraße, so kann man auch heute noch das langsame Heranwachsen der Südstadt in Richtung der hochwassergefährdeten Maschwiesen erkennen.[8] Nähert man sich indessen heute von der Siemensstraße dem Schulgebäude, wird die Funktion der einstigen kleinen Grünanlage an der Straßenecke und die mit deren Überbauung verbundene stadtplanerische Fehlentscheidung deutlich: denn nun verschwindet die barocke Schaufront der Aula hinter einem belanglosen Reihenendhaus und auch die beabsichtigte raumschließende Wirkung der Schulfassade für Platz und Straße[9] kann nur noch erahnt werden.

Gebaut wurde zweieinhalb Jahre inmitten eines zuvor von Grabensystemen durchzogenen Areals, von denen der Rote Dammgraben als Fortsetzung des von Norden kommenden Schiffgrabens den projektierten Gebäudestandort unmittelbar berührte. So wird verständlich, dass der planende und bauleitende Magistratsbaurat Johann de Jonge freudig überrascht war, dass die Gründungsarbeiten auf diesem zunächst schwierig angenommenen Baugrund vergleichsweise problemlos vonstatten gingen.“[10]

3. Die Bismarckschule von Nordosten umgeben von Gärten. Im Hintergrund rechts das große Eislagerhaus und andere Gewerbebauten, 1911

Das aufgehende Mauerwerk ist als drei- bis viergeschossige, gut proportionierte Zweiflügelanlage ausgeführt worden, die mit Nordflügel, Klassentrakt und Aulabau aus drei klar voneinander abgesetzten Baukörpern besteht, die sich wiederum in einem nach Norden öffnenden Winkel um den vorderen, heute als Parkplatz genutzten Schulhof gruppieren. Erstrecken sich Klassentrakt und Nordflügel in der Nord-Süd-Richtung bereits über eine Länge von 80 m, so erreicht das Schulgebäude einschließlich des Turnhallenanbaus eine Gesamtlänge von 100 m und übertrifft damit die Achslänge des Aulaflügels genau um das Doppelte. Die Traufhöhe liegt im vierten Obergeschoss bei 19 m, die Firstlinie über der Aula verläuft auf 28 m und der aufsitzende Dachreiter steigt bis zum Knopf nochmals auf gut 37 m an, so dass auch bei den absoluten Bauabmessungen die Dimensionen eines Monumentalbaus erreicht werden.

4. Durch Nachkriegsbebauung verstellter Blick aus der Siemensstraße auf die Bismarckschule, April 2006.

Rekonstruktion des ursprünglichen Raumprogramms

Das Schulgebäude war zunächst für 900 Schüler ausgelegt, ohne dass diese Zahl bis zum Zweiten Weltkrieg je erreicht wurde[11], und nahm in den Geschossen des Mittelbaus einschließlich der drei Unterrichtsräume im 3. Obergeschoss 24 Stammklassenräume von 48 m2 bis 58 m2 Grundfläche auf, die ausnahmslos auf den ruhigen, heute gegen den Maschsee gelegenen Südwesthof ausgerichtet wurden. Zweifellos stand dabei eine gute Belichtung der Unterrichtsräume im Vordergrund, denn verkehrsbedingter Lärmbelästigung, die den Unterricht an der Raabe-Schule und auch an den Schulen am Georgsplatz nachhaltig beeinträchtigte,[12] brauchte man hier nicht vorzubeugen, da kein Durchgangsverkehr wie in der Stadtmitte zu erwarten war. Auch sind die technischen Maßnahmen zur Geräuschdämmung im Gebäude, wie sie etwa für den Neubau der Raabe-Schule in Lüneburg projektiert wurden[13], nicht überliefert. Wesentlich einschneidender für den Schüleralltag aber war und ist nach wie vor der Umstand, dass durch die Südwestorientierung der Klassenräume der Begriff Hitzefrei für Bismarckschüler nahezu ein Fremdwort geblieben ist.

5. Bismarckschule. Grundriss des 1. Obergeschosses, Bauzeichnung 1909.

Mit Ausnahme des Klassentraktes, der trotz verschiedener Veränderungen im Wesentlichen nach wie vor seine Hauptfunktion wahrnimmt[14], sah die 1909 vorliegende Raumplanung eine gegenüber der heutigen Situation deutlich andere Raumnutzung vor.

6. Bismarckschule. Planung der Chemie-Fachräume, Bauzeichnung September 1911.

So nahm der über quadratischem Grundriss (von 19 x 19 in) errichtete Nordflügel im hochliegenden Kellergeschoss außer dem noch heute so bezeichneten, dem Getränkeausschank dienenden Milchkeller die Wohnung des Schulvogtes (Hausmeisters) auf, die neben einer Küche über drei kleine zusammenhängende Zimmer verfügte. Mit diesem Wohnungsteil waren über eine innenliegende Treppe noch zwei Zimmer im Erdgeschoss verbunden, 'so dass dem Schulvogt eine vergleichsweise geräumige Dienstwohnung von etwa 85 m2 Grundfläche zustand. Im Erdgeschoss waren an der Nordseite mit dem Dienstzimmer des Schulleiters und der separat zugänglichen Bibliothek zwei rund 50 m2 große quadratische Räume angeordnet, während das heutige Büro des Stundenplaners am Vorzimmer des Direktors und das Schulleitungssekretariat als Aktenzimmer genutzt wurden. Dies ist nur aus heutiger Sicht verwunderlich, denn in Hannover mussten sich in der Regel mehrere höhere Schulen mit einer einzigen Sekretariatsgehilfin begnügen und noch 1927 war in der Bismarckschule nur an drei Tagen der Woche eine Schreibkraft anwesend, während Volks- und Mittelschulen auch noch 1937 über keinerlei Bürokräfte verfügten.[15]

7. Bismarckschule. Chemiearbeitsraum, um 1925.

Im 1. und 2. Obergeschoss waren schon seit Aufnahme des Schulbetriebes die Fachbereiche Physik und Chemie ansässig, allerdings war eine i.E. abweichende Raumnutzung vorgesehen, bei der neben Sammlungs- und Vorbereitungszimmern auch zwischen Vortragssaal und Arbeitsräumen unterschieden wurde. Einen Einblick in die Organisation dieser Raumeinheiten gewähren ein Möblierungsplan der Chemieräume aus der Endphase der Bauzeit im September 1911 und eine Fotografie des Chemie-Arbeitsraumes aus den 20er Jahren. Völlig abweichend von der heutigen Situation aber war ein Lehrerzimmer in einem der heutigen Sammlungsräume der Chemie untergebracht.

Im 3. Obergeschoss befindet sich dagegen heute noch der funktional nach Norden ausgerichtete große Zeichensaal 1, während in dem bis vor kurzem als Werkraum genutzten Klassenraum 305 ursprünglich eine Schülerbibliothek sowie ein Modellraum für die Zwecke der Kunst eingerichtet waren und der gegenüberliegende Raum 304 der Unterprima als Klassenraum diente.

8. Bismarckschule. Blick nach Westen in die große Turnhalle, um 1925. An der Rückwand die Tribünenfenster.

Bereits im sonst ungenutzten Dachboden über dem Klassentrakt war ein Kartenraum (heute Sammlung Kunst) untergebracht. Zur Erschließung der einzelnen Geschosse hat man die gut 55 m langen Korridore des Klassentraktes jeweils um ein Stück in den Nordflügel hineingezogen, während die Geschosse untereinander nach wie vor über den oktogonalen Treppenturm kommunizieren, der in den Winkel zwischen die beiden Bauteile eingestellt und dem unmittelbar benachbarten Nordeingang der Schule zugeordnet ist. So wie an dieser Stelle innenliegende Treppenanlagen die Hauptachse des Gebäudes queren und auf diese Weise gleichzeitig in das Gebäude hinein und durch es hindurch auf den westlichen Schulhof führen, besitzt auch der ungleich komplexer aufgebaute Aulaflügel eine quergelegte Erschließungsachse. Während man dieses Gebäudeteil derzeit von außen nur durch den südlichen Nebeneingang am Fuß des hier als Halboval hervortretenden Südtreppenturmes betreten kann, gelangte man ursprünglich auf der gegenüberliegenden Hofseite über eine Freitreppe zum Haupteingang und in den Aulaflügel. Hier sind ebenerdig zwei Turnhallen angelegt, zwischen denen ursprünglich ein Umkleideraum angeordnet war, über den beide Hallen miteinander verbunden werden konnten. Die mit rund 240 m2 Grundfläche kleinere Halle ist als eingeschossiger, aus dem Aulaflügel remisenartig nach Süden vorstoßender Anbau mit heute noch sichtbarem Dachstuhl geplant worden, wobei ein separater, jetzt nicht mehr bestehender Hofzugang die Vermietung erleichtern sollte. In die große Halle von etwa 290 m2 öffneten sich drei große Fenster vom heutigen Kopierraum, der auf diese Weise als Zuschauerraum bei Sportveranstaltungen verwendet werden konnte. Betrachtet man die Mitte der 20er Jahre aufgenommene Innenaufnahme dieser Halle, erkennt man diese zwischenzeitlich verglasten Öffnungen und, neben den sportlichen Leistungen der Turner, v.a. die für heutige Verhältnisse völlig ungewohnte Ausstattung einer Turnhalle mit gerahmten Bildschmuck und gemalten Blattrankenfriesen oberhalb der Holzpaneele. Ebenfalls ebenerdig entsprach an die Südwestecke des Gebäudes gefügt eine Abortanlage den menschlichen Bedürfnissen, deren am Außenbau auffällig enger Fenstertakt, hygienischen Anforderungen entgegenkommend, die separate Belüftung der Einzelkabinen ermöglichte.

Oberhalb der großen Turnhalle, dort wo sich heute Lehrer-, Besprechungszimmer und Interimsmensa befinden, gab es ähnlich wie im Nordtrakt ursprünglich nicht nur völlig andere Funktionsräume, sondern auch einen andersartigen Raumzuschnitt. Denn während in der schmalen Raumflucht an der Südflanke ein zweites Lehrerzimmer zunächst mit einem Konferenzzimmer gekoppelt werden sollte, was dann tatsächlich der biologischen Sammlung diente, blieb auch der gesamte Abschnitt hinter der konvex ausschwingenden Ostfassade dem Fachbereich Biologie vorbehalten.

8. Bismarckschule. Mikroskopierraum, um 1925. Heute Teil des Lehrerzimmers.

Die derzeitige Mensa aber, allen Bismarckschülern als Exi bekannt, eben weil in diesem Großraum seit den 60er Jahren Klassenarbeiten exekutiert wurden, war als biologischer und geographischer Vortragssaal, wie auch die anderen naturwissenschaftlichen Lehrräume gleich einem Hörsaal mit ansteigend angeordneten Sitzplätzen ausgestattet. Merkwürdig unorganisch gegenüber der heutigen Situation indessen erscheint die ursprünglich nur durch Leichtbauwände gegliederte biologische Abteilung, deren Raumtrennungen ohne Rücksicht auf die Fenstergliederung eingebaut wurden. Oberhalb des heutigen Lehrerzimmers wurde die zweigeschossige Aula auf beiden Ebenen im Süden und Westen von einer wirkungssteigernden Raumgruppe gerahmt.

9. Bismarckschule. Klassenraum, um 1925.

Im 2. Obergeschoss sind dies die an regulären Schultagen wie im 1. Geschoss als Pausenraum genutzte Vorhalle und der sich ursprünglich wie ein Südseitenschiff einer Basilika zwischen drei mächtigen Pfeilern öffnende, heute als Schülerbibliothek abgetrennte Nebenraum. Darüber, im 3. Obergeschoss erweiterten der über der Vorhalle der Aula angeordnete quadratische Singsaal und der zweite, langgestreckte Zeichensaal (heute zweiter Musikraum), die beide emporenartig mit der Aula verbunden werden konnten, bei Bedarf den Repräsentationsraum auf eine Kapazität, die mit 1.000 Sitzplätzen[16] die heutigen Möglichkeiten bei weitem überstieg. In der Flucht des Klassentraktes, aber auf einer Ebene mit dem Singsaal und ursprünglich auch nur über den Aulaflügel zu erreichen, sind an der Südwestecke des 3. Obergeschosses noch zwei Klassenräume für die Oberprima angeordnet worden, über denen sich mit zwei weiteren, erst unlängst wieder freigegebenen Stockwerken der prägnante Sternwartenturm mit drehbarer Kuppel und historischem Fernrohr erhebt.[17] Dieses, etwa 130 Einheiten umfassende Raumprogramm wurde vervollständigt durch verschiedene, v.a. den technischen Betrieb des Hauses sicherstellende Funktionsräume im Kellergeschoss, wo sich auch der Kesselraum für die Niederdruckdampfheizung befand, die eine selbsttätige Wärmeregulierung in den einzelnen Räumen ermöglichte.[18] Der Einbau von Zentralheizungen hatte sich erst um 1900 durchgesetzt, nachdem es den Schulvögten fast unmöglich geworden war, bis zu 30 über das ganze Haus verteilte Öfen zu heizen. Gleichzeitig musste die Stadt nun aber auch Heizer anstellen, die die Zentralheizungen bedienten. Zur Bauzeit durchaus noch nicht selbstverständlich war die Schule von Anbeginn auch an das städtische Stromnetz angeschlossen, so dass Aula, Fachräume, Treppen und Flure elektrisch beleuchtet werden konnten. Starkstromanschlüsse waren sowohl in den Physik-und Chemie-Räumen und selbst in der Aula vorhanden, damit dort auch vor größerem Publikum physikalische Experimente vorgeführt werden konnten. Die Klassenräume waren mit zweisitzigen Bänken, Katheder, Wandtafel, gerahmten Drucken und Gasbeleuchtung ausgestattet.[19]

11. Bismarckschule. Außenansicht von Nordosten, 1911. Im Vordergrund noch unfertige Straßenpflasterung, auf dem Hof der Anfang der 60er Jahre beseitigte Brunnen, rechts der Torbogen zum hinteren Schulhof.

Außengestalt

Gleichgültig von welcher Seite man sich dem Gebäude auch heute nähert: Es sind die völlig freistehenden, schieren Baumassen, die zunächst auf den Besucher wirken, ihn beeindrucken, in ihrer Kompaktheit vielleicht auch einschüchtern sollen. Dann sind es die fünf folgenden Aspekte, die bei der Betrachtung der Außengestalt ins Auge fallen:

•         die spannungsvolle Dualität zwischen Nord- und Aulatrakt

•         die unterschiedliche gestalterische Auffassung der langgestreckten Ost- und Westfassaden

•         die Dynamisierung und Monumentalisierung des auf Fernwirkung ausgerichteten Bauwerks

•         die insgesamt vorherrschend neobarocke Architektursprache

•         der Zusammenhalt der Bauteile bei einer Fülle im Detail stilistisch heterogener Elemente

Eindeutig ist die Hierarchisierung der Fassaden. Die Hauptansicht ist die als Schauwand ausgebildete, sich gegen die erwartete Aufsiedlung des Stadtteils richtende Ostfassade der Schule, wobei die Süd- und Nordfassaden ebenso qualitätvolle und abwechslungsreiche Ansichten bieten, die nach Westen orientierte Hofwand – ohne gebautes Gegenüber — aber vergleichsweise nüchtern und in erster Linie auf Fernsicht konzipiert ist. Der Bau ist als in Wänden und Decken massiver Backsteinbau ausgeführt, der außen mit Ettringer Tuffstein, partiell auch in Sand- und Kalkstein verblendet und insb. in den Flächen des Klassentraktes mit hydraulischem Putz nach Münchener Art versehen ist.[20]

An Nord- und Aulaflügel haben alle Wände der Sockelgeschosse eine in Natursteinen ausgeführte Rustikaverblendung* (vgl. die Begriffserläuterungen im Glossar am Textende) erhalten. Oberhalb des Gurtgesimses sind die zwischen den hochrechteckigen Fensteröffnungen verbleibenden Wandflächen der Obergeschosse dann mit einer glattwandiger Kunststeinverkleidung versehen worden, die in gezieltem Kontrast zu den grob strukturierten Rustika-Oberflächen der Untergeschosse steht. Rustiziert sind auch die von Geschoss zu Geschoss variierten Fensterrahmen der achtachsigen Ostfassade des Klassentraktes, wobei die unteren Korridorfenster über ein leeres Brüstungsfeld mit dem horizontalen Sockelband verknüpft sind.

