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Jahrbuch und Dokumentation

Zeit Schnitte

Festschrift 100 Jahre Bismarckschule Hannover 1906-2006

Herausgegeben von Lothar Nettelmann und Hansjörg Rümelin für die Bismarckschule Hannover • unesco-Gymnasium am Maschsee•

 
 

Grußwort

Zum 100 jährigen Schuljubiläum des Gymnasiums Bismarckschule Hannover gratuliere ich und möchte das Jubiläum zum Anlass nehmen, mich zu bedanken bei den Lehrkräften, der Schulleitung, den Mitarbeitenden sowie dem Schulträger für die bisher geleistete Arbeit und Unterstützung der Schule, bei den Schülerinnen und Schülern für das gezeigte Lernengagement sowie bei den Erziehungsberechtigten für das Vertrauen, das sie in diese Schule setzen, und für ihre Mitarbeit in den schulischen Gremien und bei außerunterrichtlichen Aktivitäten.

Mit einhundert Jahren zählt die Bismarckschule Hannover schon zu den älteren Gymnasien der Stadt. Ihre Schulgeschichte war geprägt von Zeiten des Aufbruchs, der Umbrüche, auch Katastrophen, sowie des Wiederaufbaus und der Konsolidierung. Das ehrwürdige Schulgebäude mit einer eigenen Sternwarte verweist auf eine lange Tradition und verleiht der Bismarckschule als südstädtischem Gymnasium ein markantes Profil in der Topographie der Stadt. Auch der Schulname unterstreicht, dass es sich bei der Bismarckschule um ein traditionsreiches Gymnasium handelt.

Der gekonnten Verknüpfung von Tradition und Moderne muss sich jedes Gymnasium konzeptionell immer wieder stellen. Der Bismarckschule ist diese Verknüpfung gelungen mit einem neuen besonderen Schwerpunkt im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich auf der einen Seite, der Weiterentwicklung der fremdsprachlichen, geisteswissenschaftlichen und musisch-künstlerischen Bereiche als den anderen wesentlichen Elementen des tradierten gymnasialen Fächerkanons auf der anderen Seite. Als UNESCO-Projekt-Schule hat die Bismarckschule außerdem schon ab den 50er Jahren auf internationale Kontakte und internationale Zusammenarbeit gesetzt und weiß sich den Zielen der UNESCO „Verantwortung, Toleranz und Internationalität“ verpflichtet. Konkrete Verantwortung übernimmt sie hierbei für ein Schul- und Gesundheitsprojekt in La Paz (Bolivien) und im Rahmen des Baltic-Sea-Projekts in Zusammenarbeit mit UNESCO-Partnerschulen der acht Ostsee-Anrainerstaaten. Ihr schulprogrammatisches Motto „Die Sachen klären, den Menschen stärken und die Gemeinschaft pflegen“ beschreibt in prägnanter und knapper Weise, worum es im Kern am Gymnasium geht, an der Bismarckschule aber unter bewusster Hineinnahme des weltweiten UNESCO-Kontextes.

Die Schule hat in ihrer Geschichte, auch in äußerst schwierigen Zeiten, die an sie gestellten Anforderungen angenommen und erfolgreich für ihre Schülerinnen und Schüler gewirkt. In ihrem Jubiläumsjahr steht die Bismarckschule als Gymnasium erneut vor Herausforderungen, die sich mit den Stichworten „Eigenverantwortliche Schule“, „Gymnasium mit den Schuljahrgängen 5 bis 12“, „Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe“, „Zentralabitur“, „Kerncurricula und Bildungsstandards“ oder „Schulinspektion“ charakterisieren lassen. Dabei sind strukturelle Neuerungen von der. Schule in eigene Konzepte zur Qualitätsentwicklung von Unterricht und Erziehung zu transformieren und zu nutzen. Für diesen Umsetzungsprozess wünsche ich der Schule den nötigen Erfolg, das richtige Augenmaß, aber auch die erforderliche Bescheidenheit. Denn es war der Namensgeber der Schule selber, der einmal den knappen Satz sagte, dass man den großen Mann – von einer großen Frau hat er bezeichnenderweise nicht gesprochen - an drei Dingen erkennt: Großzügigkeit im Entwurf, Menschlichkeit in der Ausführung und Mäßigung im Erfolg. Großzügigkeit im Sinne einer anspruchsvollen und hohen Zielsetzung bei den neuen Konzepten, Menschlichkeit im Sinne einer wirklichen Zuwendung zu den anvertrauten Schülerinnen und Schülern und Mäßigung im Sinne von Bescheidenheit, wenn sich die Erfolge einstellen, diese Orientierungen wünsche ich der Schule auf ihrem Weg in das zweite Jahrhundert.

