|

Zum 100 jährigen Schuljubiläum des Gymnasiums
Bismarckschule Hannover gratuliere ich und möchte das Jubiläum zum Anlass
nehmen, mich zu bedanken bei den Lehrkräften, der Schulleitung, den
Mitarbeitenden sowie dem Schulträger für die bisher geleistete Arbeit und
Unterstützung der Schule, bei den Schülerinnen und Schülern für das gezeigte
Lernengagement sowie bei den Erziehungsberechtigten für das Vertrauen, das
sie in diese Schule setzen, und für ihre Mitarbeit in den schulischen
Gremien und bei außerunterrichtlichen Aktivitäten.

Mit einhundert Jahren zählt die Bismarckschule Hannover
schon zu den älteren Gymnasien der Stadt. Ihre Schulgeschichte war geprägt
von Zeiten des Aufbruchs, der Umbrüche, auch Katastrophen, sowie des
Wiederaufbaus und der Konsolidierung. Das ehrwürdige Schulgebäude mit einer
eigenen Sternwarte verweist auf eine lange Tradition und verleiht der
Bismarckschule als südstädtischem Gymnasium ein markantes Profil in der
Topographie der Stadt. Auch der Schulname unterstreicht, dass es sich bei
der Bismarckschule um ein traditionsreiches Gymnasium handelt.
Der gekonnten Verknüpfung von Tradition und Moderne
muss sich jedes Gymnasium konzeptionell immer wieder stellen. Der
Bismarckschule ist diese Verknüpfung gelungen mit einem neuen besonderen
Schwerpunkt im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich auf der einen
Seite, der Weiterentwicklung der fremdsprachlichen,
geisteswissenschaftlichen und musisch-künstlerischen Bereiche als den
anderen wesentlichen Elementen des tradierten gymnasialen Fächerkanons auf
der anderen Seite. Als UNESCO-Projekt-Schule hat die Bismarckschule außerdem
schon ab den 50er Jahren auf internationale Kontakte und internationale
Zusammenarbeit gesetzt und weiß sich den Zielen der UNESCO „Verantwortung,
Toleranz und Internationalität“ verpflichtet. Konkrete Verantwortung
übernimmt sie hierbei für ein Schul- und Gesundheitsprojekt in La Paz
(Bolivien) und im Rahmen des Baltic-Sea-Projekts in Zusammenarbeit mit
UNESCO-Partnerschulen der acht Ostsee-Anrainerstaaten. Ihr
schulprogrammatisches Motto „Die Sachen klären, den Menschen stärken und die
Gemeinschaft pflegen“ beschreibt in prägnanter und knapper Weise, worum es
im Kern am Gymnasium geht, an der Bismarckschule aber unter bewusster
Hineinnahme des weltweiten UNESCO-Kontextes.
Die Schule hat in ihrer Geschichte, auch in äußerst
schwierigen Zeiten, die an sie gestellten Anforderungen angenommen und
erfolgreich für ihre Schülerinnen und Schüler gewirkt. In ihrem
Jubiläumsjahr steht die Bismarckschule als Gymnasium erneut vor
Herausforderungen, die sich mit den Stichworten „Eigenverantwortliche
Schule“, „Gymnasium mit den Schuljahrgängen 5 bis 12“, „Neugestaltung der
gymnasialen Oberstufe“, „Zentralabitur“, „Kerncurricula und
Bildungsstandards“ oder „Schulinspektion“ charakterisieren lassen. Dabei
sind strukturelle Neuerungen von der. Schule in eigene Konzepte zur
Qualitätsentwicklung von Unterricht und Erziehung zu transformieren und zu
nutzen. Für diesen Umsetzungsprozess wünsche ich der Schule den nötigen
Erfolg, das richtige Augenmaß, aber auch die erforderliche Bescheidenheit.
Denn es war der Namensgeber der Schule selber, der einmal den knappen Satz
sagte, dass man den großen Mann – von einer großen Frau hat er
bezeichnenderweise nicht gesprochen - an drei Dingen erkennt: Großzügigkeit
im Entwurf, Menschlichkeit in der Ausführung und Mäßigung im Erfolg.