Dies ist insofern nicht erstaunlich, als sich de Jonge im Zusammenhang der Planung für seine zweite hannoversche Schule ausdrücklich auf Anregungen aus dem Warenhausbau beruft.[21] Am Gebäude selbst gehört es zu den mehrfach verwendeten Motiven, durch die der Zusammenhalt der unterschiedlichen Bauteile gewährleistet wird: So sind insbesondere die Frontflächen der beiden Treppentürme in derselben Weise behandelt. Zu dem Komplex der Motivwiederholung zählen auch die barockisierten Balkonbrüstungen, die am Nordbau als Kranzgesims* und an Sternwartenturm, benachbartem Eckrisalit* als auch oberhalb des Hauptportals als reale Balkonbrüstungen Verwendung fanden. Zusätzlich war dieses Motiv an den heute nicht mehr vorhandenen Scheinbalkonen oberhalb des Nordportals und oberhalb des Toilettenanbaus an der Südseite des Gebäudes vorhanden. In die gleiche Kategorie verbindender Gestaltungsformen gehören auch die mit geschweiften Fensterverdachungen versehenen Ochsenaugen, also die quergestellten Ovalfenster, die nicht nur in den Dachzonen des Nordbaus, sondern auch an beiden Treppentürmen erneut eingesetzt wurden. Dies gilt auch für das Mansardenzeltdach*, das trotz seiner charakteristischen Brechung vereinfacht gesprochen die etwas gedrückten würfelförmigen Baukörper von Nord- und Aulabau jeweils unter einer Pyramidenform zusammenfasst. Dass diese Feststellung, die am Nordbau leicht nachvollzogen werden kann, auch für den doch flügelartig aus dem Klassentrakt vorstoßenden Aulabau gilt, wird erst in der Süd- oder Übereckansicht von Südwesten oder Südosten deutlich. Denn von Norden betrachtet verschmelzen die monumentalen Dachflächen über der Aula um zum Klassentrakt hin, nunmehr als Walm- und Satteldach*, nach unten abgestuft zu werden.[22]

Kehrt man noch einmal zum Ausgangspunkt der Betrachtung, dem Nordbau zurück, so setzt der vor allem durch seine mehrgeschossig geschweifte welsche Haube* mit offener Laterne die Turmhelme nordeuropäischer Sakralbauten des Barock zitierende Treppenturm in der Gliederung seines Schaftes den beschriebenen Aufriss des Nordtraktes fort und zeigt so, dass er Teil dieses Baukörpers ist. Den Übergang von dem zunächst gemeinsam mit dem Nordportal rechteckig vortretenden Grundriss in die oktogonale Grundform des Turms bewerkstelligen dabei zwei kleine, versetzt angebrachte Pyramidenhälften).

12. Bismarckschule. Außenansicht von Südwesten, 1911.

Während die Außenstruktur des Klassentraktes mit ihren rustizierten Fensterrahmen noch im Winkel auf den Ansatz des Aulaflügels herumgeführt ist und so die Lage der Pausenhallen im Inneren markiert, tritt der eigentliche Aulabau als eigenständiger Baukörper aus der Flucht des Zwischentraktes hervor und antwortet gestalterisch auf den als Gegenpol aufgefassten Nordbau. Dies geschieht indem die vierachsige Nordwand im Turnhallengeschoss Rundbogenfenster als vergrößertes Echo der Kellerfenster im Nordbau einsetzt, die nunmehr zur Vierergruppen zusammengefassten Fensteröffnungen im Zwischengeschoss des heutigen Lehrerzimmers auf die des Erdgeschosses im Nordbau antworten und die dort bereits geschossübergreifend zusammengefassten Lichtöffnungen der Obergeschosse an der Aulawand nun zu schmalbahnigen Hochfenstern vereinheitlicht sind. Auf diese Weise entsteht im Wechselblick der aufeinander bezogenen, einmal vier- und einmal dreigeschossigen Wände, der Eindruck von einem atmenden Organismus, der im Sinne des Skelettbaus die Wände in den Obergeschossen bis auf die konstruktiv notwendigen Vertikalstützen auflöst (vgl. Abb. 11). Dominiert wird der Aulaflügel aber von seiner dynamisch aufgebogenen Ostwand, die gleichsam mit kleinen konkaven Flanken Schwung holt, um sich nicht nur zur Mittelachse konvex vorzuwölben, sondern hier ihren geschweiften Giebel am Dachansatz kraftvoll über die Trauflinie aufzubiegen. Die an dieser Wand in der Mitte zusammengezogenen Fenstergruppen der drei Geschosse sind hier zu einem vertikal aufstrebenden Zug von Lichtöffnungen zusammengezogen, der wiederum auf den Vertikalakzent des Treppenturmes am Nordbau reagiert. Gleichzeitig setzt er im Aulageschoss das Fensterband der hofseitigen Aulawand zunächst in Form flankierender Fensterblenden* fort, um in dem heute vermauerten, ursprünglich farbig verglasten Ostfenster zu kulminieren (vgl. Abb. 16).

13. Bismarckschule. Aula-Aufriss von Norden. Bauzeichnung Planungsstand März 1909 und Mai 1909

Die Wandauflösung durch die schnell getaktete Folge schmaler Vertikalzüge in den Obergeschossen in Verbindung mit dem aus der Baumasse hervortretenden Baukörper, dem chorartig vorgewölbten schmalen Ost(!)-Giebel und nicht zuletzt dem bekrönende Dachreiter verleihen dem Aulatrakt unzweideutig das Gepräge eines Sakralbauwerkes. Ikonografisch steht der Außenbau der Aula in der Tradition mittelalterlicher Doppelkapellen, die im deutschen Sprachraum besonders im 11. und 12. Jahrhundert verbreitet sind, aber auch in der Gotik errichtet wurden, wie das Beispiel der Schlosskapelle (1334-1344) der für das preußische Selbstverständnis bedeutsamen Marienburg in Westpreußen zeigt. Der mit dem Aulaflügel verbundene sakrale Anspruch wäre durch das für die Fenster der Nord- und Ostwand zunächst vorgesehene Maßwerkcouronnement* noch deutlicher geworden.

14. Verwaltungsgebäude der Keksfabrik Bahlsen an der Podbielskistraße mit Maßwerkcouronnement in den geschossübergreifenden Erkerfenstern, 1911 (Aufnahme April 2006).

Einen Eindruck von dem zu erwartenden Jugendstilmaßwerk vermitteln die hochragenden, nur flach vorschwingenden Erkerfenstern des Verwaltungsgebäudes der Keksfabrik Bahlsen (Gebr. Siebrecht, 1911) und in bescheidenem Umfang die Maßwerkformen am Treppenturm der Raabe-Schule in der Langensalzastraße (Ruprecht/Wolff, 1905-1908), am „Direktoren-Erker“ der Bismarckschule oder an den Fenster- und Balkonbrüstungen der Villa Seligmann in der Walderseestraße (Schaedler, 1903-06).[23] Vorbildlich für das Motiv des konvex geschwungenen Wandabschlusses aber sind zweifellos die Schaufassaden süddeutscher Barockkirchen, in der vorliegenden Form mit aufgebogenem Dachabschluss und vereinfachtem, stumpf in den Fensterschluss laufenden Stäbungen nach der überzeugenden Vermutung von Wilhelm Lucka aber die Fassadenformen des Goseriedebades (Wolff u.a., 1902-05). Der von germanischer Ornamentik abhängige Flechtbandfries wie auch die als Versatzstücke barocker Palastarchitektur verwendeten, heute verlorenen Gesimsvasen, die die Vertikalachsen der Lisenen betonten, sind dagegen nur von untergeordneter, rein dekorativer Bedeutung. Zu entdecken sind derartige Vasen- oder Urnenbekrönungen, die zum Standardrepertoire der späten Neostile zählen, jedoch häufig Dachumbauten zum Opfer fielen, in Hannover noch an verschiedenen Großbauten der Jahrhundertwende wie dem Landesmuseum am Maschpark oder der o.g. Villa Seligmann.

15. Goseriedebad. Südöstliche Giebelwand, 1902-1905 (Aufnahme April 2006)

Umrundet man den Aulabau in Richtung Süden, so enthüllt dieses Bauteil sein zweites — nunmehr profanes Gesicht, und zwar als um ein Geschoss erhöhter Widerschein des Nordbaus. Gleichzeitig vollzieht sich eine sukzessive Vereinfachung in der Behandlung der Flächen und in der Ausbildung der Fensterformen. Der als Halboval aus der Gebäudekontur hervortretende standerkerartige Treppenturm erscheint wie ein monumentalisierter Reflex des „Direktorenerkers" auf der gegenüberliegenden Seite und wurde durch die hier ursprünglich angeordneten niedrigen Anbauten in den Baukomplex zurückgebunden.

Über den Südtreppenturm wird der Blick unvermittelt zum Sternwartenturm emporgezogen, der in seinem Unterbau an der Ostseite radikal ungegliedert bleibt, und wie auch die Südwand des benachbarten Zwischen- und die Westfassade des Klassentraktes nur in seinem rundum befensterten Obergeschoss eine Werksteinverkleidung erhalten hat, die von der durchbrochenen Steinbrüstung der Aussichtsplattform abgeschlossen wird. Der zylindrische Unterbau für das Observatorium mit drehbarer Kuppel ist scheinbar in den Turmquader eingeschnitten und wird in prägnanter Weise über drei Wülste ausgekragt. Insofern hat dieser Turm sowohl etwas von einem Bergfried mit überdimensioniertem Scharwachthäuschen*, als auch in seiner auf die Architektur der 20er Jahre weisenden Rationalität etwas von einem Flughafen-Tower oder Leitstand, erdacht zu einer Zeit, als sich gerade die ersten Motorflugzeuge vom Boden erhoben hatten.

Nimmt man nun die Position im heutigen Südwestzipfel des Schulhofes ein, die der unbekannte Fotograf für seine Aufnahme unmittelbar nach Fertigstellung des Gebäudes gewählt hatte, so werden die drei an den Eckpunkten des Baukörpers gesetzten Akzente deutlich (vgl. Abb. 12). Dabei fällt auf, dass der Sternwartenturm so wie die quaderförmigen Kopfbauten von Nord- und Aulabau in Form der die Dachkontur überschreitenden Obergeschosse an der Westfassade und des Treppenturms der Südwand jeweils einen vertikalen Begleiter erhalten haben. Wirft man daraufhin einen Blick auf die Bauzeichnung, die den Westaufriss des Schulgebäudes zeigt, so bemerkt man zunächst den gegenüber der Ostfassade deutlich herabgesetzten Aufwand, den de Jonge als verantwortlicher Baumeister lapidar damit begründete, dass von dieser Hoffront nach der Bepflanzung mit größeren Bäumen nur der obere Teil des Gebäudes von der Straße sichtbar bleiben würde, so dass deshalb auch nur das oberste Geschoss des Klassentraktes eine Werksteinverkleidung erhalten hätte.[24]

Die als schlichte, hochrechteckige Öffnungen in 26 Achsen ausgebildeten Fenster von Klassentrakt und Sternwartenunterbau sind nun so zu Vierer- und Dreiergruppen zusammengezogen und in ihrer Verbindung z.T. noch durch gemeinsame Fenstersimse betont, dass die hier angeordneten Klassenräume auch am Außenbau ablesbar werden. Während der flankierende Nordbau aber sein aufwendigeres Aufrisssystem* auch an der Westseite beibehält, übernimmt das ebenfalls risalitartig* vorgezogene Sternwartenmassiv Fensterform und einfach verputzte Wandflächen des Klassentraktes. Allein dort, wo der mit einer Balkonbrüstung bekrönte Klassenraum im 3. Obergeschoss über die Traufkante geführt ist und den gleichsam treppenartigen Aufstieg zur Sternwartenkuppel beginnt, ist nochmals eine geschossverklammernde Lisenengliederung verwendet worden.

Schaut man auf die bewegte, klar auf Fernwirkung hin angelegte Dachlandschaft, erkennt man auch die vielfältigen Symmetrien innerhalb einer nur auf den ersten Blick asymmetrisch-bewegt anmutenden Gesamtanlage. Gleichzeitig wird deutlich, dass es sich bei den mächtigen Zeltdächern, Türmen und Dachreitern keineswegs um überflüssige Spielereien, sondern vielmehr um Vertikalakzente handelt, die wie die Massenbetonungen an den Eckpunkten als Ausgleich zu dem langgestreckten Baukörper notwendig waren und auch praktische Funktionen wie die der Dachentlüftung erfüllten. Ebenso gehörten Türme und Dachreiter unterschiedlichster Form natürlich -zum Standardrepertoire repräsentativer Architektur, reflektierend auf die Rechts- und Freiheitssymbolik mittelalterlicher Turmanlagen, degeneriert zweifellos auch zu architektonischen Versatzstücken und formalen Akzenten, wofür sich zahllose Beispiele allein in der hannoverschen Architektur der Jahrhundertwende anführen lassen.[25]

Der niedrige Turnhallenanbau schließlich gibt sich als Rammsporn einer Galeere oder lässt den Bau einfach ausklingen, so wie man dies ganz ähnlich auch bei dem fast gleichzeitigen Verwaltungsgebäude der Continental-Gummiwerke an der Vahrenwalder Straße beobachten kann. Durch Mansarddach und Dachreiter, rustizierte Wandflächen, Bogenfenster und -blenden ist er jedenfalls als Teil des Gesamtensembles ausgewiesen, nimmt in der Addition seiner segmentbogigen Fensterverdachungen* eben jene Wellenbewegungen auf, die in Aulagiebel, Ochsenaugen und Turmhelm des Nordflügels und auch in den zwischenzeitlich beseitigten Fledermausgaupen* der Dachzone vorformuliert sind. An seiner Westfassade erscheinen vereinfachte römische Thermenfenster*, die in der Renaissance durch Palladio wieder Eingang in die Architektur gefunden hatten, bezeichnenderweise etwa in Hannover am Goseriedebad oder auch von Fritz Schumacher am Holthusenbad in Hamburg-Eppendorf (1913-14) verwendet worden sind, aber auch die Assoziation zeitgenössischer Verkehrsbauten wie die der Seitenhallen des Hamburger Hauptbahnhofes (1900-1906) hervorrufen können.

16. Bismarckschule. Aufriss Ostfassade, Bauzeichnung Planungsstand Mai 1909.

17. Bismarckschule. Aufriss Westfassade, Bauzeichnung Planungsstand März 1909.

Bauschmuck am Außenbau

Von den ehemals sechs Portalen der Schule haben sich mit den beiden stadtseitigen und dem rückwärtigen Hofportal drei historische Zugänge erhalten, die jedoch seit 1961 ausnahmslos ihrer ursprünglichen Eichenholztüren beraubt sind, an denen sich aber zusammen mit dem Erker des Direktorenzimmers das erhaltene Skulpturenprogramm des Schulgebäudes konzentriert. So öffnet sich das ehemalige Hauptportal an der Nordwand des Aulaflügels oberhalb einer oval ausschwingenden Freitreppe, nimmt im Schlussstein seiner Quaderrahmung das Stadtwappen auf und spannt zwischen die Spitzen der flankierenden, 6 m hohen Obelisken einen flach ausschwingenden Balkon. Während in der oberen Hälfte konisch zulaufende Obeliskenkerne und begleitende Eckwülste von flachen Spangen zusammengehalten sind, werden an den unteren Seitenflächen oberhalb einer kubischen Basis fiktive Stationen eines Schülerlebens in jeweils drei von links nach rechts zu lesenden, zu lesenden, lebensgroßen Reliefdarstellungen des Bildhauers August Waterbeck (1875-1947) dargestellt[26]. Dabei steht weniger die programmatische Ausrichtung der Schule als die Visualisierung von Grundwerten wie Vertrauen, Ernsthaftigkeit, Auf-geschlossenheit, Zu­neigung und Freundschaft im Vordergrund der Darstellungsabsicht.

Waterbeck kleidet seine in Körperhaltung, Gestik und intensivem Blickkontakt aufeinander bezogenen Figurenpaare in zeitlos-antikisierende Gewänder und lässt die athletisch, aber unaufdringlich durchgebildeten Körper in unterschiedlichen An-sichten und Drehungen erscheinen, wobei die Köpfe, ganz ägyptisch anmutend, ausnahmslos im Profil wiedergegeben sind.

18. Bismarckschule. Hauptportal mit Kollegium, um 1920

Neben dem Eindruck, dass sich an dieser symbolisch aufgeladenen Nahtstelle von Innen und Außen eine Bewegung in das Gebäude hinein und aus diesem wieder heraus vollzieht, scheint sich Waterbeck mit dem Problem der Simultandarstellung von Verharren und Bewegen im figürlichen Relief beschäftigt zu haben, wozu er axial gedrehte Körperpaare mit statischen Kopfhaltung zu einer frieshaften Abwicklung verbunden hat. Der Zeitgeist am Vorabend des Ersten Weltkrieges wird in den heroischen, z.T. auch pathetisch anmutenden Gesten deutlich, die, wenn man sich auf sie einlässt, in ihrer ernsten und durchaus humanistischen Grundhaltung tatsächlich für sich sprechen.

Dass einem am rechten Pylon dargestellten, sich von einem Mitschüler verabschiedenden Jüngling der Kopf fehlt, mag eine ganz banale Ursache haben, erscheint aber heute angesichts der zahllosen, nur wenige Jahre nach Fertigstellung der Schule im Ersten Weltkrieg gefallen jungen Männer wie ein Menetekel, das bisher den meisten Besuchern der Schule entgangen sein dürfte. Die als Metallobjekt im Oberlicht über der einst mit Metallbändern beschlagenen Flügeltür im Zentrum ihres Netzes lauernde Spinne ist mit dem Umbau der 60er Jahre verschwunden, gehörte aber zu dem volkstümlich geprägten Bildprogramm, das die anspruchsvolle Portalplastik von Waterbeck ergänzte. Auch dass den Gestaltern zu Beginn des 20. Jahrhunderts der (unfreiwillige) Humor nicht fehlte, zeigt dieses Getier, das doch als Sinnbild des geschäftig Tätigen, insofern als Vorbild des Schülers verstanden sein wollte, aber eher bedrohlich über dem Eingang hing und dessen Hinterleib sich zu guter Letzt auch noch beleuchten ließ, um den Eingang zu erhellen.