Hannover, im Juli 2006

Bernd Busemann

Niedersächsischer Kultusminister

Grußwort

Die Bismarckschule feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Zu diesem Jubiläum gratuliere ich im Namen der Landeshauptstadt Hannover sehr herzlich.

Zehntausende Schülerinnen und Schüler haben im Laufe der Jahre die Schule absolviert und sind mit dem Rüstzeug für das spätere Leben ausgestattet worden. Dieses spätere Leben war in den zurückliegenden Jahrzehnten nicht immer ein Einfaches und nicht immer konnte das Erlernte wie erwartet angewandt werden: Auch zwei Weltkriege und die dunkle Zeit des Nationalsozialismus prägen die Geschichte der Schule mit und erinnern daran, dass demokratisches und selbstbestimmtes Handeln nicht immer selbstverständlich war.

Die vorliegende Festschrift blickt natürlich auf Vergangenes zurück. Sie zeigt aber vor allein wie modern, leistungsstark und selbstbewusst sich die traditionsreiche Südstädter Schule

heute präsentiert. Zahlreiche Projekte und Aktivitäten wirken über den Schulbetrieb hinaus. Das gilt insbesondere für das UNESCO-Projekt, über das ich mich persönlich ganz besonders freue.

Die Bismarckschule gehört bereits seit 1953 zu den UNESCO-Projekt-Schulen und war einer der Vorreiter in Deutschland. Auch der Schüleraustausch und die rege Zusammenarbeit mit polnischen Partnern zählen zu den herausragenden Leistungen der Schule.

Die Bismarckschule ist ein fester und guter Begriff in Hannover. Sie ist ein Stück Stadtgeschichte und eine Schule mit Weitblick und dies durch die markante Sternwarte auch im wörtlichen Sinne.

Ich wünsche den zum Jubiläum geplanten Veranstaltungen einen guten Verlauf und der Schule weiterhin viel Erfolg und alles Gute!

Herbert Schmalstieg

Oberbürgermeister

Vorwort

Die Bismarckschule wird 100 Jahre alt — 1906 wurden die ersten Schüler in die Bismarckschule aufgenommen, der Magistrat der Stadt Hannover hatte im Januar die Gründung der Bismarckschule beschlossen, und zwar als ein Reform-Realgymnasium Frankfurter Systems mit der für alle verbindlichen Fremdsprache Latein. War die Bismarckschule zunächst in einem Schulgebäude der früheren Hebammen-Lehr-und Entbindungsanstalt in der Meterstraße untergebracht, so zog sie 1911 in unser wunderschönes, ausdrucksstarkes Gebäude ein, das glücklicherweise nicht durch den 2. Weltkrieg zerstört wurde.

Anlässlich der Einweihung der Bismarckschule betonte der Direktor des Provinzialschulkollegiums, Oberregierungsrat Dr. Lüdecke die allseitige Pflicht, durch rastlose Arbeit am Lehr- und Erziehungswert die Schule ... zu einem Pflanzgarten frommer, tüchtiger und vaterländischer Gesinnung zu machen. Und der damalige Schulleiter Professor Dr. Rohrbach sagte: Wenn das Ziel, in den nunmehr übernommenen herrlichen Räumen nicht nur einseitig Bücherunterricht, sondern als Gegengewicht auch frisches, frohes Jugendleben auf Schulspielplätzen, Ausflügen und an den praktischen Arbeitsstätten zu pflegen, erreicht werde, dann könne sich die Schule als zweite Heimstätte ihrer Zöglinge betrachten. Er schloss seine Rede mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Kaiser Wilhelm.