Großzügigkeit im Sinne einer anspruchsvollen und hohen Zielsetzung bei den
neuen Konzepten, Menschlichkeit im Sinne einer wirklichen Zuwendung zu den
anvertrauten Schülerinnen und Schülern und Mäßigung im Sinne von
Bescheidenheit, wenn sich die Erfolge einstellen, diese Orientierungen
wünsche ich der Schule auf ihrem Weg in das zweite Jahrhundert.
Hannover, im Juli 2006

Bernd Busemann
Niedersächsischer Kultusminister
Die Bismarckschule feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Zu
diesem Jubiläum gratuliere ich im Namen der Landeshauptstadt Hannover sehr
herzlich.

Zehntausende Schülerinnen und Schüler haben im Laufe
der Jahre die Schule absolviert und sind mit dem Rüstzeug für das spätere
Leben ausgestattet worden. Dieses spätere Leben war in den zurückliegenden
Jahrzehnten nicht immer ein Einfaches und nicht immer konnte das Erlernte
wie erwartet angewandt werden: Auch zwei Weltkriege und die dunkle Zeit des
Nationalsozialismus prägen die Geschichte der Schule mit und erinnern daran,
dass demokratisches und selbstbestimmtes Handeln nicht immer
selbstverständlich war.
Die vorliegende Festschrift blickt natürlich auf
Vergangenes zurück. Sie zeigt aber vor allein wie modern, leistungsstark und
selbstbewusst sich die traditionsreiche Südstädter Schule
heute präsentiert. Zahlreiche Projekte und Aktivitäten
wirken über den Schulbetrieb hinaus. Das gilt insbesondere für das
UNESCO-Projekt, über das ich mich persönlich ganz besonders freue.
Die Bismarckschule gehört bereits seit 1953 zu den
UNESCO-Projekt-Schulen und war einer der Vorreiter in Deutschland. Auch der
Schüleraustausch und die rege Zusammenarbeit mit polnischen Partnern zählen
zu den herausragenden Leistungen der Schule.
Die Bismarckschule ist ein fester und guter Begriff in
Hannover. Sie ist ein Stück Stadtgeschichte und eine Schule mit Weitblick
und dies durch die markante Sternwarte auch im wörtlichen Sinne.
Ich wünsche den zum Jubiläum geplanten Veranstaltungen
einen guten Verlauf und der Schule weiterhin viel Erfolg und alles Gute!

Herbert Schmalstieg
Oberbürgermeister
Die Bismarckschule wird 100 Jahre alt — 1906 wurden die
ersten Schüler in die Bismarckschule aufgenommen, der Magistrat der Stadt
Hannover hatte im Januar die Gründung der Bismarckschule beschlossen, und
zwar als ein Reform-Realgymnasium Frankfurter Systems mit der für
alle verbindlichen Fremdsprache Latein. War die Bismarckschule zunächst in
einem Schulgebäude der früheren Hebammen-Lehr-und Entbindungsanstalt in der
Meterstraße untergebracht, so zog sie 1911 in unser wunderschönes,
ausdrucksstarkes Gebäude ein, das glücklicherweise nicht durch den 2.
Weltkrieg zerstört wurde.
Anlässlich der Einweihung der Bismarckschule betonte
der Direktor des Provinzialschulkollegiums, Oberregierungsrat Dr. Lüdecke
die allseitige Pflicht, durch rastlose Arbeit am Lehr- und Erziehungswert
die Schule ... zu einem Pflanzgarten frommer, tüchtiger und vaterländischer
Gesinnung zu machen. Und der damalige Schulleiter Professor Dr. Rohrbach
sagte: Wenn das Ziel, in den nunmehr übernommenen herrlichen Räumen nicht
nur einseitig Bücherunterricht, sondern als Gegengewicht auch frisches,
frohes Jugendleben auf Schulspielplätzen, Ausflügen und an den praktischen
Arbeitsstätten zu pflegen, erreicht werde, dann könne sich die Schule als
zweite Heimstätte ihrer Zöglinge betrachten. Er schloss seine Rede
mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Kaiser Wilhelm.