Mit deutlich reduziertem Aufwand, aber ähnlichem architektonischen Aufbau ist das Portal des Nordtraktes ausgeführt worden. An die Stelle der Obelisken sind hier leicht aufgewölbte Pilaster* getreten, die von genuteten Eckwülsten gefasst und mit Phantasiekapitellen versehen sind. Diese bestehen aus einem ährengerahmten, abstrahierten Bienenkorb oberhalb einer Jugendstilkartusche, der über der Deckplatte durch einen Blockaufsatz in der Gebälkzone komplettiert wird, der wiederum mit einem Fries stilisierter Blüten geschmückt ist. Die breite, durch pfeifenbesetzte Kanneluren* strukturierte Portallaibung bildet ein trichterförmiges Gewände* und wird in dieser Form im Inneren an den Treppenhausdurchgängen zur Aulavorhalle wiederholt. Das Oberlicht war ursprünglich vierfach vertikal geteilt und dem für Repräsentationszwecke real nutzbaren Balkon des Hauptportals entsprach hier ein heute verlorener Scheinbalkon (vgl. Abb. 18).

19. Bismarckschule. Hauptportal, rechter Obelisk. Detail des Bildprogramms von August Waterbeck (Aufnahme September 2003)

Kaum wahrgenommen, da abseits an der verschatteten Nordseite des Gebäudes gelegen, ist auf Höhe des Erd­geschosses der kleine Direktorenerker über geschwungenem Unterbau als Halbzylinder mit entsprechend halbierter Kuppel an die Fassade geheftet. Oberhalb eines Brüstungsbandes von 15 aufgereihten Eulen der Athena öffnen sich die wie am übrigen Gebäude hochrechteckigen Fenster, die in ihrem oberen Drittel hinter vorhangartig-durchbrochenem Maßwerk aus stilisierten Schlingpflanzen, Blütenknöpfen und applizierten Nieten verschwinden. Über dem Kranzgesims aus Kettenband und Eierstab* schließt die mit Kupferblech beschlagene Halbkuppel den Erker ab. Diese bewusst als exponiertes Schmuckstück ohne praktische Funktion entworfene Kleinarchitektur ist nicht nur wegen der hier angebrachten Bauinschrift, sondern besonders wegen der nur auf dieses Bauteil beschränkten Architekturpolychromie bemerkenswert. Denn wenn auch durch Abwitterung verblässt, so lassen sich doch unschwer dezent eingesetzte Gold-, Grünblau-, Ockergelb- und Rotakzente in Kombination mit der Natursteinfarbigkeit erkennen.

20. Bismarckschule. Nordostportal, Bienenkorb-Kapitel (Aufnahme April 2006).

21. Wilhelm-Raabe-Schule, Hannover. Treppenturm der Hauptfassade, Detail (Aufnahme April 2006).

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22. Bismarckschule. Farbig gefasster ,,Direktoren-Erker" mit Eulenfries, Bauinschrift und Vorhangmaßwerk (Aufnahme April 2006).

Während man den hinteren allseitig abgeschlossenen Schulhof von 5.000 m2 als Spielhof mit zwei Tennisplätzen (!) und einem Schulgarten an der Westseite durch einen nicht mehr vorhandenen steinernen Torbau betrat[27], dessen Sturz ein Relief mit Hase und Fuchs im Wettlauf schmückte, wird der vordere Hof nach wie vor von einer niedrigen Steinmauer begrenzt, die in zwei vollplastische Wächterhunde (Bulldogen) ausläuft. Inmitten dieses etwa halb so großen, von den Straßen frei zugänglichen und außerhalb der Schulzeit als öffentlicher Spielplatz vorgesehen Vorhofes[28] befand sich ein achteckiger Brunnen, dessen steinernes Becken mit großen Blüten, einem ornamentierten Randabschluss und einem Aufsatz in Form einer (drehbaren) Weltkugel versehen war. Vervollständigt wurde dieser Hof durch Baumbepflanzung und eine Sitznische, von deren Existenz heute nur die auflagenlosen Steinkonsolen zeugen.

Das Schülertugenden beschwörende Bildprogramm mit rühriger Spinne und fleißigen Bienen, denen reiche Ernte, symbolisiert durch Ährenbündel, gleichsam als Lohn der Anstrengung winkt, ist eindeutig vom Vorbild der 1908, also unmittelbar vor Baubeginn der Bismarckschule vollendeten Wilhelm-Raabe-Schule (Ruprecht/Wolff 1905­08) übernommen, aus dem dort bestehenden erzählerischen Kontext aber gelöst, verdichtet und um weiteres Getier ergänzt worden. Insgesamt scheint der dortige zylindrische Treppenturm am Aulaflügel mit Teilen seines Bildprogramms und dem Vorhangmaßwerk* jedenfalls nicht ohne Eindruck auf die städtischen Gremien und Bauherren der Bismarckschule geblieben zu sein, die zuvor auch die Raabe-Schule hatten errichten lassen. Lohnenswert ist es allein zu vergleichen, wie unterschiedlich etwa jeweils das Motiv von Biene, Bienenkorb und Ährenbündel eingesetzt ist. Neben Spinne, Bienen, Fruchtkörben – und mahnenden Schnecken – besaß das zerstörte Hauptportal der Raabe-Schule an seinen Pilasterfronten auch als Hochrelief gefasste Darstellungen von zwei Mädchen im Kindergartenalter als Sympathieträger[29], die in ihrer genrehaften Auffassung nur noch von den in zeitgenössisches Matrosenhemd und Kleid gesteckten Schülerbildnissen am Haupteingang der Ricarda-Huch-Schule am Bonifatiusplatz (Wolff/Rowald, 1907) übertroffen werden.

23. Wilhelm-Raabe-Schule, Hannover. Treppenturm der Hauptfassade (Aufnahme April 2006).

Hase, Fuchs und mausende Katze lassen sich als volkstümlich-verspielte Tierplastiken auch an der naturstein­verkleideten Straßenfassade des Verwaltungsgebäudes der Bahlsen-Keksfabrik in der Podbielskistraße beobachten und zeigen, dass diese Motivkomplexe nicht allein der Erheiterung der Jugend dienen sollten, sondern auch an anspruchsvollen Gewerbebauten Verwendung fanden.

24. Bismarckschule. Erker, Einfriedung und ehemalige Toranlage mit Hasenjagdrelief (Zeichnung 1909, Aufnahmen um 1963)

Ausstattung

Vom ursprünglichen Innenausbau der Bismarckschule hat sich aufgrund der Anforderungen der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit, als das Gebäude, welches von 1939-1949 als Lazarett genutzt und zu diesem Zweck im Inneren verändert wurde, sowie durch den Umstand, dass die ausgelagerte Ausstattung durch die Bombenangriffe vom September und Oktober 1943 zerstört wurde, nichts Nennenswertes erhalten. Ein Übriges taten die Umbaumaßnahmen der 50er und 60er Jahre, die wenig Verständnis für die Hinterlassenschaft des Wilhelminischen Zeitalters aufzubringen im Stande waren. Da sich die Aussagen des Architekten darauf beschränken, dass die innere Ausstattung einfach aber gediegen gehalten, die Ausschmückung mit Reliefs, Friesen und Bildern einheitlich mit dem Bau entworfen und die bis heute erhaltenen Sockelflächen der Eingänge und Pausenhallen mit .farbigen Fliesen belegt wurden, wird der Eindruck der Erstausstattung notgedrungen ein fragmentarischer bleiben.[30]

25. Studienrat Walter und sein Biologie-Praktikum am Brunnen des vorderen Schulhofes (Aufnahme um 1930?)

So ist man auf die ganz wenigen Schwarzweiß-Fotografien angewiesen, die zudem nur vereinzelte Räume aus eingeschränkten Perspektiven zeigen. Entlang der Klassenflure verliefen danach auf halber Wandhöhe horizontale Ornamentfriese und oberhalb der Klassentüren öffneten sich ovale Oberlichter mit klappbaren Scheiben, wie man sie auch auf der Abbildung der Aulavorhalle erkennen kann. Fünf Gipskonsolbüsten, nicht identifizierter griechischer Götter und Heroen, von denen 1948 noch vier vorhanden waren[31], schmückten vermutlich den Korridor des 2. Obergeschosses. Einen Eindruck von den ursprünglich überwiegend kassettierten, hölzernen Innentüren der Schule kann man an der Tür der Hausmeisterwohnung gewinnen, wobei sich weitere Originaltüren im Gebäude erhalten haben, deren Türblätter aber in der Umbauphase von 1961-1963 mit neuem Beschlag versehen und beidseitig mit Sperrholz belegt worden sind.[32]

26. Ricarda-Huch-Schule, Hannover, Hauptportal, Detail (Aufnahme April 2006).

27.Verwaltungsgebäude der Keksfabrik Bahlsen an der Podbielskistraße, Tierrelief 1911 (Aufnahme April 2006).

28.Bismarckschule. Klassenkorridor mit Konsolbüsten, 1911.

Aula und Aulavorhalle

Von den beiden erhaltenen Treppenhäusern mit ihren originalen, ursprünglich dunkel gehaltenen Geländern führt das südliche im 2. Obergeschoss in die Vorhalle der Aula. Bereits hier erwartete den Besucher eine prachtvolle Raumgestaltung, von der heute nichts mehr erhalten ist, obwohl die wandfeste Ausstattung Zweiten Weltkrieg und unmittelbare Nachkriegszeit schadlos überstanden haben dürfte. Allein Zwischentüren, Fußbodenplatten und Deckenstruktur entstammen heute noch der Erbauungszeit. Dagegen waren einst oberhalb einer gekachelten, brusthohen Sockelzone fünf Hochreliefs zwischen den Verbindungstüren zum Treppenhaus und zur Aula angebracht. Dargestellt waren Gruppen musizierender, tanzender und singender junger Mädchen und Knaben, zu deren Füßen sich ebenfalls musizierende Kinder niedergelassen hatten. Trotz der schlechten Bildqualität der beiden einzig erhaltenen Aufnahmen der Vorhalle konnten die Reliefs als offenbar originalgroße Teil-Abgüsse von den marmornen Brüstungsfeldern der Sängerkanzel des Florentiner Domes identifiziert werden, die sich heute im dortigen Dom-Museum befinden. Es handelte sich dabei um eines der beeindruckendsten Meisterwerke der florentinischen Renaissance, geschaffen von Luca della Robbia um 1438/1439. Die Hingabe an die Musik, aufgefasst in einer hellenistisch geprägten Verbindung aus Konzentration und unbeschwerter Heiterkeit, ruft auch heute noch ganz unmittelbar Freunde und Staunen hervor, gleichzeitig aber auch Unglauben angesichts der nur als barbarisch zu bezeichnenden Zerstörung dieser Relief-Abgüsse. An der Südwand der Vorhalle befand sich ein Trinkwasser-Wandbrunnen, wie er zum Standardprogramm zeitgenössischer Schulausstattungen gehörte, wovon sich Beispiele etwa in der Raabe-Schule in Lüneburg erhalten haben.[33] Oberhalb dieses Brunnens war ein weiteres Relief mit einer Quadriga in die Wand eingelassen, vielleicht eine Ergänzung zum Friesprogramm der Aula. An der Westwand setzte sich die Gliederung der Klassenkorridore mit verkröpftem Flechtbandfries und querovalen Oberlichtern fort. Zwischen den beiden Klassentüren dieser Wand hatte auf hohem Sockel in Bronze oder gefasstem Gips eine überlebensgroße Liegefigur eines (sterbenden) griechischen Kriegers Aufstellung gefunden — an die heute nur noch die ovale Bodenverfärbung am ehemaligen Standort erinnert. Vermutlich erfolgte die Vernichtung der ursprünglichen Raumgestalt der Aulavorhalle in purifizierender Anpassung an den 1954 durchgeführten Umbau der Aula, nachdem sich die Architektengemeinschaft Fiederling/Klare bereit erklärt hatte, auch für die Vorhalle Entwürfe vorzulegen.[34]

Mit dieser Vorhalle hatte man bereits eine variabel zu nutzende Raumfolge betreten, die sich um die zweigeschossige Aula als Hauptrepräsentationsraum der Schule gruppierte und sich je nach Bedarf um die angeschlossene Vorhalle, das Südseitenschiff der Aula und die beiden auf Emporenhöhe angelagerten Sing- und Zeichensäle erweitern ließ. Betrat man nun die Aula durch eine der drei Haupttüren, so befand man sich in 'einem knapp 11 m hohen und etwa 290 m2 großen Saalraum, dessen Längsausrichtung durch das kassettierte Tonnengewölbe, das begleitende niedrige Seitenschiff sowie das große Ostfenster betont wurde. Die Vertikalteilungen der vier großen Nordfenster wurden optisch als Querrippen der Tonne und auf der gegenüberliegenden Seite als Stützen zwischen den Emporenöffnungen weitergeführt um schließlich auf deren Pfeilern aufzulasten, so dass insbesondere die nackten Rippenteilstücke oberhalb der Pilaster- und Pfeilerkapitelle das Traggerüst bloßzulegen schienen, so wie dies lange zuvor bereits in den Eisenkonstruktionen von Ausstellungs- und Gewerbebauten praktiziert worden war. Tatsächlich handelte es sich jedoch weder um eine selbsttragende Tonne noch um eine entsprechende hölzerne Rippenkonstruktion, wie sie noch über dem großen Musiksaal besteht, sondern um eine bretterverschalte Holzrippentonne, die an einem im Dachraum erhaltenen Stahlfachwerk  aufgehängt war. Dabei waren die rund 75 x 75 cm messenden, am Rand mit bronzierten Ornamentleisten geschmückten Kassetten auf Schilfgeflecht geputzt, dessen schlechter Erhaltungszustand letztlich den Ausschlag für die Aufgabe der Tonne und der gesamten Aulaausstattung gab.

29. Luca della Robbia, Relief-Paneele aus der Sängerkanzel des Domes von Florenz, 1438/39. Abgüsse und Teilabgüsse ehemals in der Bismarckschule zwischen den Türöffnungen zur Aula (1: vermutlich, 2: sicher) und zum Treppenhaus der Aulavorhalle (3-5).

Wie die Südwand, so wurde auch die Westwand der Aula in der Höhe durch ein Emporengeschoss geteilt, wobei die Westempore im Gegensatz zu ihrer heute fast um 4 m ausladenden Nachfolgerin nur um gut einen Meter ausgekragt war. Die mit Messingbeschlag akzentuierte dunkle Holzpanelle, war in rechteckig kannelierte Vertikalsteifen aufgeteilt und gegliederte die gesamte untere Wandhälfte einschließlich der Pilaster zwischen den vier Nordfenstern und der gegenüberliegenden Seitenschiffspfeiler. Der Wandraum oberhalb der Westempore wurde durch zwei messingbeschlagene, korinthisierende Halbsäulen und ein breit ornamentiertes Horizontalband betont, unter dem sich die drei kassettierten Verbindungstüren zum Singsaal öffneten. Drei hier angebrachte Kartuschen dürften vermutlich für die Wappen von Stadt und Provinz Hannover als auch eine Bauinschrift vorgesehen gewesen sein. Als krönender Abschluss waren den Halbsäulen zwei Standfiguren aufgesetzt, die von einer zwölfteiligen, der Krümmung der Decken folgenden Spiegelverglasung begleitet wurden. Insbesondere durch die über den Saal gespannte kassettierte Längstonne, deren Emporenöffnungen zwischen Gewölbequerrippen und die den Raumeindruck prägende Jugendstilornamentik bestand eine deutliche Affinität zu der von dem 1909 an die TH Hannover berufenen Gustav Halmhuber 1910 entworfenen Gesamtanlage des großen, 1943 teilweise zerstörten Festsaales für das Neue Rathaus in Hannover. Wie weit hier die wechselseitige Beeinflussung ging, ist nicht bekannt.[35]

30. Bismarckschule. Vorhalle der Aula nach Westen mit Wandbrunnen, Florentinischen Reliefabgüssen, Ehrenmal (?), Oberlichtern und Wandfassung, um 1925.

31. Bismarckschule. Vorhalle der Aula nach Osten mit Florentinischen Reliefabgüssen, 1911.

Den Ausstattungshöhepunkt aber bildeten das farbige Glasfenster mit der Darstellung des ehemaligen Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck in doppelter Lebensgröße, ausgeführt von der Firma Hennig & Andrees in Hannover, und die auf Kämpferhöhe* des Gewölbes die Süd- und Westwand umlaufende Nachbildung des Alexanderfrieses von Bertel Thorvaldsen.