100 Jahre Bismarckschule – welch ein epochaler Wandel vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und die Nazi-Diktatur zur Bundesrepublik Deutschland! Von der Knappheitsgesellschaft zur Wohlstandsgesellschaft, von der Monarchie zur Demokratie, von der Erziehung zum Untertan zur Erziehung des mündigen Bürgers!

Schule ist immer auch ein Spiegel der jeweiligen Gesellschaft. Angesichts der gegenwärtigen Umbrüche in Gesellschaft und Politik (Globalisierung, Arbeitslosigkeit, demographischer Wandel, Vertrauensverlust in die Politik u.a.m.) ist die Lage auch für Erwachsene unübersichtlich, und die öffentliche Diskussion über die einzuschlagende Richtung verläuft kontrovers und heftig. Der Orientierungsverlust und das Gefühl der Unsicherheit sind für das Alltagsbewusstsein vieler Erwachsener vorherrschend geworden, was ihre Position gegenüber den Heranwachsenden nicht unbedingt stärkt.

Natürlich ist auch die Schule von den strukturellen Veränderungen betroffen, die Notwendigkeit von Schule als Vorbereitung auf das Leben gilt mehr oder weniger unbestritten, aber die häufigen Klagen über Niveauverlust oder Disziplinmangel, über unzureichende Grundkenntnisse oder rücksichtslose Ich-Bezogenheit weisen auf Unzufriedenheiten mit der Schule hin. Wenn auch die PISA-Untersuchungen dem Gymnasium relativ erfolgreiche Arbeit bescheinigt haben, so sind die PISA-Ergebnisse für die Gymnasien kein Grund zum Ausruhen — das Schulwesen befindet sich in einer Anerkennungskrise und jede Schule muss für sich einen Weg für die Weiterentwicklung von Lern- und Schulkultur finden.

Bewahrung und Erneuerung sind die Richtungsweiser für den Weg der Bismarckschule.

Wie sieht der Weg der Bismarckschule im Jahre 2006 aus? In den vergangenen Jahren hat sich die Bismarckschule erheblich verändert: Die Zahl der Schülerinnen und Schüler stieg von 450 auf über 1000, das Kollegium wuchs von 42 auf 70 Lehrkräfte, der Generationswechsel des Kollegiums hat voll eingesetzt – ca. die Hälfte des Kollegiums ist in den letzten sechs Jahren eingestellt worden. Wir haben unser Bildungsangebot in folgender Weise akzentuiert:

·         die Einrichtung mathematisch-naturwissenschaftlicher Schwerpunktklassen ab der 5. Klasse,

·         die Bildung der Bläserklasse (gemeinsames Musizieren im Klassenverband) im 5. und 6. Jahrgang,

·         das fremdsprachliche Angebot mit „Spanisch“ als zweite Fremdsprache neben Französisch und Latein, Italienisch als neu beginnende Fremdsprache ab Klasse 10,

·         bilingualer Unterricht ab dem 7. Jahrgang,

·         in der gymnasialen Oberstufe bieten wir den sprachlichen, den naturwissenschaftlichen, den gesellschaftswissenschaftlichen und den musisch-künstlerischen Schwerpunkt mit einer breitestmöglichen Palette an wählbaren Fächern an.

Wir möchten ein lebendiges Schulleben entwickeln, um Schule zu einem Erfahrungs- und Kommunikationsort werden zu lassen:

Wir haben ein breites Angebot von Arbeitsgemeinschaften: Astronomie, Rudern, Hockey, Fitness, Chor, Big-Band, Trommeln, Theater, Naturwissenschaften, Berufsorientierung und Bewerbungstraining, Schulzeitung. Die Bismarckschule ist eines der vier UNESCO-Gymnasien in Niedersachsen. Die UNESCO-AG plant und organisiert Projekttage, z.B. zum Thema „Wasser“ „Spiel ohne Grenzen“ und betreut das Bolivien-Projekt. Ein Höhepunkt war der run .for help am Maschsee mit einer Spendensumme von 28.000,- € im Jahre 2002. Die THIMUN-AG nimmt jedes Jahr an der UN-Vollversammlung in DEN HAAG teil: 3.000 Schülerinnen und Schüler aus 85 Nationen veranstalten eine Sitzungswoche der UN-Vollversammlung in englischer Sprache.