100 Jahre Bismarckschule – welch ein epochaler Wandel
vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und die Nazi-Diktatur zur
Bundesrepublik Deutschland! Von der Knappheitsgesellschaft zur
Wohlstandsgesellschaft, von der Monarchie zur Demokratie, von der Erziehung
zum Untertan zur Erziehung des mündigen Bürgers!
Schule ist immer auch ein Spiegel der jeweiligen
Gesellschaft. Angesichts der gegenwärtigen Umbrüche in Gesellschaft und
Politik (Globalisierung, Arbeitslosigkeit, demographischer Wandel,
Vertrauensverlust in die Politik u.a.m.) ist die Lage auch für Erwachsene
unübersichtlich, und die öffentliche Diskussion über die einzuschlagende
Richtung verläuft kontrovers und heftig. Der Orientierungsverlust und das
Gefühl der Unsicherheit sind für das Alltagsbewusstsein vieler Erwachsener
vorherrschend geworden, was ihre Position gegenüber den Heranwachsenden
nicht unbedingt stärkt.
Natürlich ist auch die Schule von den strukturellen
Veränderungen betroffen, die Notwendigkeit von Schule als Vorbereitung auf
das Leben gilt mehr oder weniger unbestritten, aber die häufigen
Klagen über Niveauverlust oder Disziplinmangel, über unzureichende
Grundkenntnisse oder rücksichtslose Ich-Bezogenheit weisen auf
Unzufriedenheiten mit der Schule hin. Wenn auch die PISA-Untersuchungen dem
Gymnasium relativ erfolgreiche Arbeit bescheinigt haben, so sind die
PISA-Ergebnisse für die Gymnasien kein Grund zum Ausruhen — das Schulwesen
befindet sich in einer Anerkennungskrise und jede Schule muss für
sich einen Weg für die Weiterentwicklung von Lern- und Schulkultur finden.
Bewahrung und Erneuerung sind die Richtungsweiser für
den Weg der Bismarckschule.
Wie sieht der Weg der Bismarckschule im Jahre 2006
aus? In den vergangenen Jahren hat sich die Bismarckschule erheblich
verändert: Die Zahl der Schülerinnen und Schüler stieg von 450 auf über
1000, das Kollegium wuchs von 42 auf 70 Lehrkräfte, der Generationswechsel
des Kollegiums hat voll eingesetzt – ca. die Hälfte des Kollegiums ist in
den letzten sechs Jahren eingestellt worden. Wir haben unser Bildungsangebot
in folgender Weise akzentuiert:
·
die Einrichtung
mathematisch-naturwissenschaftlicher Schwerpunktklassen ab der 5. Klasse,
·
die Bildung der Bläserklasse (gemeinsames
Musizieren im Klassenverband) im 5. und 6. Jahrgang,
·
das fremdsprachliche Angebot mit „Spanisch“ als
zweite Fremdsprache neben Französisch und Latein, Italienisch als neu
beginnende Fremdsprache ab Klasse 10,
·
bilingualer Unterricht ab dem 7. Jahrgang,
·
in der gymnasialen Oberstufe bieten wir den
sprachlichen, den naturwissenschaftlichen, den
gesellschaftswissenschaftlichen und den musisch-künstlerischen Schwerpunkt
mit einer breitestmöglichen Palette an wählbaren Fächern an.