Ohne Scheu und für Jedermann nicht nur zu erkennen, sondern vielmehr ganz auf ein Wiedererkennen angelegt, setzte das Buntglasfenster der hannoverschen Aula das monumentalste der in einem wahren Bismarckrausch entstanden Denkmäler, das auf dem Elbhang oberhalb des Hamburger Hafens 1901-06 nach Entwurf von Emil Schaudt und Hugo Lederererrichtete Bismarckdenkmal, in Glasmalerei um.[36]

32. Bismarckschule. Dachraum über der Aula (Aufnahme Januar 2004)

Wie dort erschien Bismarck als in einer Ritterrüstung dargestellte Rolandsfigur, begleitet von zwei Adlern, das Schwert in den Boden gerammt. Als Zutat war in Hannover nur ein beschirmender Reichsadler hinzugekommen. War es in Hamburg die reine Größe der Figur von fast 15 m Höhe auf einem Unterbau von nochmals knapp 20 m, so bediente man sich in Hannover ganz unverblümt der christlichen Ikonographie, um Wirkung zu erzielen, indem Bismarck umstandslos im Ostfenster der Aula Platz und Funktion eines Ersatzheiligen annahm, hinter dem die Sonne aufging.

33. Bismarckschule. Aula nach Osten mit Bismarckfenster, Alexanderfries (Babylonier) und dem Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges im südliche Seitenschiff, um 1925.

So ist das erhöhte Podium im eigentlichen Sinne auch nicht Bühne, sondern ein Chor mit polygonal gebrochener Wand. Von hier erblickt man dann an der Westwand die Herrscherempore, so dass sich auch im Innenraum die bereits außen zitierte Palastkapelle wiederfindet. Eine ungemeine Aufwertung erhielt der Raum durch die verkleinerte Nachbildung des weitgerühmten Alexanderfrieses. Dieser, von dem dänischen, in Rom ansässigen Klassizisten Bertel Thorvaldsen (1770­1844) anlässlich der von Napoleon beabsichtigten zweiten Kaiserkrönung für den römischen Quirinalspalast 1812 zunächst als Gips hergestellte Fries ist im Original gut 1 m hoch und 35 m lang, wurde schon früh mit dem Parthenonfries der Akropolis verglichen, gilt als ein herausragendes Werk in der Entwicklung der Reliefkunst und ist in verschiedenen, auch verkleinerten Versionen erhalten.[37] Die hannoversche Nachbildung, etwa 60 cm hoch und 25 m lang[38], entwickelte die Einzelszenen, die den Einzug Alexanders des Großen in Babylon thematisieren, gemäß dem Original, wo Alexander mit seinem Gefolge von rechts kommend, den Babyloniern, die sich, angeführt von der Friedensgöttin, von links nähern, im Zentrum des Frieses auf einer Quadriga entgegenfährt. Dabei waren die Babylonier in Hannover auf die Südwand, die Hellenen auf die Emporenbrüstung der Westwand verteilt, so dass sie in der Südwestecke der Aula zusammentrafen, wobei einzelne Figurengruppen nach den Anforderungen des Raumes umgestellt worden waren.

34. Bismarckschule. Westwand der Aula mit Alexanderfries (Hellenen) und Durchblick in die Aulavorhalle. Oberhalb der Empore Standfiguren auf Halbsäulen und Spiegelverglasung, 1911.

35. Bismarckfenster nach dem Vorbild des Hamburger Bismarckdenkmals, um 1925.

Mit Sicherheit war die politische Botschaft des hannoverschen Frieses von der des römischen Vorbildes losgelöst zu betrachten, denn dort war es zunächst um die Projektion von Napoleons Einzug in Rom auf den Alexanders in Babylon gegangen. In Hannover wurde der Entstehungskontext mit dem Triumphzug des französischen Erzfeindes einfach übersprungen und der Fries einerseits als herausragendes Kunstprodukt mehr noch aber als Folie einer Kaiserverehrung instrumentalisiert, die die auch in Hannover konsensfähigen Großmachtansprüche des Reiches zum Ausdruck brachte, indem Wilhelm II. mit Alexander dem Große gleichgesetzt wurde. Was aber die Orientierung auf die preußische Dynastie in der ehemaligen Welfenhauptstadt bedeutete, war stellvertretend bereits im Bürgervorsteherkollegium in der Auseinandersetzung um die Namensgebung der Schule ausgefochten worden.[39]

Über die Tatsache, dass Alexander (Wilhelm II.) in Babylon (Hannover) zu Tode kam und den Umstand, dass Bismarck in der Hauptstadt des erst vor 40 Jahren annektierten Königreiches Hannover in Rolandsgestalt, also als traditioneller Verteidiger städtischer Freiheitsrechte erscheint, hat man sich offenbar keine ernsthaften Gedanken gemacht — oder doch? Vervollständigt wurde die Ausstattung der Aula durch weniger verfängliche Stücke wie Rednerpult und das notwendige Gestühl, zwei große, radförmige Kronleuchter, einen Flügel sowie die Kaiser-Büsten von Wilhelm I. und II. Eine elektrisch betriebene Orgel und drei Harz-, Dünen- und Heide-Landschaften des hannoverschen Kunstmalers Herrmanns konnten v.a. durch Stiftungen beschafft werden[40], so dass am Tage der Einweihung goldener Sonnenschein [...] seine Lichter in intimer Dämpfung durch die hohen Buntfenster der herrlichen Aula spielen [ließ] und [...] mit der vornehmen Farbengebung des Festraumes zu einer Stimmung [verschmolz], die der weihevollen Stunde auch in den Herzen der Festteilnehmer entsprach.[41]

36. Beitel Thorvaldsen, Alexanderfries, 1812. Kupferstich von Wilhelm Müller, Weimar. Die beiden oberen Zeilen der Reproduktion zeigen die sich von links nähernden Babylonier, während sich die Hellenen, von rechts kommend, auf die beiden unteren Zeilen verteilen. In der linken Hälfte der 3. Zeile befindet sich die Schlüsselszene, in der die Friedensgöttin Alexander entgegentritt.

Bauprogramm und Planungsgeschichte

Während für den Zeitraum vor 1951 keinerlei Bauakten überliefert sind, hat sich in der Plankammer des Hochbauamtes der Landeshauptstadt Hannover eine Vielzahl wertvoller, nicht katalogisierter Bauzeichnungen erhalten, mit deren Hilfe sich zumindest in groben Zügen der Planungsverlauf rekonstruieren lässt. Danach gingen den ab Mai 1909 angefertigten Ausführungszeichnungen Vorentwürfe voraus, die in den März des Jahres datieren. Die schon kurz darauf im Mai vollzogenen Planänderungen betrafen ausschließlich die Außenfassaden, führten v.a. zu kostensparenden Vereinfachungen an Wänden und Dächern[42], konzentrierten sich sonst auf Veränderungen der Hauptportale und der Zeichensaalfenster[43] und führten insgesamt zu einer tatsächlichen Verbesserung der nun gestrafften Außenerscheinung. Erst während der Bauzeit erhielt der Direktorenerker seine endgültige Form, wurde am Kranzgesims der Aula der Wellen durch einen Flechtbandfries ersetzt und am Hauptportal das Stadtwappen ergänzt.

37. Bismarckschule. Aula nach Osten während der Einweihung am 18.11.1911.

Entwurf und Bauleitung lagen in Händen des königlichen Bauamtes der Haupt- und Residenzstadt Hannover unter der Projektleitung von Johann de Jonge und Mitwirkung der städtischen Baumeister Genschel und Roese sowie der Architekten Lorey und Krumbach. Die Bauausführung war ausschließlich hannoverschen Unternehmen anvertraut.[44] Johann de Jonge, 1873 in Emden geboren und 1943 bei einem Fliegerangriff in Hannover ums Leben gekommen, studierte 1891-1895 in Berlin und München, wo er auch das 2. Staatsexamen ablegte. Er wirkte im Rahmen seiner Ausbildung u.a. mit am Bau des Landtagsgebäudes in Berlin und der Reichsbank in Köln. Vor seiner Anstellung in Hannover war er 1901 in Metz im Rahmen militärischer Baumaßnahmen und 1902-08 als Stadtbauinspektor für Baupolizei und Wohnungswesen in Elberfeld tätig. Seit 1909 war er zunächst Stadtbauinspektor, ab 1911 Magistratsbaurat im Stadtbauamt und von 1923-1938 Oberbaurat im Hochbauamt Hannover. Konnte er sich auch 1925 mit seiner Bewerbung um die Stelle des Stadtbaurates nicht gegen Karl Elkart durchsetzen, unterstanden ihm doch von 1909-1914 Entwurf und Ausführung aller Bauten der Stadt. Eine Ausnahmebildete nur die von Bonatz und Scholer entworfene Stadthalle, mit deren Bauleitung seit 1910 geschäftsführend allerdings wiederum de Jonge betraut war.[45] In Hannover hat de Jonge unmittelbar nach Fertigstellung der Bismarckschule mit der Oberrealschule am Clever Tor 1912/13 an der Andertenschen Wiese noch einen zweiten, völlig anders konzipierten, außen neoklassizistisch eingekleideten Schulbau errichtet. Bei diesem auch von der zeitgenössischen Warenhausarchitektur angeregten Bau, umschließt ein Rechteck aus zwei parallelgeführten Klassentrakten und zwei quergerichteten Kopfbauten mit Funktionsräumen eine innenliegende, gebäudehohe und von Wandelgängen umzogene Halle; die gleichzeitig der Raumerschließung, als Pausenhalle und Aula dient.[46] Die Planung beider Schulen hat de Jonge jeweils durch Studienreisen vorbereitet und für die Konzeption der Bismarckschule im März 1909 Anregungen in Berlin und Halle gesucht, während er vor dem Bau der Oberrealschule am Clever Tor Anfang 1911 zusammen mit Stadtschulrat Dr. Wesby Hallenschulen in London, Birmingham und Liverpool in Augenschein nahm.[47] Neben diesen beiden Schulgebäuden hat de Jonge in Hannover u.a. noch eine Schule mit Turnhalle in der List, die Fliegerkaserne auf der Vahrenvvalder Heide sowie einige Wohnhäuser nach eigenen Entwürfen verwirklicht und sich nach dem Ersten Weltkrieg v.a. bei der Beseitigung der Wohnungsnot als auch der Ausarbeitung eines Ortsstatus gegen die Verunstaltung des Stadtbildes verdient gemacht.[48] Anders als etwa in Lüneburg, wo für ihre Verdienste um den Neubau der dortigen Raabe-Schule nicht nur der Schulleiter, sonder auch der entwerfende Stadtbaumeister mit dem Roten Adlerorden 4. Klasse ausgezeichnet worden waren[49], ging hier der Magistratsbaumeister im Gegensatz zu den Mitgliedern der Schulleitung zunächst leer aus[50], wurde aber 1914 für die zügige Ausführung der Stadthalle nicht nur mit dem gleichen Orden, sondern auch mit einer Gratifikation von 3.000 Mark belohnt, was etwa einem Drittel seines Jahresgehaltes entsprach.

38. Hannover. Ehemalige Oberrealschule am Clever Tor (Johann de Jonge, 1912/13; Aufnahme April 2006)

Die Entwicklung der hannoverschen Schullandschaft vollzog sich nicht erst seit de Jonges Zeiten, sondern bereits seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts natürlich nicht isoliert. So bestand durch den Bevölkerungsanstieg nach 1870, bei gleichzeitiger Ausdifferenzierung der höheren Schulformen, überall im Land die Notwendigkeit, in kurzer Zeit zahlreiche Schulneubauten zu errichten. Zwischen 1880 und 1914 wurden allein in Hannover rund vierzig Bürgerschulen und neun höhere Schulen erbaut, und in Mittelstädten wie Lüneburg, Hildesheim, Wismar oder Stralsund ließen die Kommunen zwischen 1860 und 1913 fünf bis sechs Schulen überwiegend als neogotische Ziegelrohbauten in der Tradition der hannoverschen Architekturschule ausführen.[51] Zeigt sich die Bismarckschule hinsichtlich Raumprogramm und technischer Ausstattung auf der Höhe der Zeit[52], so weicht der L-förmige Grundriss doch von den in der Stadt überwiegenden Lineartypen, den in Schleswig-Holstein verbreiteten T- und E-Formen oder den Kernbauten mit rechtwinklig ausgreifenden Seitenflügeln ab.[53] Ausnahmen bilden hier die ebenfalls über L-förmigem Grundriss zeitgleich entwickelten, nachmaligen Wilhelm- Raabe-Schulen in Lüneburg (Stadtbaumeister Kampf, 1906­1908) und Hannover (Stadtbauinspektor Otto Ruprecht und Stadtbaurat Carl Wolff, 1905-1908), was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass jeweils neben der Höheren Töchterschule eine weitere eigenständige Schule und ein Lehrerinnenseminar unterzubringen waren.[54]

Für die Außengestaltung der Bismarckschule lässt sich weder ein Schulgebäude noch ein anderer Monumentalbau als konkretes Vorbild benennen, sieht man von den erörterten Einzelmotiven ab. Doch erscheinen in dieser Zweiflügelanlage mit dem Nordtrakt als Kopfbau oder wenn man so will – monumentalisiertem Pavillon – und profanem Kernstück der Anlage, dem sakralisierten Aulaflügel als Schlosskapelle und Gegenpol des Nordbaus, dem Klassentrakt als verbindendem Galerieflügel und der kleinen Turnhalle als Nebengebäude, dem weitläufigen rückwärtigen „Garten" und schließlich dem vorgelagertem Ehrenhof wesentliche Elemente europäischer Schlossarchitektur versammelt und durch überwiegend neobarocke Gestaltungsmittel zusammengehalten. Dabei konnte das Motiv der Schule als Schloss oder Palast ganz unterschiedlich ausfallen, wie die Beispiele der an brandenburgischer Backsteinarchitektur orientierten Lüneburger Raabe-Schule und der als Burg mit dominantem Wehrturm für das in einer Mischung aus Neogotik und Reformarchitektur erbaute Lyzeum in Stralsund (Hansa-Gymnasium, Regierungs-Baumeister Budewitz, 1911-1913) zeigen.[55] Daneben bieten die abwechslungsreichen und plastisch durchgebildeten Baumassen der Bismarckschule vielfältige weitere Assoziationsmöglichkeiten, die vom Warenhaus bis zur Kaserne reichen oder am Beispiel des Sternwartenturms als mittelalterlicher Bergfried, rein funktionaler Unterbau einer wissenschaftlichen Beobachtungsstation oder als Nationaldenkmal aus der Gruppe der Bismarcktürme[56] gesehen werden können. An der Nahtstelle zwischen Historismus, Jugendstil und Moderne angesiedelt, ist der Bau, ganz im Gegensatz zu den anderen vor dem Ersten Weltkrieg in Hannover erbauten Schulgebäuden nicht in eine Straßenflucht eingebunden, sondern schlossartig freistehend mit allseitig anschaubaren, mehrfach gestaffelten Baukörpern, wohl das architektonisch bedeutendste der erhaltenen historischen Schulhäuser in Hannover.[57] Stärker als am Außenbau, der sich allein durch die Bewegung in der Baumassenverteilung, die Vielfalt in Ansichten und Linienführung, aber nur vereinzelte Schmuckformen dem späten Jugendstil zuordnen lässt, ist es die Raumgruppe der Aula und ihrer Vorhalle gewesen, die etwas von dem Anspruch dieser Stilrichtung erahnen ließ, Gesamtkunstwerk zu sein.[58]

39. Lüneburg, Wilhelm-Raabe-Schule (Richard Kampf, 1906-1908, Aufnahme um 1910).

Setzten begrenzte finanzielle Mittelarchitektonischer Gestaltung und Ausstattung von Schulbauten im Allgemeinen auch enge Grenzen, so handelte es sich besonders bei den höheren Schulen doch um kommunale Repräsentationsbauten, wie dies heute übrigens auch wieder der Fall ist.[59] Für diese Bauwerke wurde denn auch ein ganz beträchtlicher Aufwand betrieben, der etwa im Falle der hannoverschen Raabe-Schule aufgrund der von 800.000 auf 900.000 Mark angestiegenen Baukosten Kritik und Spott der Zeitgenossen herausfordern konnte[60], obgleich auch schon die älteren Ziegelrohbauten der hannoverschen Architekturschule nicht an Prachtentfaltung gespart hatten.[61] Die Neubaukosten der Bismarckschule betrugen 690.000 Mark zuzüglich 180.000 Mark für Einfriedung, Hofbefestigung, Gartenanlagen und Straßenkosten, zu denen dann noch 100.000 Mark für die Beschaffung des Inventars hinzukamen[62], so dass diese Schule der kostspieligste Neubau einer hannoverschen höheren Schule seit 1850 war. Versucht man die publizierten Baukosten in Relation zu denen anderer Schulgebäude zu setzen, muss man zunächst Gebäudedimensionen und Ausstattungsaufwand, aber auch bedenken, dass die genannten Kosten z.T. nicht näher aufgeschlüsselt sind, sich also einem Vergleich entziehen. So hatte eine Anstalt wie die hannoversche Raabe-Schule über 40 Klassen, die Bismarckschule dagegen 24 Klassenräume, die Lutherschule von 1906 (Oberrealschule 2, Stadtbauinsp. Ruprecht, 426.747 M) 18 Klassen, die bereits 1900 fertiggestellte Sophienschule aber nur 11 Klassen (Stadtbauinsp. Rowald, 380.737 M).[63]

Die Ausführung der Volksschulbauten erfolgte erheblich schlichter, aber durchaus nicht anspruchslos. Und der Stellenwert der Bauaufgabe wird letztlich ein Jahr vor der Jahrhundertwende auch durch die Gründung der Fachzeitschrift Das Schulhaus [64] deutlich, in der zahlreiche Schulbauten publiziert wurden.