Die in einer Selbsthilfeaktion geschaffenen Cafeteria ist zu einem zwanglosen Begegnungsort von Schülern, Lehrern und Eltern geworden. Die Eltern- und Schülervertreter werden umfassend in schulische Diskussions- und Entscheidungsprozesse einbezogen. Im Jahre 2005 haben wir nach intensiven Diskussionen ein Ganztagsangebot eingerichtet, wegen der unzureichenden personellen und räumlichen Ausstattung vorläufig nur für eine begrenzte Schülerzahl. Ich erhoffe mir in der Tat davon, dass die Bismarckschule mehr zu einer Heimstätte für unsere Schülerinnen und Schüler wird. Im Zwei-Jahres-Rhythmus feiern wir im Spätsommer unser Schulfest, kurz vor Weihnachten finden unsere Abiturienten-Treffen statt, im Februar präsentieren wir die Bismarckschule am Tag der offenen Tür den Schülern und Eltern des 4. Grundschuljahrgangs.

Wir gehen in unseren Bildungsbemühungen von folgenden Orientierungspunkten aus:

Schule hat im Rahmen des Bildungsauftrags die Aufgabe, zur Selbsterhaltung und Weiterentwicklung von Gesellschaft und Demokratie beizutragen, indem sie den Heranwachsenden die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt. Die Erwachsenengeneration ist daran interessiert, dass die nachwachsende Generation in ihre Fußstapfen tritt und das Staffelholz weiter trägt. Die Bismarckschule bietet einen Halt gebenden Rahmen für diesen Entwicklungsprozess – orientiert an individueller Autonomie und sozialer Verantwortung.

Vision ist die fachkompetente, gebildete, verantwortliche Persönlichkeit.

Die Bismarckschule vermittelt Fachwissen und Fachkompetenzen, damit die Jugendlichen in der beruflichen Welt bestehen und den ständigen Wandel der Arbeitswelt bewältigen können.

Die Bismarckschule fördert die Entfaltung und die Persönlichkeitsbildung der Jugendlichen, damit sie ein selbstständiges und glückliches Leben führen können.

Die Bismarckschule ermöglicht und unterstützt Gemeinschaftserfahrungen, damit die Jugendlichen Zugehörigkeit erleben, Verständigung einüben und Verantwortung für die gemeinsamen Belange übernehmen können.

Die Bismarckschule will in diesem Sinne gute Schule sein und werden. Unsere Umgangsformen orientieren sich an Höflichkeit, Wertschätzung und Verlässlichkeit. Wir unterstützen das Lernen durch eine dynamische Balance zwischen:

·         Leistung fordern und fördern,

·         Anstrengung abverlangen und Anerkennung geben,

·         Zugehörigkeit erfahren und Entfaltung des Einzelnen ermöglichen,

·         Grenzen setzen und Raum geben.

Wir möchten das Lernen als Vorfreude auf sich selbst ermöglichen und unterstützen.

100 Jahre Bismarckschule – möge die Bismarckschule ein Ort gelingenden Lernens sein, ein Ort der Begegnung und ein Ort der Reflexion über gute Schule!

Johannes Brockmann

Schulleiter

 

 
 

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www.bismarckschule-100.de    Bearbeitungsstand: 23.12.2011

UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V.,
An der Bismarckschule 5, 30173 Hannover,
http://www.unesco-club-hannover.de
Verantwortlich für diese Seite: Gerhard Voigt,
bismarckschule.voigt@gmx.de,
http://www.voigt-bismarckschule.de

 

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