Wir möchten ein lebendiges Schulleben entwickeln, um
Schule zu einem Erfahrungs- und Kommunikationsort werden zu lassen:
Wir haben ein breites Angebot von
Arbeitsgemeinschaften: Astronomie, Rudern, Hockey, Fitness, Chor, Big-Band,
Trommeln, Theater, Naturwissenschaften, Berufsorientierung und
Bewerbungstraining, Schulzeitung. Die Bismarckschule ist eines der vier
UNESCO-Gymnasien in Niedersachsen. Die UNESCO-AG plant und organisiert
Projekttage, z.B. zum Thema „Wasser“ „Spiel ohne Grenzen“ und betreut
das Bolivien-Projekt. Ein Höhepunkt war der run .for help
am Maschsee mit einer Spendensumme von 28.000,- € im Jahre 2002. Die
THIMUN-AG nimmt jedes Jahr an der UN-Vollversammlung in DEN HAAG
teil: 3.000 Schülerinnen und Schüler aus 85 Nationen veranstalten eine
Sitzungswoche der UN-Vollversammlung in englischer Sprache.
Die in einer Selbsthilfeaktion geschaffenen Cafeteria
ist zu einem zwanglosen Begegnungsort von Schülern, Lehrern und Eltern
geworden. Die Eltern- und Schülervertreter werden umfassend in schulische
Diskussions- und Entscheidungsprozesse einbezogen. Im Jahre 2005 haben wir
nach intensiven Diskussionen ein Ganztagsangebot eingerichtet, wegen der
unzureichenden personellen und räumlichen Ausstattung vorläufig nur für eine
begrenzte Schülerzahl. Ich erhoffe mir in der Tat davon, dass die
Bismarckschule mehr zu einer Heimstätte für unsere Schülerinnen und
Schüler wird. Im Zwei-Jahres-Rhythmus feiern wir im Spätsommer unser
Schulfest, kurz vor Weihnachten finden unsere Abiturienten-Treffen statt, im
Februar präsentieren wir die Bismarckschule am Tag der offenen Tür
den Schülern und Eltern des 4. Grundschuljahrgangs.
Wir gehen in unseren Bildungsbemühungen von folgenden
Orientierungspunkten aus:
Schule hat im Rahmen des Bildungsauftrags die Aufgabe,
zur Selbsterhaltung und Weiterentwicklung von Gesellschaft und Demokratie
beizutragen, indem sie den Heranwachsenden die notwendigen Kenntnisse und
Fähigkeiten vermittelt. Die Erwachsenengeneration ist daran interessiert,
dass die nachwachsende Generation in ihre Fußstapfen tritt und das
Staffelholz weiter trägt. Die Bismarckschule bietet einen Halt gebenden
Rahmen für diesen Entwicklungsprozess – orientiert an individueller
Autonomie und sozialer Verantwortung.
Vision ist die fachkompetente, gebildete,
verantwortliche Persönlichkeit.
Die Bismarckschule vermittelt Fachwissen und
Fachkompetenzen, damit die Jugendlichen in der beruflichen Welt bestehen und
den ständigen Wandel der Arbeitswelt bewältigen können.
Die Bismarckschule fördert die Entfaltung und die
Persönlichkeitsbildung der Jugendlichen, damit sie ein selbstständiges und
glückliches Leben führen können.
Die Bismarckschule ermöglicht und unterstützt
Gemeinschaftserfahrungen, damit die Jugendlichen Zugehörigkeit erleben,
Verständigung einüben und Verantwortung für die gemeinsamen Belange
übernehmen können.
Die Bismarckschule will in diesem Sinne gute Schule
sein und werden. Unsere Umgangsformen orientieren sich an Höflichkeit,
Wertschätzung und Verlässlichkeit. Wir unterstützen das Lernen durch eine
dynamische Balance zwischen:
·
Leistung fordern und fördern,
·
Anstrengung abverlangen und Anerkennung geben,
·
Zugehörigkeit erfahren und Entfaltung des
Einzelnen ermöglichen,
·
Grenzen setzen und Raum geben.
Wir möchten das Lernen als Vorfreude auf sich selbst
ermöglichen und unterstützen.
100 Jahre Bismarckschule – möge die Bismarckschule ein
Ort gelingenden Lernens sein, ein Ort der Begegnung und ein Ort der
Reflexion über gute Schule!
Johannes Brockmann
Schulleiter

|