40. Landeskrankenanstalt Bismarckschule. Das bisher einzige bekannte Bild aus der Lazarettzeit. In einem Fenster der efeuberankten Obergeschosse eine Krankenschwester und ein Arzt (Aufnahme März 1949).

Die Schule als Reservelazarett und Krankenanstalt

Nachdem das Bauwerk der Schule die Schrecken und politischen Umwälzungen der Weltkriegs- und Zwischenkriegszeit i.W. unbeschadet überstanden hatte und außen inzwischen großflächig mit Efeu bewachsen war, kam es für den Schulbetrieb sofort mit Beginn des Zweiten Weltkrieges zu ganz einschneidenden Veränderungen, denn das Gebäude wurde nun zehn Jahre lang als Lazarett und Krankenhaus genutzt. Während zahlreiche Lehrer zum Kriegsdienst eingezogen wurden, waren die Bismarckschüler ab September 1939 im Gebäude der Tellkampfschule am Georgsplatz untergebracht, wo sie im Schichtwechsel mit den Tellkampfschülern unterrichtet wurden. Waren bereits seit 1941 Schüler nach außerhalb verschickt worden, evakuiert man die jüngeren Schüler der Klassen 1-4 ab Sommer 1943 ganz nach Clausthal-Zellerfeld, während man die restlichen Gymnasiasten nach der Zerstörung der Tellkampfschule in die Lutherschule umquartierte. Von dort mussten sie dann im November 1944 in die Raabe-Schule umziehen, wo sie bis zum Mai 1945 bleiben konnten.[65] Nachdem bereits im Ersten Weltkrieg mehr als 80 Schüler und 6 Lehrer gefallen waren, hatte die Schule im Zweiten Weltkrieg insgesamt 201 gefallene Lehrer und Schüler zu betrauern, darunter 13 Flakhelfer, die in der Batterie in Langenhagen ums Leben kamen.[66]

Die ersten konkreten Informationen über die Nutzung der Schule als Reservelazarett II (seit Februar 1940 rein chirurgisches Lazarett, ab März 1942 Reservelazarett IV) datieren dann aus dein Winter 1940, als der Chefarzt Dr. Rahnenführer aufgrund feuerpolizeilicher Unhaltbarkeit den Abtransport des Schulinventars, soweit es in der Aula gelagert war, in die Tennishalle in der Alten Döhrener Str. 22a initiiert und darauf verweist, dass anstelle der Lagerung von Getreide in den Turnhallen 36 bzw. 42 Lazarettbetten aufgestellt werden sollen.[67]

41. Hannover Aegidienmasch am Altenbekener Damm, Luftaufnahme um 1930. Rechts Hildesheimer und Alte Döhrener Straße, im Zentrum Bismarckschule inmitten von Gartenland, auf diese von Norden zulaufend der Rote Dammgraben. Deutlich erkennbar auch die beiden Tennisplätze auf dem Schulhof. Unterhalb des Altenbekener Dammes Gewerbeanlagen am Standort der ehemaligen Maschziegelei (vgl. Abb. 1).

Nur schlaglichtartig lässt sich dann erhellen, was sich in dieser Zeit in der Schule ereignet hat. So müssen die biologischen Fachräume und die Physiksammlung im 1. Stock im März 1942 umgehend für die kieferchirurgische Versorgung von 60 Schwerverletzten von der Ostfront geräumt werden, die innerhalb von zwei Tagen eingeliefert wurden. Ende 1945 ist das Lazarett durch die erschwerten Lebensbedingungen stark durch Ungeziefer belastet und noch im März 1946 wird davon ausgegangen, dass gesichtschirurgische und chirurgische Patienten noch einige Jahre im Gebäude verbleiben werden, da die Bismarckschule als einziges ehemaliges Lazarett im Regierungsbezirk Hannover erhalten ist.[68] Als das Reserve-Lazarett darauf 1947 in die Landeskrankenanstalt Bismarckschule umgewandelt worden war, befanden sich im Oktober in dem mit 375 Betten ausgestatteten Krankenhaus noch 316 Patienten, davon 184 Kieferverletzte und 132 chirurgische Fälle.[69] Nachdem OStD Kühnhold sich bereits im Oktober 1945 um die Rückgabe des Gebäudes an die Bismarckschule bemüht hatte, und sich nicht zuletzt die Elternvertreter von vier kooperierenden Schulen wegen der unhaltbaren Unterrichtsbedingungen – rund 3.500 Kinder wurden in 35 schlecht beschaffenen Räumen unterrichtet, während Unterrichtsräume der Schule als Wohnungen zweckentfremdet waren – in einer scharfen Protestnote im März 1949 an den Niedersächsischen Minister für Arbeit, Aufbau und Gesundheit gewandt hatten, wurde noch im April 1949 eine Vereinbarung zwischen verantwortlichem Ministerium, Landessozialamt sowie Vertretern der Schule und deren Elternrat über die Rückgabe von Teilen des Gebäudes mit acht Klassen abgeschlossen.[70] Am 18.11.1949, fast genau 38 Jahre nach ihre Einweihung, erfolgte dann zumindestens auf dem Papier die Rückgliederung der ganzen Schule. Heute kaum noch vorstellbar, war die Schule in der Kriegs- und Nachkriegszeit natürlich auch Wohnung, zunächst für das Personal des Krankenhauses, Ärzte, Krankenschwestern und -pfleger, deren Kantine im Milchkeller eingerichtet war.[71] Der Heizer Friedrich wohnte 1'940 z.B. in einem schmalen Kelleraum (alte Raumnr. R 20a), während dem Hausmeister seine Kellerwohnung und die vormalige Bibliothek im Erdgeschoss zustanden. Noch im April 1949 wurde der heutige Kopierraum vom Lazarett als Lageraum für Bettwäsche, Essgeschirr und als Schlafraum für den Verwalter dieser Gegenstände benutzt und im November desselben Jahres lebten noch 15 schulfremde Personen im Gebäude, darunter der Chefarzt Dr. Dr. Oetjen mit Frau, zwei Kindern und Dienstmädchen im Direktoren- und einem weiteren Zimmer, während der Ministerialrat Dr. Ernst mit Frau, ein Reg.-Oberinspektor, ein Musiker mit Frau, ein Schlosser, ein Krankenpfleger sowie ein Schuhmacher mit Frau und Kind abgeteilte Klassen- und kleine Kellerräume bewohnten.[72] Bis April 1950 wurde der Keller auch noch für Krankenhauszwecke genutzt und im Oktober 1950 befanden sich nach endgültiger Räumung des Krankenhauses in den Räumen der Schule noch Notwohnungen von vier Männern, gegen die nun Räumungstitel erwirkt werden sollten.

42. Bismarckschule. Luftaufnahme, Ende der 50er Jahre mit dem z.T. bereits ausgebauten Dachgeschoss des Klassentraktes, dem erweiterten Schulhof, aber noch ohne Pavillons. Einzelne Bombenkrater und die Barackenbebauung oberhalb der Schule verweisen auf die Nachwirkungen des Krieges. Und erst die beginnende Wohnbebauung im unmittelbaren Umfeld beendet die Lage der Schule auf freiem Feld.

Im Gebäude waren nach Übergabe an das Heer noch vor August 1940 Umbauten unter der Beteiligung von Maurern, Dachdeckern, Glasern usw. durchgeführt worden, bevor im Laufe des Jahres 1941 die Keller als Luftschutzräume mit Notoperationssaal eingerichtet wurden, das Dachwerk einen Feuerschutzanstrich und alle Fenster Verdunkelungsvorrichtungen erhielten. Physik- und Biologieräume wurden zu Operationssälen mit angeschlossener Apotheke umfunktioniert und im April 1942 veranlasste der Chefarzt wegen Überbelegung des Lazaretts, dass das Heeresbauamt im Bereich des heutigen Lehrerzimmers und der Chemieräume Zwischenwände zur Schaffung weitere Raumkapazitäten einziehen ließ.[73] Nachdem im September 1941 das Direktorenzimmer vorn Lazarett als Unterhaltungs- und Tagesraum beansprucht worden war, was der verbissen um sein Verbleiben in der Schule kämpfende Schulleiter Erich Kühnhold zunächst dadurch abwenden konnte, dass statt dessen Chemie- und Singsaal geräumt[74] und das dort lagernde Schulinventar in die Tennishalle in der Alten Döhrener Str. 22a abtransportiert wurde, musste er im Februar 1942 mit dem Verwaltungsapparat der Schule in drei Hinterzimmer des Wilhelm-Busch-Museums umziehen, das damals noch am Georgsplatz lag. Dort, wo in dem benachbarten Gebäude der Tellkampfschule auch der Flügel aus der Aula und 40 zweisitzige Schülerbänke untergekommen waren, wurde das betroffene Inventar bei dem Bombenangriff vom 08./09.10.1943 mit den beiden Gebäuden zerstört, wobei auch der gesamte Aktenbestand der Schule vernichtet worden ist.[75] In die vom Lazarett angemietete Tennishalle in der Alten Döhrener Str. 22a waren v.a. Mobiliar, darunter nicht weniger als 432 zweisitzige Bänke und das Holzgerüst der Schulbühne, 60 Bilderrahmen mit Drucken, zahlreiche Sportgeräte, die geologische Gesteins-und Mineraliensammlung, v.a. aber die gesamte Einrichtung der chemischen Sammlung in neun Kisten, darunter 260 Flaschen mit geschliffenen Stopfen, verfrachtet und bei dem Angriff vom 22.09.1943 vernichtet worden.[76] Der Hauptteil der Lehrmittelsammlung (Biologie, Musik, vermutlich auch Erdkunde, Musik und Kunst) gelangte im Frühjahr 1943 in den Zeichensaal der Bürgerschule (Volksschule) 1 in der Friedrichstraße lc, wo er am 08./09.10.1943, wie am gleichen Tag auch die Schülerbootshäuser am Maschsee, ein Raub der Flammen wurde.[77]

43. Bismarckschule. Aula nach Westen, Umbau nach Entwurf von Otto Fiederling (1954) in der Farbfassung der 70er Jahre (Aufnahme April 2006)

44. Aula nach Ost, Umbau nach Entwurf von Otto Fiederling (1954) in der Farbfassung der 70er Jahre (Aufnahme April 2006)

Das Aula-Gestühl war schon zu Beginn des Krieges mit 500 Stühlen zur Ausstattung von Wohnungen für Rüstungsarbeiterinnen nach Celle-Scheuen abgegeben worden. Zeichentische, -pulte und einige Tafeln hatte man an die Maschinenbauschule Hannover ausgeliehen, wo sie wie auch weiteres Inventar, das vom Lazarett IV in Baracken auf dem Schulhof verwahrt worden war, im Oktober 1943 durch Brand vernichtet worden ist. Dagegen überstanden 45 Bücherkisten ä 100 kg Gewicht aus der Bibliothek, die schon im April 1940 in die Bürgerschule 5 am Goetheplatz ausgelagert worden waren und 25 Kisten mit physikalischen Apparaten, die sich in einem Laden in der Böhmerstraße 11 befanden, die Bombenangriffe und wurden Anfang 1944 in ein Bergwerk bei Helmstedt gebracht.[78] Wenn auch nicht unbeschadet, so hat doch auch der Refraktor der Sternwarte den Krieg überstanden, nachdem er bereits im Frühjahr 1942 ausgebaut, abtransportiert und schließlich zusammen mit einigen anderen Instrumenten der Sternwarte im Keller des Neuen Rathauses eingelagert worden war.[79] Den Gesamtschaden, der durch die Vernichtung des Inventars bis zum April 1944 entstanden war, bezifferte der Schulleiter auf ca. 275.000 RM zuzüglich rund 5.800 RM für zerstörte Turngeräte.[80] Von den wenigen Ausstattungsstücken, die im Gebäude den Krieg überdauerten und die in Inventarlisten erscheinen, die im Zusammenhang der Rückgabe des Gebäudes an die Schule aufgesetzt wurden, nachdem die Übergabeverzeichnisse von 1939 verbrannt waren, ist außer der Orgel heute kein einziges Stück mehr vorhanden – nicht einer der 41 Schränke, noch der zweite Flügel, kein einziger der 38 Lederpolsterstühle, auch keines der 22 erhaltenen Tafelbilder und auch keine der bereits genannten vier Wandkonsolbüsten.[81]

45. Ehemalige Oberrealschule am Clever-Tor: Hauptportal

Im Gegensatz zum Inventar waren die durch den Luftkrieg 1943 verursachten Gebäudeschäden dagegen verhältnismäßig gering, denkt man an den hohen Zerstörungsgrad, den die Bombenangriffe im übrigen Stadtgebiet erreichten.[82] So war die Dachhaut des Klassentraktes stellenweise defekt auch gab es einen Brandschaden an der kleinen Turnhalle. Einen echten Verlust stellte dagegen die Zerstörung des Bismarckfensters und weiterer bleigefasster Buntglasfenster dar, hervorgerufen durch Splitter- und Luftdruckwirkung der ringsum einschlagenden Bomben, möglicherweise aber auch verursacht durch eine Blindgängersprengung nach dem Angriff am 08109.10.1943.[83] Das große Aulafenster wurde in der Folge zugemauert und nicht wieder hergestellt. Die Splitterwirkungen sind heute noch an den Ausbesserungsstellen am oberen Rande des ehemaligen Fensters zu erkennen.

46. Bismarckschule, Südtreppenturm. Zustand Mai 2006

Instandsetzungen der Nachkriegszeit

Nachdem die Bismarckschüler selbst während des Krieges die Gastfreundschaft verschiedener hannover­scher Gymnasien erfahren hatten, war es angesichts der katastrophalen Raumsituation der zerbombten Stadt eine Selbstverständlichkeit, dass die Tellkampfschule von 1950 bis 1956 Gast unserer Schule war[84] – mit der Folge, dass sich 1952 nicht weniger als 1.900 Schüler ein Gebäude teilten[85], in dem noch ein Jahr zuvor aufgrund der Bombenerschütterungen die Zwischendecken der Klassenräume einzustürzen drohten[86] und das wegen seiner peripheren Lage mehrfach zum Ziel von Materialplünderungen geworden war. Muten diese heute auch eher komisch an, denn gestohlen wurden nicht nur Zinkblech-Dachrinnen vorn Transformatorenhaus, Kupferseile aus Blitzableitern, sondern mehrfach auch Bleirohre von Toilettenspülkästen, so wird doch die Materialknappheit der Nachkriegszeit deutlich, die heute nur noch schwer vorstellbar ist.[87]

Hatte die Raumnot dazu geführt, dass der 2. Zeichensaal neben der Aula in einen 2. Musikraum und das Seitenschiff der Aula 1952/53 zu zwei Klassenräumen umgebaut worden waren[88], war es die im Februar 1952 formulierte Forderung des Bauordnungsamtes, die Aula so herzurichten, dass sie für öffentliche Veranstaltungen genutzt werden könnte[89], die letztlich zum völligen Umbau dieses Raumes führte. Mit den Planungen war der hannoversche Architekt und Hochschullehrer Prof. Dr.-Ing. Otto Fiederling betraut worden, der neben unserer Aula etwa zeitgleich auch die Aulen der Mittelschule am Lindener Berg und der Elisabeth-Granier-Schule umgestaltete.[90] Fiederling hatte in einer Stellungnahme für das Hochbauamt festgestellt, dass der Zustand der Aula schlechter als anfangs vermutet gewesen sei, da von den auf Rohrgeflecht geputzten Kassetten viele Stücke herunterzufallen drohten, eine stückweise Reparatur nicht zu vertreten sei und die Akustik des Raumes durch eine tiefer gelegte Decke verbessert werden müsse.[91] Dies würde zunächst für die dem Verfasser gegenüber von Friedrich Lindau, 1945-1951 wissenschaftlicher Assistent bei Fiederling, geäußerte Einschätzung sprechen, dass dieser keine Veränderung vorgenommen hätte, die nicht notwendig gewesen sei.[92] Bei der Umsetzung seiner Entwürfe, die bei einer zunächst veranschlagten und genehmigten Bausumme von 75.000 DM letztendlich fast das Doppelte an Mitteln benötigte, aber ließ Fiederling die hohe Kassettentonne abbrechen und durch eine in der Querrichtung nur noch leicht gekrümmte und um mehr als 2 m heruntergezogene Rabitzdecke* ersetzen, die an einer z.T. sichtbaren Tragkonstruktion aus Stahlrohrbindern der Mannesmann Röhrenwerke aufgehängt ist.[93] Die flachen, quer zur Längsrichtung geführten Wellen der Gipsdecke nehmen dabei auf die vier Nordfenster Bezug und schwingen an den Raumenden aus. Dies kann im Osten durch den heutigen Bühnenvorhang nicht wahrgenommen werden, der zudem einen geraden Raumabschluss suggeriert und so den ohnehin — durch die erheblich vorgezogene Bühne — verkleinerten Saal nochmals verkürzt. Während der in seiner abstrahierten Formensprache freundlich-unverbindliche, allenfalls über die identifizierbaren Masken, Musikinstrumente, Tiere und Gefäße irgendwie Arkadien und antikisierend-orpheussches Wohlgefallen assoziieren lassende, flache Stuckfries die völlig unpolitische Antwort auf den abgerissenen Alexanderfries versucht, geht die Seitenwandverkleidung mit den gequaderten, wenig organisch in den Gesamtentwurf eingefügten Akustikplatten und ehemals integrierter Puppenspielbühne auf eine Planänderung nach einem weiteren Akustikgutachten zurück.[94]

Die mit diesem Umbau erreichte völlige Änderung der Raumkonzeption und -wirkung beruht zum einen auf der restlosen Beseitigung der wandfesten Jugendstilausstattung zugunsten der Formensprache der 50er Jahre und zum anderen darauf, dass aus einem in der Längsrichtung betonten, auf ein geschwungenes Hauptfenster ausgerichteten und von erweiternden Seitenräumen begleiteten Saal nun ein quergerichteter, deutlich kleinerer und nurmehr einseitig belichteter Raum geworden ist. Die offenbar ohne Sicherung wenigstens exemplarischer Teile der Ausstattung und ohne jede Dokumentation von Schadensbild und Vorzustand durchgeführte Baumaßnahme ist jedoch, da irreversibel, aus heutiger Sicht als klarer Missgriff zu bewerten.[95] Sie wird erklärbar nur aufgrund der Zeitumstände und des Willens, der als gestrig und düster aufgefassten Formensprache des späten, mit dem Kaiserreich verbundenen Jugendstils einen eigenen – in der hierzu notwendigen Zerstörung des Bestehenden überaus selbstbewussten – Entwurf entgegenzusetzen. Dies bedeutet andererseits nicht, dass der Raum, so wie er von Fiederling komponiert wurde, keine Qualitäten hat, nur kann er einem Vergleich mit dem ursprünglichen Raumbild nicht standhalten. So strahlte die ursprüngliche fiederlingsche Raumkonzeption durch die beschwingte Deckenführung, die statt der früheren dunklen nun in einer Farbkombination aus Weiß, lichtem Creme und hellem Blau wesentlich leichter wirkende Raumfassung in Verbindung mit verspielten Wandfries, maritimem Bullaugendekor über den Verbindungstüren zum Musiksaal und noch heute attraktiven Leuchtkörpern eine freundliche Grundstimmung aus, die in die Nachkriegszeit als positives Aufbruchssignal wirkte und den Verlust des ursprünglichen Raumbildes gar nicht als solchen hat empfinden lassen. Unter der Überschrift Neues Leben in der Aula, Ein festlicher Tag für die Bismarckschule berichtete denn auch die Hannoversche Allgemeine am 28.06.1954, dass die Renovierung der Aula um so notwendiger [war], als sie zuletzt einen recht tristen und verfallenen Eindruck machte. Und: das ist die Aula jetzt geworden: ein Raum der intimer und persönlicher als der frühere anspricht, der ohne falsches Pathos ist und sich sowohl für Aufführungen und Konzerte wie auch für Vorträge und Aussprachen eignet. Zusammen mit dem nun ganz in Weiß gehalten Vorraum, dessen Neutralisierung nach dem Umbau der Aula nicht ausbleiben konnte und mit großer Sicherheit ebenfalls nach Entwurf Fiederlings verwirklicht wurde, schuf derselbe ein neues Raumensemble – auf Kosten  eines höherwertigen anderen.

Nach dem Umbau des Südseitenschiffes der Aula wird auch das dort 1922 aufgestellte, in Form eines Wandgrabes von Hans Dammann/Berlin für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Schüler und Lehrer geschaffene Ehrenmal abgebaut und schließlich in die Aula-Vorhalle umgesetzt worden sein, wo es den hier zuvor platzierten sterbenden Griechen ersetzte.[96] Im Verlauf des Jahres 1958 wurde dann durch die Kalkstein-Skulptur des „Entschwebenden" von Kurt Schwerdtfeger/Alfeld (1897-1966) als Gedenkstein für die Toten des Zweiten Weltkrieges ein ergänzender Gegenpol geschaffen, der sich in seiner abstrahierten Figurenauffassung auch schlüssiger in die Neukonzeption der Aulavorhalle einfügte.[97] Schwerdtfeger, der 1920-1924 als Schüler von ltten und Schlemmer am Bauhaus in Weimar studiert hatte, 1937 von den Nazis aus seinem Lehramt an der Werkkunstschule Stettin entlassen wurde, das er seit 1925 innehatte und seit 1946 als Professor für Kunstpädagogik an der PH Alfeld/Hildesheim lehrte, hat in freischaffender Tätigkeit zahlreiche Plastiken, in Hannover u.a. für den Landtag, das Oststadtkrankenhaus, das Gewerkschaftshaus am Klagesmarkt und verschiedene Schulen geschaffen.[98]

Vor der letzten größeren Umbauphase von 1958-1964 wurden 1953 noch der Milchausgaberaum im Keller und 1957 der Sportplatz dort neu eingerichtet, wo sich im Anschluss an den hinteren Schulhof bis dato verpachtete Kleingärten und in der Nordwestecke ein Lagerplatz des städtischen Tiefbauamtes befunden hatten.[99] Die Planung für die Errichtung eines freistehenden, zweigeschossigen Ergänzungsgebäudes für den Kunst- und Werkunterricht aber, vorgesehen zum Bau auf einer Grundfläche von 21 x 17,30 m in Achse und Breite der kleinen Turnhalle, wurde aus Kostengründen nicht realisiert.[100]

Umbauten und Ergänzungen 1958 - 1964 und 1975

Die seit 1958 durchgeführten Veränderungen am Gebäude dienten ausschließlich der Anpassung der Räumlichkeiten sowie der baulichen und technischen Einrichtungen an die Bedürfnisse der Nutzer und die Erfordernisse der Zeit. Baukünstlerisch sind diese Maßnahmen nur insoweit von Belang, als weitere wertvolle Bausubstanz verloren ging. Zunächst hat man von September 1958 bis Januar 1960 in zwei Bauabschnitten die Nebenräume der Turnhallen abgebrochen, durch Neubauten ersetzt und gleichzeitig die Treppenanlage der südlichen Eingangshalle verändert und um einen Windfang ergänzt.[101] Im Mai 1961 begannen dann die Umbauten im Hauptgebäude, die sich bei vollem Schulbetrieb in Etappen über 3½ Jahre bis Anfang Dezember 1964 erstreckten und i.W. zu der Raumnutzungsstruktur führten, die sich bis heute erhalten hat. Unter den i.E. hier nicht interessierenden Veränderungen war allerdings die Zusammenfassung der Lehrerzimmer am heutigen Ort von Bedeutung, was zur Folge hatte, dass sich die Biologie in der Nachbarschaft der Chemie wiederfand, um sich später auf das 2. Obergeschoss des Klassentraktes auszudehnen. Im gleichen Jahr wurden die bis zu diesem Zeitpunkt erhaltenen historischen Holztüren durch die bestehenden Außentüren und Windfänge aus Stahlprofilen mit Securitverglasung ersetzt. Einen Eindruck von der Bedeutung einer vergleichbaren historischen Tür für die Wirkung eines Eingangsbereiches kann man heute noch an dem zweiten von de Jonge errichteten Schulgebäude an der Andertschen Wiese, der heutigen Berufsbildenden Schule 11, erhalten.

Gleichzeitig errichtete man dann südlich des Hauptgebäudes auf Vorschlag von Stadtschulrat Oppermann drei Flachdachbaracken, nachdem man nochmals jetzt nurmehr eingeschossige Anbauten für sämtliche Kunsträume oder sieben Klassenräume verworfen und beschlossen hatte, Kunst- und Werkräume sowie die Abteilung Erdkunde unter dem Dach des Klassentraktes zusammenzufassen (ausgeführt 1962).[102] Diese euphemistisch verbrämt Pavillons genannten, vermeintlichen Interimslösungen, mit denen man nicht nur in Hannover, sondern allenthalben der Raumnot begegnen wollte, wurden in diesem Fall von der niederländischen Firma de Groot's Houtbouw N.V. geliefert, die die Aufstellung der vorgefertigten Baracken im September 1961 abschloss, so dass dort Anfang 1962 sechs Klassen einziehen konnten.[103] Im gleichen Frühjahr wurden am Hauptgebäude alle Fenster der Westseite und am gesamten Nordbau durch Fenster mit sprossenloser Isolierverglasung ersetzt. Energetisch sinnvoll führte diese Maßnahme doch zu einem deutlichem Verlust an Bauqualität, wie ein Vergleich der heutigen Westfassade mit Fotografien aus der Zeit vor dem Umbau belegt.

Anfang 1963 wurde der Umbau des Milchkellers und der Hausmeisterwohnung fertig, die seither nur noch im Erdgeschoss unter Hinzunahme der ehemaligen Bibliothek lag. Die im Keller des Nordbaus dadurch gewonnene zweite Wohnung (heute Oberstufenverwaltung) wird bis heute als Heizerwohnung bezeichnet, vermutlich weil der Heizer, den die Schule seit Anbeginn für den Kohlenbetrieb der zentralen Niederdruckdampfheizung benötigte, zuvor auch im Keller gewohnt hatte. Denn nachdem die Bismarckschule bereits seit Oktober 1962 an die zentrale Heizanlage in der Tellkampfschule angeschlossen war, gab es für die Bismarckschule keine Notwendigkeit mehr einen Heizer zu beschäftigen, zumal ein Jahr darauf in dem ehemaligen Heizkesselraum der Einbau des von den Optischen Werken Jena gelieferten Kleinplanetariums abgeschlossen werden konnte. Im Verlauf des Jahres1963 hat man dann auch die Parkplatz- und Freiflächen neu angelegt und befestigt, die Einfriedungsmauer umgebaut und die Schulhofflächen erneuert. Dabei wurde sowohl der inmitten des vorderen Schulhofes angeordnete Laufbrunnen (wegen defekter Zuleitungen)[104] wie auch der mit der Fuchs-und-Hasen-Jagd geschmückte Architrav des nördlichen Schulhoftores (vermutlich wegen Behinderung der Baustellenzufahrt) aufgegeben. Im Dezember 1964 schließlich wurde mit der Fertigstellung der Malerarbeiten auch der Umbau abgeschlossen, für den seit 1958 1,65 Millionen DM aufgewendet worden waren. Das damals realisierte, heute noch bestehende, tatsächlich nur durch Abstumpfung zu ertragende, immerhin aber konsequent durchgehaltene Farbkonzept von Türen, Geländern usw. (dunkelbraun-englischrot-indischgelb) wird nur noch durch die unsägliche Lila-Fassung der Aula übertroffen, zu der es die hübsche Anekdote gibt, dass diese Farbe von der Mutter (der Mutter?) der ersten Bismackschülerin ausgesucht worden sei. Dann müsste dieser Schrecken nach dem 01. August 1973 entstanden sein, denn erst zu diesem Zeitpunkt wurde die Koedukation an der Bismarckschule eingeführt. Die weniger kuriose Variante besagt, dass sich Schulleiter Bauermeister im Verein mit einer Kollegin diese Farbgebung hat einfallen lassen. Wenig später hat die Schule dann noch eine ausgemusterte 6-Klassen-Baracke der IGS Linden geerbt, die seit dem Sommer 1975 das Schulgelände bereichert.[105] Wann indessen das Gebäude mit den braun engobierten S-Pfannen (anstelle der zuvor verwendeten Hohldachsteine: vgl. Abb. 40) eingedeckt und wann der Efeubewuchs entfernt wurde, der von den 20er bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts die Außenerscheinung wesentlich mitprägte, ließ sich nicht feststellen.

Denkmaleigenschaft und Zukunftswert

Als Einzelbaudenkmal im Sinne von § 3 (2) Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes ausgewiesen, stellt die Bismarckschule ein Beispiel herausragender Architektur mit Zeugniswert für Gestaltungsprinzipien und Originalität des späten Jugendstils und die Geschichte des Schulbaus dar. Sie ist ein vielschichtiger, abwechslungsreicher Repräsentationsbau, der gleichzeitig die breit gefächerten Möglichkeiten des entwerfenden Architekten belegt. Der Denkmalwert ist also begründet durch die geschichtliche, künstlerische und städtebauliche Bedeutung der Schule, wozu die überwiegend erhaltene Originalsubstanz samt Treppenhäusern, Einfriedung und den nur selten in dieser Anzahl bewahrten kleinteiligen Sprossenfenstern der Erbauungszeit, aber auch die eigenständige Raumqualität der Aula der 50er Jahre beitragen.[106] Diese Denkmaleigenschaft besteht trotz der Verluste an Ausstattung, architektonischer Substanz[107] und der durch Modernisierungsschübe z.T. entstellenden Innenraumgestaltung. Durch jüngste Instandsetzung der Westfassade hat das Gebäude allerdings bereits viel von seiner durch die hellen Baustoffe erzielten, einst freundlichen Wirkung zurückgewonnen, so dass man der vorgesehenen Instandsetzung der Ostseite mit Zuversicht entgegensehen kann. Begründete Hoffnungen sind auch mit dem Ergänzungsbau verbunden, der als zweigeschossiger Riegel in gleicher Breite, aber mit einigem Abstand südlich mit dem Aulaflügel verbunden werden soll — so in gewisser Weise Neubaupläne wieder aufnimmt, die es bereits vor einem halben Jahrhundert gegeben hat und endlich die in zwei Phasen zu beseitigenden Baracken ersetzen soll.

Haben Hundertjährige einen Wunsch frei? Haben sie. Auch nicht einen, sondern mehrere. 1. Da deutlich geworden sein dürfte, dass sich die alte Gestalt der Aula und ihrer Vorhalle allein aus Kostengründen nicht rekonstruieren lässt, sollte die Raumfolge zumindest einfarbliche Neufassung im Sinne des Umbaus von 1954 erhalten. Auch sollten vor Ort Fotos den ursprünglichen Zustand wenigstens vorstellbar machen. 2. Es ist zu prüfen, ob sich das Ostfenster der Aula wiederherstellen lässt, nicht als Buntglasfenster, sondern als Lichtquelle, die ja nur der Not geopfert wurde, und dem Raum viel von seiner alten Würde zurückgeben könnte. In diesem Kontext sollte auch die Aufhängung des Theatervorhangs verändert werden. 3. Dort, wo in der Vorhalle der Aula ursprünglich Abgüsse der Florentiner Sängerkanzel angebracht waren, könnten originalgroße fotografische Reproduktionen einen Abglanz der einstigen Raumwirkung hervorzaubern. 4. Die Sprossenfenster der Klassenkorridore sind in einem so jämmerlichen Zustand, dass sie dringend instand gesetzt werden müssen, bevor sie völlig verfallen. Eine Initialzündung könnte die exemplarische Restaurierung nur einer Fensterachse (Sprossenfenster, Kassettentürblatt, ornamentaler Wandfries) auslösen, so dass man, durchaus mit Hilfe von Spenden, Stück für Stück auch im Inneren etwas von der ursprünglichen Ausstattung zurückgewönne. 5. Die ganz wenigen älteren Ausstattungsteile müssen katalogisiert und erhalten werden. 6. Grundsätzlich zu überprüfen ist dagegen das Wandbildprogramm der 70er Jahre. Nicht ohne Qualität und durchaus durchdacht in Bezug auf die damalige Raumnutzung sollte es in Teilen erhalten werden, ist an einzelnen Stellen aber aufgrund seiner dominanten Farbigkeit nicht nur verzichtbar, sondern störend. Wenn das Ehrenmal für die gefallenen Schüler und Lehrer des Ersten Weltkriegs nicht nur ein lästiges Anhängsel, sondern mahnende Erinnerung und künstlerisches Zeugnis einer gesellschaftlichen Trauerkultur sein soll, dann ist es von der umgebenden Wandmalerei zu befreien. Ganz unabhängig von diesen Vorschlägen muss ein allgemein zugängliches digitales Schrift- und Fotoarchiv angelegt, gepflegt und fortgeschrieben werden, damit der nächste Chronist nicht wie so häufig feststellen muss, dass gerade die jüngsten Ereignisse am schlechtesten dokumentiert sind (vorbereitende Arbeiten sind von Schülern und Kollegen bereits in die Wege geleitet worden).

Schule wird ohne jeden Zweifel entscheidend durch die sie gestaltenden Menschen geprägt, nicht zuletzt aber auch durch die Architektur des Gebäudes, in dem Schüler und Lehrkräfte einen nicht unbedeutenden Teil ihrer Lebenszeit verbringen, den sie also kennen, schätzen und schützen sollten.

An dieser Stelle sei deshalb der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ausdrücklich gedankt, die ein Projekt maßgeblich förderte, in dem sich Bismarckschüler der Klassen 9, 10 und 11 unter der Leitung des Verfassers im Kunstunterricht der Schuljahre 2003 und 2004 mit zahlreichen der hier angeschnittenen Fragen erstmals auseinandersetzen, und ihre Zwischenergebnisse auf bundesweiten Tagungen in Bad Honnef/Bonn und Potsdam vorstellen konnten. Dipl.­Ing. Stephanie Jendrny, Hans-Jürgen Feuerhake und Dipl.­Ing. Friedrich Lindau, Dipl.-Ing. Wilhelm Lucka, Dipl.-Ing. Wolfgang Mittlmeier (beide Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege), Dipl.-Ing. Renziehausen und Ralf Krull (Hochbauamt der Landeshauptstadt Hannover), Dipl.-Bibl. Detlef Kasten (Stadtbibliothek Hannover), Werner Heine M.A. (Stadtarchiv Hannover), Dr. Wolf-Dieter Mechler (Historisches Museum Hannover) sowie Bettina Weiland (Thorvaldsen Museum Kopenhagen) gaben Auskunft oder halfen bei der Beschaffung von Informationen.

Ihnen ist der Verfasser zu herzlichem Dank verpflichtet.

Glossar

Aufriss, verzerrungsfreie, plane Darstellung einer Wand, meist im Maßstab verkleinert.

Aufrisssystem, Systematik, die der Gliederung der Fassaden zugrunde liegt.

Eckrisalit, aus der Frontlinie/Bauflucht eines Gebäudes hervortretendes Bauteil, hier an der Ecke liegend.

Eierstab, Zierleiste der röm. Antike aus wechselnd eiförmigen und pfeilspitzartigen Gebilden, oben und unten von Perlschnüren begleitet.

Fensterblenden, blinde, fensterartige oder -gleiche Gliederungen, ohne die Funktion einer Fensteröffnung.

Fensterverdachungen, oberer, dachartiger, giebel- oder bogenförmiger Abschluss einer Lichtöffnung.

Feston, Blumen-/Fruchtgehänge, ursprünglich natürlicher Schmuck antiker Altäre, schon in der Antike in steinernes Ornament umgebildet.

Fledermausgaupen, senkrecht stehende Fensteröffnung unter geschwungenem, allmählich angehobenem Dach.

Gewände, schräg geführte, auch gegliederte Innenfläche einer Maueröffnung (Fenster, Portal).

Kanneluren, pfeifenbesetzte, senkrechte, konkave Rillen am Schaft von Säulen klassischer Ordnung; in der Spätantike am unteren Schaft z.T. mit Pfeifen (Rundstäben) ausgefüllt.

Kämpfer, Anfangspunkt eines Bogens.

Kranzgesims/Traufgesims, oberes Abschlussgesims eines Gebäudes unterhalb der Traufe.

Lisenen, flach hervortretende vertikale Gliederungsstrukturen einer Wand ohne Basis und Kapitell.

Mansardendach, Dach mit im Querschnitt gebrochener Dachfläche, um den unteren Teil eines Daches für Wohnzwecke nutzbar zu machen, benannt nach dem franz. Architekten Francois Mansart.

Mansardenzeltdach, pyramidenförmig gebildetes Mansardendach.

Maßwerk, geometrisch konstruierte, meist steinerne, durchbrochene Fenstergliederung der Gotik.

Maßwerkcouronnement, meist gestalterisch besonders betonter Teil des Maßwerks im Fensterschluss.

Pilaster, flach hervortretende vertikale Gliederungsstrukturen einer Wand mit Basis und Kapitell.

Rabitzdecke, drahtarmierte Gipsdecke.

Risalit, aus der Frontlinie/Bauflucht eines Gebäudes hervortretendes Bauteil.

Rustikaverblendung, (kostensenkende) Verkleidung einer (Backstein-) Wand mit einer grob behauenen Quaderstruktur aus Natur- oder Kunststein.

Scharwachthäuschen, kleiner, erkerartiger Turmaufsatz auf einem Wehrturm.

Segmentbogen, Flachbogen, dessen Kontur von einem Kreissegment bestimmt ist.

Thermenfenster, für römische Thermen (Badeanlagen) typische Fensterform, gebildet aus einem Halbkreisbogen, in den zwei Stabteilungen eingestellt sind.

Vorhangmaßwerk, Maßwerk, das vorhangartig vor einem Fenster angebracht ist.

Walmdach, im Querschnitt dreieckige Dachform (Satteldach), deren Giebelseiten nach innen geneigt sind.

welsche Haube, Turmhaube mit geschweifter Dachkontur (welsch: französisch/italienisch).

Archivalien

  • Archiv der Bismarckschule

  • Stadtarchiv Hannover, Bestand Hauptregistratur: HR 16, Nr. 710, Nr. 1932; HR 39 Nr. 92 und Personalakte Nr. 6966: Oberbaurat de Jonge

  • HBH-BS: Hochbauamt der Landeshauptstadt Hannover. Plankammer und Aktenbestand Bismarckschule.

  • Historisches Museum Hannover (Fotoarchiv)

  • Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege (Fotoarchiv)

Literatur

BAUERMEISTER, Ulrich (Hg.), Jahrbuch zum Jubiläum 1981 der Bismarckschule Hannover

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Bildnachweis

ARCHIV DER BISMARCKSCIIULE: 18, 25, ILLUSTRIERTE RUNDSCHAU NR. 7/1911: 2, 3, 28, 31, 34. LEPORELLO (VERLAG CARL THIES NACHFOLGER, HANNOVER): 7-10, 30, 33, 35, 37. HISTORISCHES MUSEUM HANNOVER: 40-42. HOCHBAUAMT DER LANDSHAUPTSTADI HANNOVER, PLANKAMMER: 5, 6, 13, 16, 17, 24. NIEDERSÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR DENKMALPFLEGE, FOTOARCHIV: 1 I, 12. GOHI SIEGFRIED, DER ALEXANDERFR1ES. IN: BERTEL TFIORVALDSEN, UNTERSUCHUNGEN ZU SEINEM WERK UND ZUR KUNST SEINER ZEIT. KATALOG KUNSTHALLE KÖLN 1977, 80F: 36. BERTELA o.J.: 29. VERFASSER: 1, 4, 14, 15, 19-23, 26, 27, 32, 38, 39, 43-46.

Anmerkungen

[1]              Zu den unterschiedlichen Organisationsmodellen und zur Entwicklung des höheren Schulwesens in Hannover vom 19. Jahrhundert bis nach dem 2. Weltkrieg vgl. insb. den instruktiven Aufsatz von Sauer 1989 sowie die Übersicht von Dortmund/ Vogt/Johannsen 1991, 58-117.

[2]              Führer durch das Unterrichtswesen ... 1906, 35f und 138. Kokkelink 1998, 40f mit Abb. 51. Vgl. auch Grieser 1981
und die Abbildung des Gebäudes in Bauermeister 1981, 21. Das Schulgebäude in der Meterstr. 47 existiert nicht mehr, auch haben sich nach Jendrny 1995 keine Planunterlagen erhalten.

[3]              de Jonge 1911, 137.

[4]              Heute umfasst das Schulgrundstück ca. 18.100 m2, davon bebaute und Grünfläche 6.900 m2, Schulhoffläche 4.000 m2, befestigte Sportfläche 4.900 m2, Zugänge und Parkplätze 2.300 m2, umbauter Raum 1968 insgesamt: 43.047,70 m3 (nach HBH-BS, Umbau 1958-64, Abschlussbericht vorn 05.07.1968.)

[5]              Zu den Straßenbezeichnungen vgl. Zimmermann 1992, 12, 24, 43, 176, 212.

[6]              Kruse 2001, 282.

[7]              Vgl. de Jonge 1911, 140 sowie die bei Röhrbein 1986 abgebildeten Planunterlagen und Luftaufnahmen der
Jahrel889/90, 1932, 1933, 1938, 1945 und 1950 (ebd., 23, 36, 42, 77, 86, 91). 1955 bestanden offenbar konkrete Pläne des Stadtplanungsamtes, Teile des Schulgrundstückes (gegen den Altenbekener Damm) zur Errichtung von Reihenhäusern zu verkaufen, wogegen Schulleiter Kolde in einem Schreiben an das Schulamt vom 21.11.1955 protestiert. Spätere, ebenfalls nicht realisierte Bauvorhaben sind hier unberücksichtigt geblieben. Zur baulichen Entwicklung im Bereich des Maschsees vgl. Gerhäuser 1967, hier insb. 176

[8]              Aus dem Kartenmaterial von Siedentopf [1930] lässt sich ersehen, dass nur die Alte Döhrener Straße bis unmittelbar
südlich der späteren Siemensstraße bereits 1850 bebaut war und weiter westlich in der Umgebung der Bismarckschule bis 1930 [und in die 50er Jahre] keinerlei Hochbautätigkeit zu verzeichnen war.9       

[9]              Vgl. De Jonge 1911, 140.

[10]            Ebd. - Im Abschlussbericht des Hochbauamtes für die 1958-64 ausgeführten Umbauten vom 05.07.1968 ist der
Baugrund beschrieben: Unter einer mit Bauschutt durchsetzten Aufschüttung in 2-3 m Tiefe Fein- und Mittelsande, in wechselnder Tiefe von 3-4 m eine Moor- und Schlickschicht von 15-20 cm, darunter Mittelsande und Feinkies (Hochbauamt Hannover, Bauakten Bismarckschule).

[11]            Ebd., 137 und Kolde 1966, 7.

[12]            Koch 1989, 31f und Günnewig 2003, 32f.

[13]            Dort sollte durch die Verwendung von Basaltzementpflaster die Geräuschentwicklung der angrenzenden Fahrstraßen und die im Gebäude mittels einer besonderen Verarbeitung der Bodenträger gemindert werden. Vgl. Rümelin 2004, 57f.

[14]            Nach den Grundrissen von 1909 waren untergebracht im Erdgeschoss: 3 Vorklassen, die Sexta (2x), Ober- und
Untersekunda (je lx); im 1. OG: 3 Vorklassen, Ober- und Untersekunda (je lx), Quinta (2x); im 2. OG: Ober- und Untertertia (je 2x), Quarta (2x), Unter-Prima; im Dachgeschoss: Unterprima und Oberprima (2x).

[15]            Koch 1989, 38.

[16]            De Jonge 1911, 138.

[17]            Vgl. den Beitrag zum Fernrohr der Bismarckschule von Dr. Schlömer in diesem Heft.

[18]            De Jonge 1911, 138.

[19]            Zu diesen technischen Aspekten vgl. Koch 1989, 32-34 und 36f.

[20]            De Jonge 1911, 138. Im Herbst 1909 unternahm de Jonge eine Orientierungsreise in die Tuffsteinbrüche des
Brohletales um zu prüfen, ob auch die oberen Bauteile der Schule zweckmäßig in Tuffstein zu bauen wären (Stadtarchiv Hannover, Personalakte Nr. 6966/de Jonge, genehmigter Dienstreiseantrag vom 27.08.09.

[21]            Berlin: Warenhaus Tietz am Alexanderplatz (1905 eröffnet), KaDeWe (1907), Union-Kaufhaus, Brunnenstraße;
Hamburg: Klöpperhaus, Mönckebergstraße (Fritz Höger, 1912-13; heute Kaufhof-Warenhaus); Hannover: Bahlsen­Verwaltungsgebäude, Podbielskistraße 11 (Gebr. Siebrecht, 1911), Straßenfassade des Tiedt-Hofes an der Goseriede (Rudolf Schröder, 1909-10), Geschäftshaus Georgstr. 12 (um 1910), Verwaltungs- und Produktionsgebäude der Continental-Gummiwerke (Vahrenwalder Str. 7, Peter Behrens, 1912), ehem. Herrenkonfektionshaus Elsbach und Frank an der Ecke Gr. Packhofstr./Osterstr. (Rudolf Friedrich, um 1913, heute: Zara).

[22]            Dabei ging es um die zentrale Halle der Oberrealschule am Clever Tor, vgl. Behrens/Schönfelder 1987, 67.

[23]            Sigmund Seligmann (1853-1925) war Direktor der Continentalwerke. Die vornehme Villa, in deren Inneren sich nur
die wandfeste Jugendstilausstattung in einem durch die Nutzung als städtische Jugendmusikschule heruntergekommen Zustand erhalten hat, bietet sich auch aufgrund ihrer Baukörpergruppierung und Natursteinverblendung, der barocken Formensprache von Fassaden und Bauschmuck - und auch aufgrund der annähernd identischen Baukosten von rund einer Millionen Goldmark - als Vergleichsobjekt zur Bismarckschule an. Zu Seligmann und seiner Villa vgl. HAZ vom 30.09.99, 18: [dl], Einmal war der Hochadel zu Gast.

[24]            De Jonge 1911, 140.

[25]            Vgl. die zahlreichen Betonungen der Gebäudeecken durch Turmaufsätze bei Bauten der Hannoverschen Schule. Ferner um 1900: Neues Rathaus (1901-1913), Treppentürme; Bahlsen-Verwaltungsgebäude (1911) mit Vertikalakzent durch Wasserturm und Dachreiter. Weitere Bauten mit Dachreitern: Goseriedebad (1902-05), Pelikan-Werke (1904-06), Ricarda Huch Schule (1907, Dachreiter nicht erhalten), Wilhelm-Raabe-Schule (1905-08), Amtsgerichtsgebäude (1907-11, monumentaler Dachreiter nicht erhalten).

[26]            Links: 1. Älterer führt jüngeren Schüler, 2. Mutter übergibt Kind an einen Lehrer, 3. Aufmerksam lauschender Schüler
und dozierender Lehrer. Rechts: 4. Bärtiger Lehrer umarmt und entlässt Jüngling ins Leben (?), 5. Zwei Schüler nehmen Abschied, 6. Zwei Jünglinge im Gespräch. Ob der übrige plastische Bauschmuck ebenfalls von Waterbeck stammt (was der Verfasser eher für unwahrscheinlich hält), konnte in Ermangelung von Schriftquellen nicht geklärt werden. Waterbeck studierte nach einer Ausbildung zum Holzschnitzer 1897-1902 an der Kunstakademie in Wien und lebte seit 1903 als freischaffender Künstler in Hannover. Hier haben sich von ihm u.a. eine Reliefplatte am Neuen Rathaus (Einzug des Kg. Ernst August, 1912/13) und die monumentalen Tierplastiken an der Bernadotte-Alle (Wisent 1933i, Hirsch 1936i) erhalten. Außerhalb der Stadt gibt es Freiplastiken von Waterbeck in Magdeburg, Stettin, Hildesheim und Bad Pyrmont (vgl. Hannoversches biographisches Lexikon, Hannover 2002, 377).

[27]            Vgl. die mit 2074 m2 resp. 1050 m2 wesentlich weniger großzügig geplanten Schulhöfe der kaum älteren Sophien- und
Luther-Schule (Verwaltungsbericht 1906/07, 310-313). Tennisplätze stellten offenbar keinen Luxus dar, denn auch die Raabe-Schule verfügte seit 1912 über diese Sportanlagen, vgl. Günnewig 2003, 35.

[28]            De Jonge 1911, 137.

[29]            Vgl. Günnewig 2003, Abb. S. 32.

[30]            De Jonge 1911, 138. Die Ausmalung besorgte die FA Dirksen und Plinke, Hannover (ebd., 139).

[31]            Vgl. Schulleiter Kolde an Schuldezernat: Liste erhaltenen schuleigenen Inventars vom 12.03.1948 nennt u.a. 4 Gipsbüsten mit Wandkonsolen, daneben auch 1 Orgel, 41 Schränke, 1 Flügel, I Postament, 38 Lederpolsterstühle, 22 Wandbilder usw. von denen heute allein die Orgel überdauert hat.

[32]            Vgl. den Abschlussbericht des Hochbauamtes vom 05.07.1968 zur Umbauphase von 1958-64.

[33]            Rümelin 2004, 59. Zu vermuten ist, dass es in der Bismarckschule Wandbrunnen auch im Erd- und 1. Obergeschoss gab, so wie dies auch in der Raabe-Schule in Hannover der Fall war, vgl. Günnewig 2003, Abb. S. 34.

[34]            FIBH-BS, 27.03.1954, In diesem Sinne Hochbauamt der Landeshauptstadt Hannover an Stadtschulrat Prof. Oppermann.

[35]            Vgl. den Farbentwurf von Halmhuber in Steinweg 1988, Abb. S. 78 und die Abb. auf S. 153. Der Umbau des Festsaales
zum Sitzungssaal des Rates war 1959 fertiggestellt, ebd. Abb. S. 189 und S. 191.

[36]            Vgl. Scharf 1984, 229-238 mit Abb. Z115, T162 und Krauskopf 2002.

[37]            Vgl. Gohr, Siegfried, Der Alexanderfries. In: Bertel Thorvaldsen, Untersuchungen zu seinem Werk und zur Kunst seiner Zeit. Katalog Kunsthalle Köln 1977, 80-83. Wittstock, Jürgen, Thorvaldsen und die Deutschen. In: Künstlerleben in Rom, Bertel Thorvaldsen (1744-1844), Der dänische Bildhauer und seine deutschen Freunde. Katalog Germanisches Nationalmuseum Nürnberg 1992, bes. 206-208.

[38]            Insofern korrespondierte die hannoversche Fassung, deren Abmessungen sich nur anhand des überlieferten Zeichnungs- und Fotomaterials rekonstruieren lassen, mit der in Marmor 1822 von Pietro Galli begonnen Variation des Frieses: H: 55,5 cm B: 22,94 in (vgl. Das Thorvaldsen Museum, Bestandskatalog, København 1997, Kat.-Nr. A 508.)

[39]            Vgl. den Hinweis bei Dortmund/Vogt/Johannsen 1991, 85.

[40]            Für die Beschaffung der Orgel wurden 3.780 Mark gestiftet, hinzu kam ein städtischer Zuschuss von 1.000 Mark. Auch schuf der Maler Hermanns eine weitere Heidelandschaft für das Direktorenzimmer und Prof. Breling ein Bild der Hannoverschen Truppen in der Schlacht von Mars-la-Tour, das vermutlich im Lehrerzimmer aufgehängt war. Vgl. 5. Jahresbericht der städtischen Bismarckschule 1911/12, Teil III. Chronik der Schule und Perret et al. 1981, Abb. S. 249 oben.

[41]            Kleist 1911, 179.

[42]            I.E. zeigten sich Veränderungen: im Verzicht auf den Rustika-Sockel an der Westfassade des Klassentraktes und die barockisierte Eingangspforte neben der Turnhalle; in der Vereinfachung der Fensterformen (Verzicht auf Maßwerk in den Aulafenstern, auf Fensterbrüstungen unterhalb der Fenster der großen Turnhalle, auf Festons* in den Fensterbrüstungen des Sockelgeschosses); im Verzicht auf leicht geschwungene zugunsten begradigter Dachkonturen und Dachreiterhelme sowie auf die Vasenbekrönung am Kranzgesims des Nordbaus.

[43]            Das Hauptportal war zunächst als Rundbogenöffnung mit vorgelegten Halbsäulen und bekrönenden Vasen auf einem Architrav und ohne Balkon geplant. Das Nordportal sollte anstelle der Bienenkorb-Pilaster eine schlichte Steinschnittrahmung erhalten. – Die Atelierfenster des großen Zeichensaales wurden an den Ecken begradigt und der kleine Zeichensaal erhielt anstelle von drei querliegenden Ochsenaugen zur besseren Belichtung hochrechteckige Fenstergruppen.

[44]            De Jonge 1911, 139.

[45]            Diese und die folgenden biografischen Angaben sind v.a. der Bewerbung von de Jonge vom 24.04.1925 um die Stelle des hannoverschen Stadtbaurates entnommen, der er eine Tätigkeitsübersicht anfügte (Stadtarchiv Hannover, städtische Personalakte Nr. 6966, de Jonge).

[46]            Der zuvor in Hindenburgschule umbenannte Bau wurde während des 2. Weltkrieges als Feldpostamt genutzt, schwer
beschädigt und dient seit Ende 1945 und dem 1948 abgeschlossenen Wiederaufbau als Handelslehranstalt (Berufsbildende Schule). Neben der instand gesetzten Außenfassade sind im Inneren nur das Entree hinter dem Hauptportal und das Osttreppenhaus annährend original erhalten. Vgl. Behrens/Schönfelder 1987, 70.

[47]            Stadtarchiv Hannover, städtischen Personalakte Nr. 6966, de Jonge: Dienstreisebericht vom 03.03.1909 und Dienstreisegenehmigung vom 05.01.1911.

[48]            Wie Anm. 45 und Hannoverscher Anzeiger vom 02.09.1933 zum 25jährigen Dienstjubiläum von de Jonge.

[49]            Rümelin 2004, 61.

[50]            Kleist 1911, 179.

[51]            Nachweise in Rümelin 2004, 54-62. Vgl. auch Sauer 1989, lf, Dortmund/Vogt/Johannsen 1991 und Jendrny 1995.

[52]            Vgl. Meyers Großes Konversationslexikon, Bd. 18, Leipzig/Wien 'I907, 66, Stichwort Schulgesundheitspflege, Koch 1989, Jendrny 1995 und Kokkelink 1998, S. 275f.

[53]            Jendrny 1995 und David-Sirocko 1992, S. 175.

[54]            Rümelin 2004, 62.

[55]            Nachweise ebd.

[56]            Zu diesem Komplex vgl. Krauskopf 2002, 90-120.

[57]            Vgl. die Würdigung in neueren Architekturverzeichnissen: Boockhoff/Knotz 1981, G4 ; Neß et al. 1983, 119 ; Dehio 1992, 619; Knocke/Thielen 1994, Nr. 33; Jendrny 1995; Wörner/Hägele/Kirchhoff 2000, Nr.161.

[58]            Zur Problematik der Definition von Jugendstilarchitektur vgl. Lieb 2000, 10-13. Das Spannungsfeld in dem sich
- einmal ganz abgesehen von den internationalen Entwicklungen – auch die Architektur in Hannover unmittelbar vor dem 1. Weltkrieg bewegte, lässt sich auch in der Gegenüberstellung der etwa zeitgleichen neobarocken Monumentalbauten der Stadt auf der einen (Oberpostdirektion, Zeppelinstraße 24, Oberpostbaurat Schäffer, 1909-12 und Amtsgericht, Volgersweg 1, Paul Thoemer, 1907-1911) und den bereits erwähnten Verwaltungsgebäuden der Bahlsen Keksfabrik (1911) und der Continental-Gummiwerke (1912) oder der Stadthalle (Paul Bonatz/F.E. Scholer, 1914) auf der anderen Seite ermessen.

[59]            Vgl. Braun et al., Schulen in Deutschland, Neubau und Revitalisierung. Gestaltungspreis der Wüstenrot Stiftung, Begleitheft zur Wanderausstellung, Ludwigsburg/Stuttgart 2002.

[60]            Günnewig 2003, 30.

[61]            Vgl. das Andreanum (C. W. Hase, 1866-1869) und die Höhere Töchterschule (W. Knoch, 1876-1878) in Hildesheim, das Katherineum in Lübeck (A. Schwiening, 1890/91) und die Lüneburger Raabe-Schule, deren Neubaukosten ohne Baugrund immerhin 547.000 Mark, die der Einrichtung 59.000 Mark betrugen. Alle Nachweise bei Rümelin 2004, 62.

[62]            De Jonge 1911, 139.

[63]            Verwaltungsbericht 1906/07, 310-313. Die Baukosten für die o.g. Oberrealschule am Clever Tor werden mit 824.000 Mark angegeben (Behrens/Schönfeder 1987, 70). Die von Wesby 1913, 56 gegebene Zusammenstellung der Baukosten (ohne Grundstückswerte) nennt Zahlen, die von denen des o.g. Verwaltungsberichtes z.T. abweichen: u.a. Raabe-Schule 940.000 M, Lutherschule 440.000 M, Sophienschule 430.000 M.

[64]            In der Universitätsbibliothek Hannover sind die Jg. 1 (1899)-24 (1929/30) nachgewiesen.

[65]            Vgl. HR 16/1932, OStD Kühnhold: Zur Chronik der Bismarckschule (01.07.-31.12.1943), datiert 19.04.1944. Vgl. auch JB der Bismarckschule 1966, 9. Insbesondere die Verschickung der jüngeren Bismarckschüler nach Clausthal ist von dem ehemaligen Bismarckschüler Hans-Jürgen Feuerhake aufgearbeitet worden, der der Schule dankenswerterweise auch die von ihm ausgewerteten Archivalien des Stadtarchivs Hannover als Kopien zur Verfügung stellte. — Über die, insb. während der Nachkriegszeit katastrophalen Lebensbedingungen ist mit Bezug auf die Schule an anderer Stelle ausführlich berichtet worden, so dass hier auf Perret et al. 1981, 285-314 verwiesen werden kann.

[66]            JB der Bismarckschule 1966, 7, 9.

[67]            05.01.1940, Stadtschulrat Fischer an OB Dr. Haltenhoff; 07.02.1940 und 09.05.1940, Chefarzt Dr. Rahnenführer an OB Dr. Haltenhoff. Diese und die folgenden Angaben sind, soweit nicht anders angegeben, dem Aktenbestand HR 16 Nr. 710 des Stadtarchivs Hannover entnommen.

[68]            29.03.1946, Oberpräsident der Provinz Hannover an Ob.-Stadt-Dir. von Hannover.

[69]            31.03.1947, Krankenanstalt Bismarckschule, Inventarliste der von der Schule erhaltenen Gegenstände. 20.10.1947, Dr. Nagel, Dez. Gesundheits- und Sozialwesen an stellvertr. OB Hannover.

[70]            09.10.1945, OStD Kühnhold an Oberpräsidenten der Provinz Hannover, Abt. Kultus; 07.03.1949, Protestbrief der Elternvertreter der Bismarckschule und 3 weiterer Schulen an den gen. Minister; 27.04.1949, Vereinbarung über die Teilrückgabe der Schule: Davon betroffen waren zunächst die Räume des 2. Obergeschosses bis zur Trennungstür, im 3. Stock der Singsaal und der Zeichensaal 2 sowie der vordere Schulhof, von dem auch der separate Zugang durch den alten Haupteingang erfolgte.

[71]            Perret et al. 1981, 280.

[72]            28.04.1949, 02./11.11.1949, Schulleiter Kolde an Schuldezernat.

[73]            Vgl. HR 16 Nr. 710, Korrespondenz (u.a. vom 21.08.1940, 19.04.1941,14.04.1942) und Perret et al. 1981, 280.

[74]            HR 16/710, OStD Kühnhold, Tagebucheintragungen vom 16.09.1941, 03.10.1941, 24.02.1942 sowie HR 16/1932, 19.04.1944, OStD Kühnhold: Zur Chronik der Bismarckschule (01.07.-31.12.1943).

[75]            Ebd. und HR 16 Nr. 710, Korrespondenz vom 17.03.1942, 29.08.1942.

[76]            In HR 16 Nr. 710 sind mehrere Transporte in die Tennishalle verzeichnet (15./16.03.1940, 28.04.1942, 29.08.1942). Das Inventar-Verlustverzeichnis vom 04.10.1943 in HR 39 Nr. 92 nennt neben den oben bereits angeführten Gegenständen u.a. noch 12 sechssitzige (!) Bänke, 26 Katheder, 11 Stehpulte, 35 Akten-, 11 Klassenschränke, 10 Schreibtische, 2 Zeichenpulttische zweisitzig, 3 Zeichenpulttische fünfsitzig.

[77]            HR 16 Nr. 710: Korrespondenz vom 18.03.1941, 24.03.1942, 16.11.1942.

[78]            Ebd.: Korrespondenz vom 24.04.1940 und HR 16/1932, 19.04.1944, Kühnhold: Zur Chronik Bismarckschule 1943. Welche dieser Gegenstände, mit Ausnahme einiger Altbestände der Bibliothek, den Weg zurück in die Schule gefunden haben, konnte nicht geklärt werden.

[79]            HR 16 Nr. 710: 23.04.1942, Kühnhold an OB. Und HR 16/1932, 19.04.1944, Kühnhold: Zur Chronik Bismarckschule 1943.

[80]            Ebd. und HR 39 Nr. 92, Inventar-Verlustliste vom 04.10.1943.

[81]            HR 16 Nr. 710, Korrespondenz vom 17.01.1948 und 12.03.1948.

[82]            So waren von 87 Schulgebäuden 39 total zerstört, 23 schwer, 21 leicht und nur 4 unbeschädigt. Nur 5 % der Wohnungen in der Stadt waren unbeschädigt, mehr als 50 % aber völlig zerstört oder schwer beschädigt. Vgl. Hannover 1945, 69 (zit. n. Hannover-Chronik, 190)

[83]            HR 16 Nr. 710, Korrespondenz vom 06.05.1943, 09.10.1945 und HR 16 Nr. 1932, 19.04.1944, Kühnhold: Chronik Bismarckschule 1943.

[84]            JB der Bismarckschule 1966, 10. Das Geschäfts- und Lehrerzimmer der TKS lag 1951 im 2. Stock am Nordende des Flures.

[85]            HBH-BS, 15.12.1952, Schulleiter Kolde an Hochbauamt.

[86]            HBH-BS, 24.11.1951, Schulleiter Kolde an Schulverwaltung.

[87]            HBH-BS, 09./19.01.1952, 31.01.1952, Schulleiter Kolde an Schulverwaltung.

[88]            HBH-BS, 22.08.1952, Dez. VII an Hochbauamt.

[89]            HBH-13S, 02.02.1953, Auflagen des Bauordnungsamtes.

[90]            In Hannover war Fiederling auch für Wiederaufbau und Ergänzung der katholische Propsteikirche St. Clemens verantwortlich. Weitere biographische Angaben zu Fiederling in Lindau 2000, 323. Die Aula der Bismarckschule und der genannten Bauten sind abgebildet in Neues Bauen in Hannover, Wirtschaftsmonographien, Folge 6, Stuttgart 1955, 71-73. Dabei hat Fiederling in der Mittelschule am Lindener Berg oberhalb des Bühnenvorhangs das Orpheus-Thema in ähnlich friesartiger Form und in der Elisabeth-Granier-Schule die gleichen Wandstrahler wie in der Bismarckschule verwendet.

[91]            HBH-BS, 11.08.1953, Prof. Dr.-Ing. Fiederling an Hochbauamt mit Kostenschätzung von 75.000 DM; Ausführung vom Oberstadtdirektor am 26.08.53 genehmigt.

[92]            Anlässlich eines Gesprächs am 03.04.2004.

[93]            HBH-BS, 29.10.1953, Mannesmann Röhrenwerke Essen an Hochbauamt betr. Lieferung und Montage der Tragkonstruktion für die Auladecke für 12.850 DM.

[94]            HBH-BS, 05.02.1954, Architekt Walter Klare (Partner von Fiederling): Fiederling hat nach Akustikgutachten (Darmer) Entwurf um seitliche Akustikplatten verändert. Anlage: Baukostenzusammenstellung, Gesamtkosten 134.000 DM, u.a. Entwurf Fiederling, Bauleitung Klare. Ebd., 02.04.1954, Aulapläne/Konstruktion aus Bauordnungsamt an Hochbauamt.

[95]            Zum Umgang mit dem baukünstlerischen Erbe in der Ära des von 1948-1975 amtierenden Stadtbaurates Hillebrecht vgl. Lindau 2000.

[96]            Zu den zwischen 1919 und 1933 in Hannover errichteten Kriegerdenkmälern vgl. Schneider 1989.

[97]            Vgl. HBH-BS, Grundriss und Wandabwicklung der Aulavorhalle mit Ehrenmal Dannemann an der Westwand. HBH-BS, 03.06.1958, Prof. Kurt Schwerdtfeger, Alfeld [an Hochbauamt]; ebd., 14.06.1958, Hochbauamt an Schulamt: Kosten Gefallenen-Ehrenmal von insg. 6.000 DM (Kulturverwaltung 3.000 DM, Elternspenden 1.500 DM, Anfrage: Rest Schulamt?).

[98]            Lindau 1998, 67 mit Anm. 8, 78.

[99]            Zum Sportplatz: HBH-BS, 01.04.1953, Stadtplanungs- und Vermessungsamt – und JB Bismarckschule 1966, 11.

[100]           Die Bauzeichnung (2. Lösung vom 03. I 2.1955) sah vor: 2 Zeichen-, 2 Werkräume, je 1 Sammlungs-, Projektions-, Brenn- und Maschinenraum sowie Abort.

[101]           HBH-BS, 08.04.1960, Oberbaurat an Schulamt. Hierzu und den folgenden Ausführungen vgl. HBH-BS, Abschlussbericht vom 05.07.1968 zu den Umbaumaßnahmen an der Bismarckschule 1958-64.

[102]           HBH-BS, 15.08.1960, Aktenvermerk Baurat Bettex, Hochbauamt.

[103]           HBH-BS, 12.07.1961, Baugenehmigung; 28.08.1961, Oberbaurat an Stadtbaurat Hillebrecht und Bericht Baurat Rösler v. 17.11.61.

[104]           HBH-BS, 05.02.1959, Schulhausmeister Böttcher an Schulamt betr. vorderen Schulhof.

[105]           HBH-BS, 13.05.1975 Bauantrag; 08.10.1975, Engelbert Regnauer KG Fertigbauwerk an Hochbauamt betr. durchgeführte Arbeiten.

[106]           In diesem Sinne Dipl.-Ing. Wilhelm Lucka, Gebietsreferent am Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, der mir dankenswerterweise eine von ihm 2001 verfasste Begründung der Denkmaleigenschaft der Bismarckschule zugänglich machte.

[107]           Abgängig am Außen bau nach 1945: Balkonbrüstung über dem Nordportal, Nebenportal der kleinen Turnhalle, Portal am Südtreppenturm, WC- und Turnhallenanbau, Original-Holztüren und Oberlichter der Portale, Pforte zum Schulhof, Einfriedungsmauerstück an der Südseite, Vergitterung der Einfriedungsmauer an der NO-Ecke und dort befindliche Sitzbank, Hofbrunnen, Sprossenfenster der Westfassade und des Nordtraktes, großes Aula-Ostfenster, Vasenbekrönung des Aulatraktes, Fledermausgaupen, dachreiterartige Dachentlüftungen des Klassentraktes, Schornsteine, v.a. auf der Sternwartenplattform.

Inhalt

Städtebauliche Situation
Rekonstruktion des ursprünglichen Raumprogramms
Außengestalt
Bauschmuck am Außenbau
Ausstattung
Aula und Aulavorhalle
Bauprogramm und Planungsgeschichte
Die Schule als Reservelazarett und Krankenanstalt
Instandsetzungen der Nachkriegszeit
Umbauten und Ergänzungen 1958 - 1964 und 1975
Denkmaleigenschaft und Zukunftswert
Glossar
Archivalien
Literatur
Bildnachweis
Anmerkungen

 
 

 

 
 

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An der Bismarckschule 5, 30173 Hannover,
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